Musik in 1.000 Zeichen: The Sherlocks – »Live For The Moment«

The Sherlocks - Live for the Moment

So klingen dann wohl Debüts, wenn man die erste eigene Veröffentlichung mit ein wenig Anlauf angeht. Vor sieben Jahren in der Nähe von Sheffield gegründet, blicken The Sherlocks mittlerweile auf etwa 1.200 gespielte Konzerte zurück, ehe sie nun mit »Live for the Moment« [Affiliate Link] auch im Plattenladen auftauchen.

Und die Erfahrung dieser enormen Zahl an Live-Shows tropft aus jedem Takt dieses Albums. Hier probieren nicht ein paar junge Typen aus, was musikalisch so gehen könnte. Hier hauen Leute Material raus, die exakt wissen, wohin sie wollen und was sie dafür tun müssen. Jede Phrase, jede Bridge, jedes Arrangement, jedes Break, einfach alles kommt hier perfekt auf den Punkt. Musikalisch setzen die Sherlocks erst gar nicht auf Experimente.

Vielmehr stellen sie sich mit ihrem saftigen Uptempo-Stadion-Rock-Sound in eine lange Reihe zeitgenössischer, britischer Gitarrenbands. Und das Dutzend Songs ihres »Debüts« bietet massig arenataugliche Passagen und ordentlich Mitsingpotential. Stellenweise hätte es aber gerne etwas weniger glatt sein dürfen.

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Musik in 1.000 Zeichen: The Lost Tapes – »The Lost Tapes«

The Lost Tapes - The Lost Tapes

Kurzer Blick auf den Kalender: Okay, immer noch 2017! Es hätte ja irgendwie sein können … immerhin klingt dieses Album, als stamme es direkt aus den 80ern. Als hätten Joy Division, Wire und die frühen Cure sich damals ein Studio geschnappt, um zusammen mal ein bisschen Musik zu machen. Blöd nur, dass die Kassetten mit der Aufnahme danach verschwunden sind.

Hier und jetzt sind sie also, die Lost Tapes. Und obwohl Sound, Instrumentierung, Songstrukturen und überhaupt alles auch schon vor gut drei Jahrzehnten entstanden hätte sein können, trägt diese Musik nicht ein einziges Staubkörnchen, wirkt alles völlig frisch und zeitgemäß. Das mag daran liegen, dass jedes Mitglied der Lost Tapes etliche musikalische Einflüsse jenseits des Postpunk mitbringt und diese gewinnbringend mit in die Waagschale wirft.

Vielleicht ist es aber auch einfach so, dass diese Art von Musik nie alt wird. Oder dass die Zeit gekommen ist, wieder Dystopien über kühl schrillende Gitarren und schnarrende Bässe hinweg ins Mikro zu grimmen. Warum auch immer: Diese Platte ist groß!

Auf der Bandcamp-Seite des Aachener Labels Rockstar Records kann man das Debüt der Lost Tapes unter anderem anhören.

Musik in 1.000 Zeichen: William The Conqueror – »Proud Disturber Of The Peace«

William The Conqueror - Proud Disturber Of Peace

Was ist das denn? Nein, die Frage ist nicht rhetorisch gemeint. William The Conqueror präsentieren sich auf ihrem Debüt dermaßen wandelbar, dass man sich zwischendurch Dinge fragt wie: »Das war doch Blues gerade. Wo kommt jetzt dieser knackige Indie-Sound her?« No offense! Echt nicht!

Was immer diese drei Multiinstrumentalisten anpacken, klingt auf wundervolle Art natürlich, leicht und ungezwungen. Sie machen halt einfach, worauf sie Lust haben, geben jedem Song das Klanggerüst, das er braucht. Und dass ihnen das Spaß bereitet, kann man jedem Takt dieses Albums anhören. Die fast grungige Nummer, die rockende Alltagsgeschichte oder die folkige Ballade: Alles ist durchzogen von immenser Wärme, von unaufdringlichen Melodien, von bärenstarken Hooklines und einer Stimme, die jedem Genre das passende Krönchen aufsetzt.

So kann man aus Cornwall kommen und trotzdem eine saftige Americana-Nummer abliefern, ohne aufgesetzt zu wirken. »Proud Disturber Of The Peace« [Affiliate Link] ist eine vielfältige Werbung für den Spaß an der Musik, für kreative Freiheit und das Denken jenseits von Genre-Grenzen.

Die Bandcampseite der Band enthält das neue Album zwar nicht, vermittelt aber dennoch einen Eindruck vom Sound des Ganzen.

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Musik in 1.000 Zeichen: Waxahatchee – »Out In The Storm«

Waxahatchee - Out In The Storm

Na, auch vor rund zwei Jahren geglaubt, dass Katie Crutchfield künftig mehr in elektronischen Gefilden unterwegs sein würde? Klarer Fall von »falsch gelegen«. Mit »Out In The Storm« [Affiliate Link] schlägt Crutchfield, alias Waxahatchee, einen gänzlich anderen Weg ein als noch auf dessen eben gänzlich anders tollen Vorgängeralbum.

