Powerpop aus Köln: Geradlinige Mighty Mouse

Schnüss Dezember 2016, Seite 32

Ein internationales Kollektiv drückt auf die Tube. Ende November erschien das vierte Album des Kölner Powerpop-Quartetts Keegan.

Stehen ein Engländer, ein Deutscher, ein Franzose und ein Österreicher im Proberaum … was klingt wie einer dieser stereotypbedienenden Witze, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Schilderung eines ganz normalen Abends im Leben der Kölner Band Keegan. »Wir waren schon immer eine international aufgestellte Gruppe. Der Vorgänger unseres französischen Bassisten Laurent war zum Beispiel Niederländer«, erzählt Andreas Plappert, Schlagzeuger der Band und in obiger Aufzählung der Österreicher. »Allerdings ist es nicht so, dass wir da besonders drauf achten. Köln ist eben sehr vielfältig und deswegen hat es sich irgendwie immer so ergeben.« Die Band als Spiegelbild ihrer multikulturellen Umgebung: Vom ersten Tag an war das so.

Um die Jahrtausendwende herum begegneten sich in der Domstadt mit Sänger Ian Maxwell und Gitarrist Massimo Peter zwei »Immis« auf der Suche nach musikalischem Anschluss. Maxwell hatte es aus London an den Rhein gezogen, Peter aus Karlsruhe. Nachdem sie sich im Herbst 2000 mehr oder minder zufällig gefunden hatten, beschlossen die beiden Songwriter, fortan gemeinsame Sache zu machen. Den zugehörigen Bandnamen brachte Ian Maxwell mit: Kevin Keegan war eines seiner Fußballidole. Bis heute trägt die Band den Nachnamen der »Mighty Mouse« aus Armthorpe.

Drummer Andreas Plappert stieß im Jahr 2006 zur Band. Über Freunde lernte er die Jungs von Keegan kennen, die gerade auf der Suche nach einem neuen Schlagzeuger waren. »Und ich hatte halt gerade Zeit«, blickt Plappert auf seine Anfangszeit in der Band zurück. Pünktlich zu den ersten Plattenaufnahmen stieg er ein. »Looking Out For No.1« erschien im April 2008 und wurde von sich überschlagenden Rezensionen begleitet. Von »Kölner Powerpop mit besten Chancen für den Titel Heimliche Sommerplatte 2008« war da die Rede und vom »next big thing«, sollte die Redaktion des NME in England die Platte in die Hand bekommen.

Foto: Carsten Mohr

Der NME bekam »Looking Out For No.1« jedoch nie in die Hände. Dass es auch mit den Nachfolgern »Keeping The Sparks« und »Underdogs Are Go« nicht zum Sturm auf die Charts gekommen ist, hat bei der Band keinerlei Spuren hinterlassen. Andreas Plappert: »Wir haben alle ganz normale Jobs und betreiben das mit der Musik so intensiv wie möglich, aber eben doch als Hobby nebenher. Vom Traum, davon leben zu können, haben wir uns alle spätestens mit Ende 20 verabschiedet.«

Inzwischen im Schnitt bei Mitte 40 angelangt, zieht das Quartett seit nunmehr anderthalb Jahrzehnten unbeirrt seinen Stil durch, ohne sich kurzfristigen Erscheinungen des Zeitgeistes zu unterwerfen. Gerade im November haben Keegan mit »Famous Last Words« Album Nummer Vier auf die Menschheit losgelassen. Und unter den Händen von Produzent Guido Lucas sind 16 enorm tighte Nummern entstanden.

»Im Vergleich zu den Vorgängern haben wir diesmal nicht so dick aufgetragen, haben zum Beispiel die Bläser weggelassen und weniger Overdubs verwendet«, berichtet Andreas Plappert. Das Ergebnis besticht durch seine Geradlinigkeit, durch eingängige Melodien und durch mehr Powerpop denn je. Von den Songwriterideen vor allem Ian Maxwells getragen, kam ihre Musik schon immer wie eine Mischung aus 90er-Indie-Gitarren und britischem Liedgut Marke Kinks daher. Das aktuelle Album reiht sich nahtlos ein und sticht irgendwie dennoch hervor.

Foto: Carsten Mohr

Wie »Famous Last Words« live klingt, kann der geneigte Zuhörer am 16. Dezember im Kölner Tsunami Club erfahren. Wie bei allen anderen Alben zuvor haben Keegan den Laden auch diesmal zum Ort ihrer Release-Party erkoren. Dass zwischen eigentlichem Release und der Party terminbedingt ein paar Wochen liegen, tut diesem Plan keinen Abbruch.

Andreas Plappert: »Wir hatten da immer viel Spaß vor vollem Haus. Mit dieser Tradition wollten wir auf keinen Fall brechen.« Und so werden am Abend des 16. Dezember ein Engländer, ein Deutscher, ein Franzose und ein Österreicher im Tsunami auf der Bühne stehen … eine etwas größere Tour soll im Frühjahr 2017 folgen.

Bis dahin zum Einstimmen: »Shut Up And Dance«, erste Auskopplung aus dem brandneuen Album …

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Dezember-Ausgabe des Bonner Stadtmagazins »Schnüss«. Ein Facebook-Event zum Konzert gibt es auch: hier entlang, bitte.

Das Bildmaterial entstammt dem Pressebereich der Band-Website.

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