Musik in 1.000 Zeichen: Farflung – »This Capsule«

Farflung - This Capsule

Knapp ein Vierteljahrhundert haben Farflung als Band auf dem Buckel. Wie das aktuelle Album zeigt, empfindet die Kapelle aus Los Angeles ihr vergleichsweise hohes Alter nicht als Grund, irgendeine Bremse zu ziehen. Ganz im Gegenteil: Gerade erst im Spätsommer wurde ein weiteres grandioses Album auf die Menschheit losgelassen.

Im Vergleich zu den beiden Vorgängern haben Farflung auf »This Capsule« [Partnerlink] den Stoner-Anteil reduziert und stattdessen eine mächtige Portion Space- und Psychedelic-Rock aufgefahren. Auf knapp 53 Minuten erstrecken sich fünf opulent arrangierte Rock-Schmankerl. Gleich mit dem Opener wird der Zuhörer in die Umlaufbahn geschossen, wo er sich für den Rest der Platte in der Schwerelosigkeit zwischen flirrenden Synthies, stampfenden Bässen, ballernden Gitarrenriffs und wispernden Sprachsamples bewegt. Schnell wird klar: Du schaust und hörst Dir diese Kapsel nicht einfach an, Du sitzt mitten in ihr.

Reingesaugt und ab die Post – unterwegs zu neuen Welten mit Neuanordnungen vertrauter Klänge als Soundtrack. Da schwirren ganz frühe Monster Magnet ebenso mit, wie Hawkwind oder Can. Dreh und Angelpunkt ist ohne Frage der 20-Minuten-Epos »Prostitute To Spacecraft«. Dickes Ding!

Zum Beispiel »Red Today«, eines der eher kürzeren Stücke des Albums:

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Musik in 1.000 Zeichen: Night Flowers – »Wild Notion«

Night Flowers - Wild Notion

Der Dreampop wurde in Großbritannien geboren, damals in den 1980er-Jahren. Eine Art Renaissance erlebte er etwa 20 Jahre später nicht zuletzt durch US-Bands. Die Night Flowers fügen der Geschichte dieses Genres nun ein verbindendes, ein transatlantisches Kapitel hinzu – mit vier Herren aus Hull und einer Dame aus Boston, die seit bald fünf Jahren in London gemeinsame Sache machen.

Diese gemeinsame Sache, ihre Musik verbindet das Feine aus beiden Dreampop-Welten: die melancholisch-raumfüllenden Hallflächen der frühen britischen Jahre mit den sanft preschenden Uptempo-Popnummern nordamerikanischer Prägung. Zehn Songs lang schieben sich auf dem Debüt »Wild Notion« [Partnerlink] atmosphärisch dichte Klangräume und durch die Bank ohrwurmtaugliche Melodien ineinander. Sängerin Sophia Pettit legt ihre warme Stimme über diese instrumentale Grundierung und verpasst jedem Song dadurch eine ebenso verträumte, wie durchweg positive Stimmung.

Dass die in dieser Konstellation entstehenden Schönheiten außer beim finalen »Cruel Wind« niemals ins Uferlose mäandern, liegt an der strukturgebenden Arbeit von Bass und Schlagzeug. Gleichzeitig aber auch an der Bereitschaft der Band, einen Song loszulassen, sobald er erzählt ist – selbst, wenn das schon nach zwei Minuten der Fall ist. Am Ende haben die Night Flowers das Dreampop-Rad nicht neu erfunden, aber auf bezaubernde Art ein Stück weitergedreht.

Auf der Bandcampseite der Night Flowers kann man »Wild Notion« unter anderem anhören.

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Musik in 1.000 Zeichen: The Bevis Frond – »We’re Your Friends, Man«

The Bevis Frond - We're Your Friends, Man

Vor etwa einem Jahr hat Nick Saloman sein drittes Jahrzehnt als Mehr-oder-weniger-Band komplettiert. Mit »We’re Your Friends, Man« [Partnerlink] veröffentlicht der Gitarrist, Drummer, Bassist, Keyboarder und Sänger, der sich nur auf der Bühne etwas Hilfe dazuholt, das mittlerweile siebenundzwanzigste Album seiner Bevis Frond.

