Musik in 1.000 Zeichen: Burkini Beach – »Supersadness Intl.«

Burkini Beach - Supersadness Intl

Zwei Herzen schlagen in der Brust des Rudi Maier. Da ist das wilde Herz, mit dem er als Teil des Duos The Dope feinen Indie-Punk in die Welt rappelt. Und dann ist da das zarte Herz, das mit dem Hang zur fragilen Anmut. Diesem zarten Herzen lässt Maier auf seinem ersten Soloalbum freien Lauf.

Unter dem Pseudonym Burkini Beach erzählt er Geschichten von innerer Düsternis, von zerbrochener Liebe und nagenden Selbstzweifeln – das alles, ohne je ein echtes Klagelied anzustimmen. Seine Texte sind ebenso raffiniert von feinem Humor durchzogen, wie seine Songstrukturen von Melodien, die hängenbleiben. Diese Art, Geschichten nicht einfach nur zu teilen, sondern dem Hörer mittels cleverem Songwriting und Händchen für musikalische Tiefe ins Ohr und unter die Haut zu jagen, erinnert an große Namen der kitschlosen Pathosmusik: an Owen, zum Beispiel, Elliott Smith oder Sufjan Stevens.

Ursprünglich war die Musik auf »Supersadness Intl.« [Affiliate Link] nur als Verarbeitung persönlicher Dämonen gedacht. Wie schön, dass Rudi Maier diese Hälfte seines Doppelherzes jetzt doch in die Welt hinaus streichelt.

Auf der Bandcamp-Seite von Burkini Beach besteht die Möglichkeit, das Album komplett anzuhören. Und hier bietet sich auch die Gelegenheit, es in der einzig vorhandenen physischen Form zu erstehen: als 48-seitiges Hardcover-Buch mit CD.

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Musik in 1.000 Zeichen: Gallops – »Bronze Mystic«

Gallops - Bronze Mystic

Hoppla, Comeback! Nach nur einem Album hatten sich die walisischen Gallops im Jahr 2013 getrennt – einem sehr vielversprechenden Album, was die Trennung für Freunde der gewagten Elektronik-Math-Rock-Verquickung noch ein wenig bitterer machte. Vier Jahre später kommt das »Hallo, da sind wir wieder!« überraschend.

Und »Bronze Mystic« [Affiliate Link] knüpft ungefähr nahtlos an seinen Vorgänger an, was die Freude über die offenbar schon 2016 vollzogene Wiedervereinigung noch ein wenig größer macht. Inzwischen zum Trio geschrumpft, lassen Gallops noch immer keinen Stein auf dem anderen. Wieselflink jagen sich Gitarre und ein wahnwitzig treibendes Schlagzeug um die Ecken. In den Zwischenräumen wabert ein Synthie-Teppich wohlig vor sich hin, der von »Defender Of The Crown auf dem C-64« bis »Jan Hammer auf Speed« alles drauf hat, was schräg und dabei seltsam grandios ist.

Damals wie heute spielt diese Band einem einen Knoten in den Kopf, während sie das Tanzbein durchmassiert. Für diese Musik müsste man einen eigenen Tanz erfinden. Den Captain-Future-Disco-Stepper oder so. Bizarr brillant.

Auf der Bandcamp-Seite von Gallops kann man »Bronze Mystic« anhören und bei Bedarf erstehen.

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Musik in 1.000 Zeichen: INVSN – »The Beautiful Stories«

INVSN - The Beautiful Stories

Seit bald 30 Jahren macht Dennis Lyxzén Musik. Von Refused über die (International) Noise Conspiracy bis hin zu AC4 hat er eine unglaubliche Zahl an musikalischen Darstellungsformen gefunden, die allesamt gespeist wurden von einem tief in ihm brennenden Feuer, von Zorn und dem Willen aufzubegehren.

INVSN ist eines dieser Band gewordenen Ventile. In diesem Kollektiv kleidet Lyxzén seinen Protest und seine Gesellschaftskritik in düsteren Postpunk mit deutlichem 80er-Anstrich. Statt wildem Ausbruch regiert hier eine fast schon klinische Kühle und eine Klangfarbe zwischen Joy Division und Echo & The Bunnymen. Straighter Bass, Schlagzeug mit Hang zum Standtom, mitten hineinkreischende Gitarre, stellenweise Synthies und punktuell Handclaps: Über diese genretypischen Zutaten hinweg nageln die Texte alles an die Wand, was in unserer Zeit Symptom einer häßlichen Entwicklung ist – eines internationalen Rucks nach rechts.

Und auf »The Beautiful Stories« [Affiliate Link], Album Nummer Vier des Kollektivs, haben INVSN die Verbindung von Wave und Politik nahezu perfektioniert. Vergleichsweise stiller Protest, der tief im Inneren schreit.

Die Bandcamp-Seite von INVSN bietet einen Eindruck vom Sound der Band. Das aktuelle Album wird dort leider nicht angeboten.

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Musik in 1.000 Zeichen: Caspian Sea Monster – »Caspian Sea Monster«

Caspian Sea Monster - Caspian Sea Monster

Diese vier Chemnitzer sind eher so von der geduldigen Sorte. Zum einen hat es ganze fünf Jahre gedauert, bis der Bandgründung das Debütalbum folgte. Zum anderen – und das ist weit wichtiger – lassen sie sich beim Aufbau der Lieder auf eben diesem selbstbetitelten Debüt alle Zeit, die es braucht.

