Musik in 1.000 Zeichen: Deafheaven – »Ordinary Corrupt Human Love«

Deafheaven - Ordinary Corrupt Human Love

Derart romantisch und sonnig ist Black Metal noch nie in eine Platte gewoben worden. Bislang hatten Deafheaven den düster moshenden Teil ihrer Musik zumeist mit nicht minder düsteren, atmosphärisch dichten Klanglandschaften ummantelt, mit einer eher schweren Mischung aus Postrock und Shoegaze. Diesmal kommt das Drumherum ein gutes Stück lichter daher.

Gleich zu Beginn fühlt man sich in eine Pop-Ballade der 70er entführt, ehe das dumpfe Grollen von Sänger George Clarke und die Double-Bass des Schlagzeugs wie aus dem Nichts zuschlagen. Deafheaven präsentieren auf »Ordinary Corrupt Human Love« [Partnerlink] eine Offenheit gegenüber anderen musikalischen Welten, die die vorherigen Alben in dieser Hinsicht noch einmal toppt. Es gibt de facto keine Berührungsängste mehr, wenn da plötzlich eine weibliche Stimme warm und weich mitsingt und ein Flügel in den ruhigen Passagen den Ton angibt. Alles geht, solange es den Song nach vorne bringt.

Und so verbindet dieses Album Melodie mit Dynamik, Songwriting mit herrlich wildem Geballer. Der Vorgänger »Sunbather« schürte die Vermutung, es ginge nicht besser. Nun sind wir schlauer.

Deafheaven bieten »Ordinary Corrupt Human Love« unter anderem auf ihrer Bandcamp-Seite an – einfach mal reinhören.

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Musik in 1.000 Zeichen: The Spitfires – »Year Zero«

The Spitfires - Year Zero

Diese Herren bleiben auch auf ihrem dritten Album ein Band gewordener Ritt durch die popsubkulturelle Historie des Vereinigten Königreichs. »Year Zero« [Partnerlink] hat den Ska der späten 70er, den späten Punk der frühen 80er und Paul-Wellereskes aus allen Schaffensphasen des Modfathers.

Britisch-karibische Rhythmik der Specials, die Gitarren von The Clash und soulige Bläsereinsprengsel à la Style Council: Hin und wieder laufen diese unüberhörbaren Einflüsse bei den Spitfires in einem Lied zusammen, zumeist bleiben sie songweise jedoch strikt voneinander getrennt. So klingt die Platte von Track zu Track immer ein wenig anders – das verbindende Element bleibt vor allem das Gefühl, es hier mit vier überaus smarten Typen zu tun zu haben, die Zorn und Unverständnis beim Blick auf den Status Quo Englands in feine Musik und clevere Texte verwandeln.

Und auch das passt hervorragend in diese klingende UK-Subkultur-Geschichtsstunde. Schon immer war Working-Class-Wut eine gute Triebfeder für Wohlklingendes von der Insel. Das bleibt auch im Jahr 2018 so.

So klingt beispielsweise die Ska-Seite der Geschichte. »Remains The Same« ist eine Auskopplung des Albums:

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Musik in 1.000 Zeichen: Self Defense Family – »Have You Considered Punk Music«

Self Defense Family - Have You Considered Punk Music

We are family. Die Self Defense Family ist der Prototyp dessen, was man unter einem losen Musikerkollektiv versteht. Aktuell zählen 18 Personen zum inneren Kreis der Band, niemand von ihnen hat auf allen Platten oder bei allen Konzerten gespielt.

Alles fließt und so trafen sich neulich mal wieder ein paar Mitglieder der Family für zwei Wochen in einem Studio, um ein Album aufzunehmen. »Nur zwei Wochen?«, würden viele Bands sagen, für die Self Defense Family war eine Studiozeit jedoch nie länger. Und so lassen sie es auf »Have you Considered Punk Music« [Partnerlink] richtig krachen: Weit holen sie aus, um ihren Sound mit Piano, Bläsern und Streichern zu veredeln.

Im Ergebnis tummeln sich die unterkühlten Gitarren, das bei aller Zurückhaltung enorm dynamische Schlagzeug und der wuchtige Bass nun mit melodischen Einsprengseln der feineren Sorte. Nach wie vor ist alles durchzogen vom Geist der eher stillen Dischord-Bands, von deren reduziertem und dennoch so ausdrucksstarkem Spiel. Von deren vergleichsweise stiller Schönheit.

»Have you Considered Punk Music« kann man zum Beispiel auch auf der Bandcamp-Seite der Self Defense Family anhören.

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Musik in 1.000 Zeichen: Kamasi Washington – »Heaven & Earth«

Kamasi Washington - Heaven & Earth

Dieser Mann steht also tatsächlich nicht auf das kleine Besteck. Rund drei Jahre nach seinem Nomen-est-Omen-Mammutwerk-Debüt »The Epic« hat Kamasi Washington mit »Heaven & Earth« [Partnerlink] einen nicht minder epischen Nachfolger zusammengeschraubt.

