Musik in 1.000 Zeichen: Euternase – »L’Amour«

Euternase - L'Amour

Eigentlich wollten Euternase erstmal nur eine vier Songs umfassende EP aufnehmen. Aber weil da plötzlich noch vier weitere Stücke ins Mikro flossen, darf sich die Welt jetzt zum Debüt des Quartetts aus Mannheim mit einem kompletten Album auseinandersetzen.

Und ja, es ist eine Auseinandersetzung, die dieses Erstlingswerk dem Hörer abverlangt. Diese Platte konsumierst du nicht locker flockig nebenbei. »L‘Amour« [Partnerlink] nimmt dich ganz und gar in Beschlag. Der Bass wummert durch deinen Körper, die Gitarre sägt und zerrt an deinen Nervenenden, das Schlagzeug lässt dich mit seiner Zappeligkeit einfach nicht zur Ruhe kommen, während der nölende Gesang dir redundant Slogans an und in den Schädel ballert. Mit Schönheit hat das Ganze nichts zu tun. Soll es auch überhaupt nicht.

Das ist Noise, ein ständiges Aufwühlen und Zusammentreten, gelebter Spaß an Disruption und Dekonstruktion. Herrlich wild, kratzbürstig querstehend, stellenweise schmerzhaft und komplett in einem Rutsch aufgenommen, ohne Overdubs und Schnickschnack. Punk im allerbesten Sinne! Der Zerfall ist zu normal.

Und so klingt das Ganze. Zum Beispiel der Album-Opener »Guenstig«, den Euternase neulich im Rahmen einer Melting Butter Session gespielt haben:

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Musik in 1.000 Zeichen: Tangled Hair – »We Do What We Can«

Tangled Hair - We Do What We Can

Im Großen und Ganzen haben es Tangled Hair nicht wirklich eilig. Ganze neun Jahre liegen zwischen der Bandgründung und der Veröffentlichung dieses Debüts. Die Zahl derer, die das Erscheinen dieser Platte überhaupt noch erwartet hatten, ist verschwindend gering.

Jetzt ist »We Do What We Can« [Partnerlink] aber da und der Name ist Programm. Denn mit diesen neun Songs tut das Trio aus Englands Süden genau das, was es kann. Und was es auch ohne Tonträger über die Jahre zu einem Liebling der Math-Rock-Fans gemacht hat: Tangled Hair hauen ihren Hörerinnen und Hörern in der Minimalbesetzung Schlagzeug, Gitarre, Bass, Gesang rhythmisch und melodisch vertrackte Schmankerl um die Ohren.

Dabei präsentieren sich alle Bandmitglieder ungeheuer beweglich und stets bereit, rasant Richtung und/oder Tempo zu wechseln, damit an den Kopfhörern auch ja niemandem langweilig wird. Verkopft ist das Ganze aber keine Spur, vielmehr mächtig tanzbar und wie Hulle auf die Tube drückend. Denn wenn sie erstmal ihre Instrumente in der Hand haben, habe es Tangled Hair plötzlich doch irgendwie eilig.

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Musik in 1.000 Zeichen: Ruby Velle & The Soulphonics – »State Of All Things«

Ruby Velle - State of All Things

»Tradition bedeutet nicht, die Asche zu bewahren, sondern das Feuer weiterzugeben.« Soweit der Kalenderspruch des Monats; diesmal also aus dem Munde Gustav Mahlers. Jetzt aber zurück zur Musik: Auch auf ihrem Zweitwerk präsentieren sich Ruby Velle und ihre Soulphonics als die erdig groovende Kapelle, als die sie sich schon auf dem Debüt andeuteten.

Aus Atlanta, Georgia und damit dem US-Süden stammend, fühlt sich die Frau mit der rauchigen Wuchtstimme klanglich offenbar eher dem Southern als dem Motown Soul verpflichtet – saftig die Bläser, funky die Gitarre, rasant der Bass, farbenfroh die Keyboards und eine einzige Tanzeinladung die Drums. Ganz gleich, ob Dancefloor-Nummer oder zärtliche Schwofeinlage: Auf »State Of All Things« [Partnerlink] tropft der ebenso mitreißende, wie warme Sound vergangener Stax-Tage aus jedem Takt der insgesamt elf Songs.

Ruby und die Soulphonics beschränken sich jedoch nicht darauf, die alten Hits bis zur Ermüdung zu zitieren. Vielmehr schnappen sie sich das saugute Damals und basteln daraus eine wunderbare Heute-Version. Vergiss die Asche! Diese Platte kümmert sich ums Feuer.

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Musik in 1.000 Zeichen: New Native – »Asleep«

New Native - Asleep

Es sind vor allem die leisen und nachdenklichen, die düsteren und melancholischen Grundtöne, die New Native aus Dream Pop und 90er-Emo extrahiert haben, um aus deren Essenz ein Debütalbum von stiller Schönheit zu gießen.