Dem Synthie wird kaum noch Platz eingeräumt, stattdessen regiert der raue Klang der klassisch amerikanischen Indie-Gitarre. Und gepaart mit dieser nach wie vor wundervollen Stimme ergibt sich ein Klangbild, das an die 90er erinnert, an Sleater-Kinney, vielleicht, an die Breeders oder an Veruca Salt. Im Spannungsfeld solcher Bands bewegt sich Waxahatchee derart sicher, dass sie auch textlich alle Vorsicht fahren lässt.

Zehn Stücke lang vollführt sie über feine Melodien und griffige Gitarrenfiguren hinweg eine rasant öffentliche Selbst-Reflektion – immer wieder gut dabei, wie sich die Songs zum Refrain hin sperrangelweit öffnen. Die beste Waxahatchee ever, auch ohne Synthie total elektrisierend.

Auf der Bandcamp-Seite von Waxahatchee kann man »Out in the Storm« unter anderem anhören.

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Musik in 1.000 Zeichen: First Breath After Coma – »Drifter«

First Breath After Coma - Drifter

Ein bisschen Traute gehört schon dazu, den Liedtitel einer Genre definierenden Band zum eigenen Bandnamen zu machen – zumal, wenn man selbst in ähnlichen musikalischen Gefilden unterwegs ist. First Breath After Coma haben ganz offensichtlich diese Traute. Und sie halten dem Druck mühelos stand, den der bei den Explosions In The Sky entliehene Titel mit sich bringt.

Klar, hier und da schimmert sie durch, die klangliche Anlehnung an die Vorbilder. Den Großteil von »Drifter« [Affiliate Link] jedoch machen die fünf jungen Portugiesen ihr ganz eigenes Postrock-Ding. Daheim schon im vergangenen Jahr erschienen, kommt das zweite Album der Band jetzt in den Rest der Welt. Und mit ihm kommen sphärisch hallende Klanggebirge und elektronisches Surren, filigrane Gitarrenfrickeleien und ein Richtung und Betonung vorlebendes Schlagzeug, geduldige Crescendi und orkanartige Ausbrüche an ihrem Ende, stellenweise Bläser und eine über allem thronende Stimme, die mehr Instrument als Textvermittler ist.

In Summe ergibt sich ein von dichter Atmosphäre durchzogenes, unheimlich reifes Werk einer noch so jungen Band. Toll.

Auf der Bandcamp-Seite von First Breath After Coma besteht die Möglichkeit, »Drifter« unter anderem anzuhören.

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Musik in 1.000 Zeichen: Zwanie Jonson – »Eleven Songs For A Girl«

Zwanie Jonson – Eleven Songs For A Girl

Es lohnt sich, hin und wieder den Morgen zu lobpreisen, an dem Zwanie Jonson nach dem Aufwachen beschloss, fortan nicht mehr »nur« Tour-Schlagzeuger für etliche Stars zu sein. Auf »Eleven Songs For A Girl« [Affiliate Link], dem mittlerweile dritten Album seit jenem Morgen, wird deutlicher denn je, welch großartiger Songwriter, Arrangeur, Toningenieur, Produzent … musikalischer Tausendsassa der Menschheit ohne diesen Beschluss durch die Lappen gegangen wäre.

Im Lauf dieser 40 Minuten breitet Jonson eine feine Pop-Melodie nach der anderen aus. Stilistisch setzt er sich dabei keine Grenzen. Folkige Ballade, Westcoast-Schmeichler, Big-Beat-Stampfer oder 80er-Disco-Nummer: Zwanie findet zu jedem Song das richtige Klangkleid. Und es passt immer wie angegossen, weil hier ein Künstler am Werk ist, der wirklich alles drauf hat, was sich mit beschwingter Grundstimmung spielen lässt. (Fun Fact: Zwanie Jonson hat alle 27 Instrumente des Songs »Disco Blue« persönlich eingespielt.)

Am Ende ist so ein großartig variantenreiches Album entstanden, das dennoch wie aus einem Guss daherkommt. Ein locker-leichter Sommergenuss.

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Musik in 1.000 Zeichen: Notilus – »Notilus«

Notilus - Notilus

Eines der neuesten Pferde im Denovali-Stall – und was für ein edles Ross das ist! Hinter Notilus verbergen sich fünf französische Jazzmusiker, die allesamt schon höhere Weihen empfangen haben. Nun haben sie sich in dieser Formation zusammengetan, um gemeinsam Klanggemälde zu malen.

Und das Ergebnis ist von der ersten Sekunde an fesselnd. Irgendwo zwischen 70er-Krimi-Soundtrack, zeitgenössischer Improvisationsmusik und retro-futuristischem Science-Fiction-Gezirpe siedelt sich der Sound an, den Posaune, Trompete, Saxophon – alle stellenweise mit Effekten verfremdet – gemeinsam mit Schlagzeug und Live-Elektronik erzeugen. Von ganz feiner, ruhig-melancholischer Beinahe-Stille bis hin zum ausufernden, beatlastigen Klanggewitter durchwandert das selbstbetitelte Debüt [Affiliate Link] innerhalb von zehn Stücken alle nur erdenklichen Darstellungsformen von Sound.

Das ist anspruchsvoll, ohne je anstrengend zu werden. Vergleiche wie Jaga Jazzist kommen unterwegs in den Sinn, nur dass diese Formation hier auf ein französisches und kein skandinavisches Klangfundament baut. Saugut!

Auf der Bandcamp-Seite von Notilus kann man Teile des Debüts anhören. Gute Reise.

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