Eine stolze Zahl und Ausdruck der kreativen Energie, mit der der Mann aus dem britischen Walthamstow seit einer Ewigkeit unterwegs ist. Einmal mehr hat er ein 20 Songs umfassendes Mammutwerk geschaffen, das bei aller Ausuferung zu keinem Zeitpunkt beliebig oder gar langweilig wird. Anderthalb Stunden lang jagt Saloman von Riff zu Solo zu Break zu psychedelischer Frickelei zu Solo zu Riff. Fast schon liebevoll bettet er seine durchaus britischen Melodieverläufe in kantige Psychedelic- und Rock-Bretter, zu deren Beschreibung dann eher nordamerikanische Referenzen in den Sinn kommen.

Hier flirrt ein wenig Hendrix, dort schnarrt Dinosaur Jr, da drüben plärren Hüsker Dü. Und gleich hinter der nächsten Harmonieverschiebung lauert dann sogar noch Neil Young während seiner »Zuma«-Phase. Ein weiteres großartiges Album eines Künstlers, der einfach tolle Songs schreibt … und ihnen dann den noisig kratzigen Poncho überwirft.

Auf der Bevis-Frond-Bandcampseite kann man das neue Album unter anderem anhören. Viel Vergnügen.

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Musik in 1.000 Zeichen: Matze Rossi – »Musik ist der wärmste Mantel«

Matze Rossi - Musik ist der wärmste Mantel

Der Herbst hatte gerade begonnen, als Matze Rossi es sich auch schon gemütlich machte. Gleich zwei Konzerte hat der Songwriter am 22. September gespielt – jeweils vor 30 Leuten im Audiolodge Studio gleich um die Ecke seiner Heimatstadt Schweinfurt.

Wie gemütlich ist es an jenem Tag zugegangen ist, wie heimelig, herzerwärmend und mitreißend, dürfen jetzt auch alle anderen hören, die seinerzeit nicht zu den fünf Dutzend geladener Gäste zählten. Aus den 16 besten Liedern der beiden Konzerte hat Matze Rossi das zweite Live-Album seiner Karriere gemacht. Neben seinem enthusiastischen Publikum ist auf »Musik ist der wärmste Mantel« [Partnerlink] auch Martin Stumpf zu hören. Seit gut anderthalb Jahrzehnten vornehmlich alleine unterwegs, hat Rossi die beiden Auftritte im Duo mit dem Multiinstrumentalisten gestaltet.

Mal am Kontrabass, mal an der E-Gitarre und dann wieder am Piano verleiht Stumpf den Rossischen Kompositionen zusätzliche Tiefe und Kontur. Und anders als auf den Soloalben nahezu opulent arrangiert, entfalten sich diese Songs musikalisch, aber auch atmosphärisch umso weiter. Aus allen Poren strömt die für Rossi typische Lebensbejahung und die Lust am Sein. Auch ohne harte Gangart, hört man zudem überdeutlich seine Wurzeln, die fraglos im Punk liegen. Prima Typ, prima Platte.

Auf der Bandcampseite des Labels End Hits Records kann »Musik ist der wärmste Mantel« unter anderem angehört werden.

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Musik in 1.000 Zeichen: Rotor – »Sechs«

Rotor - Sechs

Rotor stehen auf gleich mehreren Ebenen für herrlich klare Kante. Ihre Alben, zum Beispiel, nummerieren die Herren aus Berlin seit dem Debüt im Jahr 2001 stur durch. Und dann der Bandname, der recht schmucklos verspricht, was die Typen hinter dem Namen problemlos halten: Einmal auf Hochtouren unterwegs, föhnt dir Rotor die Haare, wie es kein Helikopter besser könnte.

Da weiß man seit inzwischen 20 Jahren einfach, was man hat. Oder kriegt. Im Jubiläumsjahr, etwa, das sechste Album. Und wie seine Vorgänger ist auch »Sechs« [Partnerlink] ein rein instrumentaler Stoner-Rock-Koloss, der jedweden aktuellen Trend einfach mal ignoriert. Statt heute modernem und morgen schon vergessenem Schnickschnack werden hier zeitlos schöne und tonnenschwere Riffs losgetreten, in rhythmisch unheimlich clevere Formen und vertrackte Songstrukturen gegossen und in diesen ebenso stoisch, wie brachial ausgewalzt.