Ein Großteil der neun Stücke kreist um die Sechs-Minuten-Marke, was Caspian Sea Monster eine Menge Raum lässt, die jeweilige Idee zu entfalten. Vielfältig wählen sie ihre Werkzeuge. Mal saugt an aktuellere Mogwai erinnernde Elektronik den Hörer in den Song, mal sind es saftige Gitarren, die ihn am Ende eines geduldigen Crescendos heftig umarmen. Klanglich mündet das Ganze vornehmlich in Postrock mit dickem Strich unter dem »Rock«.

Und auf die Sounds, die seine Mitstreiter zu feinen Teppichen weben, bettet Gitarrist und Sänger Toni Niemeier seine düster-schönen Gesangslinien. Robin Proper-Sheppard kommt da als Referenz in den Sinn. Oder Jonsi, wenn er denn ein, zwei Oktaven tiefer sänge. Gut Ding will Weile haben. Manchmal fünf Jahre. Tolles Ding.

Auf der Bandcampseite ihres Labels Stargazer Records kann man das Debüt von Caspian Sea Monster unter anderem hören. Viel Spaß dabei.

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Musik in 1.000 Zeichen: Elder – »Reflections Of A Floating World«

Elder - Reflections Of A Floating World

Tonnenschwer holt die Gitarre den Hörer ab. Mit schepperndem Becken setzt das Schlagzeug ein, dann das obligatorische Break und ab geht der Ritt. Während der ersten vier Minuten dieses Albums könnte man glatt auf den Gedanken kommen, dass Elder nach den Prog-Auswüchsen des Vorgängers auf »Reflections Of A Floating World« [Affiliate Link] wieder komplett in alte Stoner-Gewohnheiten gefallen sind.

Bis am Ende dieses vierminütigen Korridors eine Tür aufgeht und sich eine riesige Klangwelt vor einem ausbreitet. Klar, die Wüstensound-Ursprünge des Trios aus Boston bilden immer noch ein wichtiges Gerüst ihrer heutigen Erscheinung. Doch daneben und darauf bauen sich inzwischen auch andere mächtige Brecher auf. Prog Rock, Hard Rock, Krautrock: You name it, they play it. Oftmals auch vielfach ineinander verschränkt innerhalb eines einzigen Liedes.

Wobei, Lied? Elders Kompositionen laufen mit einer Mindestlänge von acht Minuten schon eher unter dem Begriff »Werke«. Und innerhalb dieser Zeit ist alles bei ständigen Richtungswechseln in Bewegung. Jede Idee, jedes Riff, jedes Break bekommt hier Raum. Opus Magnum!

Auf Elders Bandcamp-Seite kann man das neue Album unter anderem anhören.

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Musik in 1.000 Zeichen: The Tidal Sleep – »Be Water«

The Tidal Sleep - Be Water

Wenn diese Platte gemäß ihrem Titel Wasser wäre, wäre sie vermutlich ein Ozean. Von hier bis zum Horizont spannen The Tidal Sleep ihren Sound auf dem mittlerweile dritten Album auf – mit beinahe shoegazig ausufernden Gitarrenflächen, mit Momenten perfekt ineinandergreifender Glissando-Melodiebögen, die an die Brachial-Poesie-Großmeister von Envy erinnern, mit Liedaufbauten, die aus dem 90er-Emo-Lehrbuch stammen könnten, und immer wieder mit dem Hausmittel: Posthardcore-Ballerei, bei der man die Halsschlagader von Sänger Nick vor dem inneren Auge anschwellen sieht.

Obwohl, nein, vielleicht ist dieses Album wegen seines Abwechslungsreichtums doch eher eine heiß-kalte Dusche: ein wechselhaftes »Hallo wach!« The Tidal Sleep sind nach wie vor wild, haben aber keine Scheu, auch mal die ruhige oder gar die experimentelle Seite auszupacken. Und wenn das Schlagzeugbreak alles zurück in die wilde Spur dreht, stehst Du da, breitest die Arme aus und lachst, völlig durchnässt von der Musik.

Ja, »Be Water« [Affiliate Link] ist vor allem ein grandios erfrischender Platzregen im Hochsommer. Eine der schönsten Formen von Wasser.

Auf der Bandcamp-Seite von The Tidal Sleep besteht die Gelegenheit, »Be Water« anzuhören. Oder zu kaufen. Oder beides.

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Musik in 1.000 Zeichen: Sacred Paws – »Strike A Match«

Sacred Paws - Strike A Match

31 Jahre ist es jetzt her, dass der New Musical Express mit seiner Sampler-Kassette »C86« der Welt eine Blaupause für feinen Indie-Pop schenkte. Bis heute wirkt der darauf enthaltene Sound mit seinen twangenden Gitarren, dem Hang zum Uptempo und seiner zumeist unverschämt guten Laune vor allem im United Kingdom nach.

Jüngstes Beispiel einer von C86 beeinflussten Band: Sacred Paws. Auf deren Debüt-Album »Strike A Match« [Affiliate Link] finden sich allerdings noch weit mehr Einflüsse. Da sind vertrackte Calypso-Rhythmen und passend gezupfte Gitarren, da ist der Tanzbefehl des Math Rock und Bläser-Akzente zum Abrunden des Ganzen. Natürlich werfen Gitarristin Rachel Aggs und Schlagzeugerin Eilidh Rodgers auch noch ihre Punk-, Postpunk- und Riot-Grrrl-Banderfahrungen mit in die Waagschale, ehe sie alles zu einem verdammt mitreißenden Mix vermengen.

Dieser Platte scheint die Sonne aus dem Hintern. Sie schnappt Dich, schüttelt Dich durch und setzt Dich nach einer guten halben Stunde sanft wieder ab. Gerade rechtzeitig, ehe die Gleichförmigkeit vieler Songs die gute Stimmung trüben könnte.

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