Wieder tummeln sich Scharen von mal mehr, mal minder namhaften Gastmusikern auf diesen bis zu fünf Platten – CD und LP enthalten jeweils ein in der Verpackung verstecktes Bonusscheibchen. Und wieder holt der grenzenlos denkende Saxophonist Washington ganz weit aus, bezieht Funk und Latin, Gospel und Swing mit ein in seine herrlich ausufernden Erzählungen. Virtuos hangelt er sich mitsamt Band, Orchester, Sängerinnen, Sängern und einem Chor von einem klanglichen Gedanken zum nächsten, ohne dass die Virtuosität hier zum Selbstzweck würde.

Immer steht die Entwicklung des jeweiligen Stücks im Vordergrund, das komplette Ausbreiten seiner Grundidee und die Vermittlung der seit dem Debüt offenbaren Botschaft Washingtons: die Selbstermächtigung der afroamerikanischen Community. »Our time as victims is over, we will no longer ask for justice. Instead we will take our retribution.« Wuchtige Worte, wuchtige Musik. Brillant.

Und so klingt Kamasis neues Werk. Zum Beispiel der Album-Opener »Fists Of Fury«, benannt nach einem Bruce-Lee-Film und hier in grandioser Live-Fassung:

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Musik in 1.000 Zeichen: Cold Leather – »Smart Moves«

Cold Leather - Smart Moves

Einmal grobe Kelle, bitte. Cold Leather aus Berlin kommen mit richtig Schmackes daher. In kleinen, kaum drei Minuten langen Ausbrüchen knallen sie ihrem Publikum ein wunderbar knackiges Riffgewitter um die Ohren, dass man aus dem Grinsen gar nicht mehr rauskommt. Alles so herrlich erdig hier!

Die Gitarre kratzt aus den Boxen, das Schlagzeug ballert und der Bass steht wie ein Baum in diesem Sturm. Zum Höhepunkt der Songs auf »Smart Moves« [Partnerlink] bricht die Stimme ins Schrille, weil diese spürbar unbändige Energie halt einfach raus muss. Und wie ansteckend das alles ist. Nach der ersten halben Nummer wippen die Beine nicht mehr kontrollierbar mit. Noch ein paar Takte weiter will alles in dir aufspringen und durch die Hütte toben.

Vielleicht ist diese Platte daher nicht unbedingt geeignet für den Genuss während des Tagwerks im Großraumbüro. Darüber hinaus kann sie aber immer gerne laufen. Denn genau so muss er sein, dieser schmutzig-derbe Rock‘n‘Roll, den schon unsere Väter … und unserer Väter Väter. Ach, egal! Tolle Platte.

Auf ihrer Bandcampseite bieten Cold Leather das Album unter anderem zum Reinhören an.

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Planisphere: Am Ende der Zündschnur

Planisphere
Collage: Planisphere

Fast acht Jahre lagen für die Kölner Band Planisphere zwischen Gründung und erstem Album. Jetzt wird durchgestartet.

Freitagabend, kurz nach halb zehn im Kölner Severinsviertel: Unter dem Jubel eines dank Vorprogramms ordentlich angeschwitzten Publikums betreten vier junge Männer die Bühne im Tsunami Club. Planisphere sind im Haus. Und während sich die Bandmitglieder ihre Instrumente umhängen, nehmen Nebelmaschine und Lichtanlage den Betrieb auf. Nach ersten sphärischen Klängen legt ein ordentliches Gitarrenbrett den Schalter um und entfesselt den ganzen Laden für die nächsten gut 60 Minuten.

»Das war schon ein großartiger Abend«, blickt mit Jens Niedenhoff einer der vier jungen Männer stellvertretend zurück. Dieser 1. Juni 2018 wird bei dem Gitarristen und seinen Mitmusikern in sehr guter Erinnerung bleiben. Für die Leute vor der Bühne war das Konzert der abendliche Höhepunkt eines Brückentages. Für das Quartett dort oben war es weit mehr: der bislang wichtigste Meilenstein auf einer Reise, deren Ausgangspunkt ins Jahr 2011 zurückreicht.

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Musik in 1.000 Zeichen: Echo Ladies – »Pink Noise«

Echo Ladies - Pink Noise

Es ist noch nicht einmal fünf Monate her, dass die Echo Ladies mit einer selbstbetitelten Vier-Stücke-EP ein Debüt gefeiert haben, das sich gewaschen hatte. Etliche mehr oder minder für Indiegedöns zuständige Radiosender und Magazine waren ob der darauf zu hörenden Synthpop-Shoegaze-Klangwand-Sexyness komplett aus dem Häuschen.

Und weil die Dame und die beiden Herren aus Malmö ganz offenbar von einer ganzen Horde Musen geküsst sind, folgt einen gefühlten Wimpernschlag später gleich das nächste Highlight – diesmal im Albumformat. Acht Songs lang werden die Brachialität von A Place To Bury Strangers und die Anmut der Cocteau Twins, der Mut zur Redundanz von Jesus & Mary Chain und die düstere Melodiösität der frühen Cure in einen Topf geworfen und kräftig miteinander verrührt.

Und mit »Pink Noise« [Partnerlink] wurde für das Ganze tatsächlich der genau richtige Name gefunden: mitten auf die Zwölf, aber mit Schleifchen drum. Saugut.

Zum Beispiel auf der bandeigenen Bandcampseite kann man dieses grandiose Debüt anhören.

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