Immer wieder erstaunlich, wie leicht der Zustand »heavy« bisweilen klingen kann, wie schwerelos die Schwere. Runde Sache zum runden Jubiläum. Einmal mehr klare Kante.

»Sechs« kann man auf der Bandcampseite von Rotor unter anderem anhören.

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Musik in 1.000 Zeichen: J Mascis – »Elastic Days«

J Mascis - Elastic Days

Und jetzt wieder mit Gefühl. Joseph Donald Mascis verfügt über gleich zwei Kanäle, um seine kreative Energie nach außen zu tragen: Während er mit Dinosaur Jr vornehmlich den eher preschenden 90er-Indie-Gniedel-Gitarren-Kram raushaut, ist er unter seinem eigenen Namen bisher vor allem durch ruhige Töne aufgefallen. Hier lebt er seine melodieverliebte, zurückgenommen arrangierende, stellenweise fast folkige Seite aus, die seit der Reunion mit Lou Barlow bei Dinosaur Jr keinen Raum mehr zu finden scheint.

Auf seinem dritten Solo-Album nimmt sich Mascis wieder in aller Stille diesen Raum. »Elastic Days« [Partnerlink] präsentiert gleich ein ganzes Dutzend vor allem von akustischer Gitarre getragener Songperlen – alle randvoll mit typisch mascisschen Songaufbauten, mit starken Hooklines, mit zwischen Melancholie und Zuversicht schwingenden Harmonieverläufen und dieser unverkennbaren Rhythmik, weil der tolle Gitarrist Mascis ja von Haus aus eigentlich Drummer ist.

Über allem schwebt diese herrlich nölende Stimme, die jüngst eine überraschend deutlich zu hörende Stärkung durch Gesangsunterricht erfahren hat. Und wenn Joseph Donald dann zwischendurch seine Jazzmaster zum kreischenden Solo rausholt, werden auch noch alle Freunde der 90er-Indie-Gniedel-Gitarre perfekt bedient. Absolut runde Sache mal wieder!

Auf seiner Bandcampseite bietet J Mascis die Möglichkeit, das neue Album unter anderem anzuhören. Viel Spaß!

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Musik in 1.000 Zeichen: Les Big Byrd – »Iran Iraq IKEA«

Les Big Byrd - Iran Iraq IKEA

Spätestens nach einer Minute ist die Welt umrissen, in der sich Les Big Byrd bewegen. Straight geht das Schlagzeug voran, Wummerbass und Flimmersynthies folgen auf dem Fuß, ehe choral angelegte Gesangslinien und ein Piano eine recht einfache Melodie ins Spiel bringen. Über allem liegt ein mächtiger Hall, der den Sound aus allen Ecken zurück ins Geschehen wirft.

So oder so ähnlich entfaltet sich nahezu jeder der neun Songs auf dem Zweitlingswerk dieser schwedischen Quasi-Supergroup – mit Ex-Musikern von den Teddybears, den Caesars, von Fireside und Soundtrack of our Lives. Mehr stilistische Mittel sind auch gar nicht nötig, um diese gut 42 Minuten zu einem unterhaltsamen Erlebnis werden zu lassen. Irgendwo zwischen Kraut und Spacerock, zwischen Psychedelic und astreinem Pop macht sich eine stellenweise geradezu hypnotische Klanglandschaft breit.

Bei aller Wucht der übereinander geschichteten Sounds ist »Iran Iraq IKEA« [Partnerlink] dank seiner rhythmisch tighten Arrangements eine deutliche Einladung zum Tanz. Einmal nachgegeben, steht nichts mehr still. Wie die jungen Air mit noch mehr Hall und ordentlich Rock-Schmackes.

Auf der Bandcampseite von Les Big Byrd kann man »Iran Iraq IKEA« unter anderem anhören. Viel Spaß!«

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