Tatsächlich fließen die elf Songs wie aus einem Guss ineinander, gemächlich im Tempo und stark im Zutagefördern kleiner melodischer Perlen. Zwischendurch setzt es den einen oder anderen lauteren Ausbruch – schnell finden die vier Wiener aber immer wieder zurück in die träumerisch schwelgende, von hallenden Instrumenten getragene Grundhaltung. Bei aller feinfühliger Zurückhaltung birgt »Asleep« [Partnerlink] dennoch eine ganz eigene Dynamik, dieses mitreißende gewisse Etwas, das sich dann einstellt, wenn Komposition und Arrangement auf den Punkt sitzen.

Als Resultat einer langen Reise von Euphorie bis Frustration, von Konflikt bis Freundschaft beschreibt Sänger und Gitarrist Michael Hanser das Album. Und an manchen Stellen klingt sie förmlich durch: die Schwere des Gepäcks.

Ohne Stücke vom aktuellen Album, dennoch wohlklingend: die Bandcampseite von New Native.

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Musik in 1.000 Zeichen: PTTRNS – »Material und Geschichte«

PTTRNS - Material und Geschichte

Kopflast trifft Tanzbein, analog trifft elektronisch, ungelenk trifft ungemein groovy, Disco trifft Funk trifft Kraut, Köln trifft Berlin: PTTRNS haben mit »Material und Geschichte« [Partnerlink] eine auf etlichen Ebenen hochgradig aufregende Mischung angerührt.

Früher noch mit dem einen oder anderen Song im Noise verhaftet, hat das Quartett mittlerweile komplett den Schwenk rüber zu Prog-Pop, »handgemachter« Elektronik und house-esker Disko vollzogen – und ist gleich noch ein wenig weiter geschwenkt. Denn auch jazzige Elemente finden sich hier, Dub-Anleihen, psychedelisches Sirren, 70er-Funk und perkussive Klangflächen. Synthies und Gitarre geben sich die melodische Klinke in die Hand. Der Bass sorgt für Rückhalt und Struktur, während das Schlagzeug Tempo reingibt und auch wieder rausnimmt.

Über diesen durchgehend tanzbaren Teppich legt sich der mit Falsettstimme vorgetragene, textliche Überbau, der sich mit Zeit und Zeitlichkeit des Politischen auseinandersetzt, ohne das Ganze in Richtung Schlaubergermusik zu kippen. Fesselnd.

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Musik in 1.000 Zeichen: A Place To Bury Strangers – »Pinned«

A Place To Bury Strangers - Pinned

Was ist das denn?! Nachdem A Place To Bury Strangers bislang auf jeder Platte zur Apokalypse mit anschließendem Tanzcafe einluden, haben sie auf ihrem aktuellen Werk sogar ein paar Blümchen dabei. Stellenweise strahlt auf »Pinned« [Partnerlink] tatsächlich etwas Farbe durch das Grau.

Klaro, die Nummer steht und fällt nach wie vor mit dem hypnotisch treibenden Schlagzeugspiel, dem markerschütternden Bass und der schwer hallenden Fuzz-Gitarre, die alles umarmt, komplett zudeckt und minutenlang nicht mehr loslässt. Diese Band wird wohl für immer der brillante Spagat zwischen Noise, Wave und Shoegaze bleiben – Staub spuckende Jesus & Mary Chain. Doch diesmal offenbaren sich eben doch ein paar Veränderungen: Die offensichtlichste ist die weibliche Gesangsstimme, die als Gegenspielerin zum bislang ausschließlich männlichen Gesang für eine deutlich weitere Soundlandschaft sorgt.

Und dann – Achtung, festhalten! – sind da tatsächlich Passagen, in denen die Gitarre fast gar nicht durch Effekte gejagt wird, in denen sie beinahe pur ebenfalls die Klangmöglichkeiten der Band erweitert. Neue Facetten eines nach wie vor stimmigen Klangerlebnisses. Große Klasse!

»Pinned« lässt sich auch auf der Bandcampseite von A Place To Bury Strangers anhören. Viel Vergnügen.

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Musik in 1.000 Zeichen: Modern Studies – »Welcome Strangers«

Modern Studies – Welcome Strangers

Direkt mal einen nachgelegt. Gerade erst im November hatten Modern Studies ihr tolles Debüt veröffentlicht, da steht mit »Welcome Strangers« [Partnerlink] auch schon der Nachfolger vor der Tür.

Und mit diesem Nachfolger packen die Modern Studies nochmal ein Schippchen drauf: In der Abgeschiedenheit der schottischen Grafschaft Perthshire fanden Emily Scott und ihre drei Mitstreiter die Ruhe, den Schaffensprozess ihrer Musik weiter zu verfeinern. Jedem Bandmitglied wurde dabei völlige Freiheit zugestanden. Und das Ergebnis strahlt diese Ruhe und diese Freiheit wieder. Ganz langsam entfalten sich die insgesamt zehn Songs vor dem Ohr. In ihrem Kern steckt immer immens melodiöse Popmusik und das stellenweise düstere Gesangszusammenspiel von Scott und Rob St. John.

Um diesen Grundaufbau herum drapiert sich eine wohlklingende Schicht nach der anderen. Weit holen die Arrangements aus, die singende Sägen ebenso einbeziehen, wie ein Kammerorchester oder ein Bläserensemble. Das Ergebnis ist ein ungemein schönes Album, auf dem sich mit jedem Hören wieder neue Feinheiten entdecken lassen.

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