Musik in 1.000 Zeichen: Bob Mould – »Sunshine Rock«

Bob Mould - Sunshine Rock

Kurz mal ein paar Zahlen und Fakten zu Bob Moulds neuem Album: Ein Dutzend Songs sind auf »Sunshine Rock« [Partnerlink] zu hören, einer davon handelt von 30 Dutzend roten Rosen. Innerhalb der 37 Minuten spricht Mould an 27 Stellen das Thema Sonne an. Die Arrangements von insgesamt fünf Songs werden durch Streicher angereichert.

Moment mal, Streicher?! Hat Bob auf die alten Tage seine Schmonzetten-Seite entdeckt? Mitnichten, liebe Freunde der herrlich nach vorne jagenden Gitarre. Dieses Album knüpft nahtlos an seine Vorgänger an: Vorzugsweise im Uptempo knallt Bob Mould eine bärenstarke Melodie nach der anderen raus, verschränkt tolle Gitarrenharmonien ineinander und legt über alles seine immer leicht kratzende Stimme. In Sachen Energie steht das nicht hinter den späten Hüsker Dü oder hinter Sugar, aber auch nicht hinter den Solo-Werken der letzten Jahre zurück. Und während sich, wie gesagt, inhaltlich vieles um Sonne und gute Gefühle dreht, hat Moulds Gesang eine Bissigkeit wie lange nicht.

Da passt es dann ganz gut, dass hin und wieder Streicher die spitzen Kanten etwas abrunden. Ein überraschender Kniff dieses auch nach jetzt vier Musiker-Jahrzehnten noch taufrischen Songwriters, der einmal mehr ein feines Stück Schraddel-Pop, äh, Sunshine Rock zusammengebaut hat.

Auf seiner Bandcampseite bietet Bob Mould die Gelegenheit, das neue Album anzuhören. Viel Spaß dabei.

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Musik in 1.000 Zeichen: A Mote Of Dust – »II«

A Mote Of Dust - II

Seit Mitte der Neunziger hat Craig Beaton ein gutes Stück dazu beigetragen, dass Schottland als Herkunftsland großartiger Musik gilt. Und er hat sich und seine Musik im Lauf dieser gut 20 Jahre ständig neu justiert: Mit Ganger schuf er früher als die meisten anderen Postrock-Helden drone-artige Klanglandschaften, bei Aereogramme fügte er diesen Landschaften wuchtige Ausbrüche und mächtige Gitarren hinzu, ehe er als Teil des Duos Unwinding Hours seine eher ruhige Seite entfaltete – eine ruhige Seite, die er mit A Mote Of Dust im noch stilleren Rahmen präsentiert.

Ebenso reduziert wie intensiv war schon das Debüt der Zusammenarbeit mit Pianist Graeme Smilie im Jahr 2015. Mit »II« [Partnerlink] erscheint nun der Nachfolger, der das damals Begonnene konsequent fortsetzt und erweitert. Seinerzeit noch rein analog, erfahren die Songs nun weitere dramaturgische Tiefe durch elektronische Beats und den punktuellen Einsatz von Synthies. Beaton hat einmal mehr wundervoll minimalistische Perlen geschaffen, unter deren harmlos scheinender Schale sich mehr oder minder überraschend die Wucht vergangener Tage verbirgt – hier jedoch textlich statt musikalisch, in Form von messerscharfen Texten.

Ob Brexit oder die Rücksichtslosigkeit unserer Gesellschaft: »II« nimmt aufs Korn, was seinen Schöpfer anfrisst. Immer wieder ist auch Abschied ein Thema. Eine eher unbewusste Häufung: Erst beim Anhören des Albums nach der Produktion wurde Beaton klar, dass dies der Strich unter sein Leben als Musiker sein würde. Künftig will er sich anderen Dingen widmen. Was uns bleibt, sind ein bisschen Wehmut und etliche Hände voll toller Musik. Danke, Craig. The question is complete.

Auf ihrer Bandcampseite bieten A Mote Of Dust die Möglichkeit, »II« unter anderem anzuhören.

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Musik in 1.000 Zeichen: Ian Brown – »Ripples«

Ian Brown - Ripples

Ein Jahrzehnt ist seit dem letzten Album des Monkey King ins Land gegangen. Er selbst hatte in der Zwischenzeit mit der Reunion »seiner« Stone Roses zu tun. Eine Platte ist dabei nicht rausgekommen. Stattdessen nimmt Ian Brown die Sache jetzt wieder alleine in die Hand – und das wortwörtlich.

Weite Teile der Instrumente spielte er auf dem, logischerweise auf eigene Faust geschriebenen, »Ripples« [Partnerlink] höchstpersönlich ein. Produziert hat er das Album natürlich auch und weil er gerade einmal dran war, führte er bei den Videos zu den Single-Auskopplungen gleich auch noch Regie. Alles ganz im Sinne seines Selbstbildes als »Godlike Genius«, wie Brown seine Facebook-Seite vermutlich nicht ausschließlich ironisch betitelt hat.

Erstaunlich grau ist es jedoch geworden, das Genie. Auf dem Kopf, aber eben leider auch in seiner Musik. Vielfach plätschern die Songs ins Belanglose, bleiben in eigentlich guten Ansätzen stecken, nehmen kaum mal Tempo auf und rücken produktionstechnisch einen Tick zu sehr die nach wie vor prägnante und mitreißende Stimme in den Mittelpunkt – sehr zu Lasten der Instrumente, die dann kaum hörbar im Hintergrund die eine oder andere gute Sache veranstalten. Findet sich dann doch eine hörbar feine Hookline, ein guter Rhythmus, eine überraschende Funk-Wah-Gitarre oder eine groovende Reggae-Nummer, werden diese guten Ansätze mittels Redundanz bis in den letzten Winkel ausgewalzt. Manches Mal wäre das Songende ein oder zwei Minütchen früher richtig gut gekommen.

Unter Umständen hätte es Brown und seiner Musik geholfen, hätte sich King Monkey beim Erarbeiten der Songs mit anderen Musikern auf Augenhöhe ausgetauscht, statt alles völlig ungebremst alleine durchzuziehen. Aber sag das mal einem Hybris-Hohepriester. Dass ein solcher Austausch auf absehbare Zeit sowas von nicht geplant ist, zumindest aber nicht mit den Stone Roses, erzählt er auf »Ripples« mehr oder minder unverblümt: »Dried up roses all turn to stone … thinking for myself with my own brain.« Godlike Genius, halt.

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Musik in 1.000 Zeichen: The Lemonheads – »Varshons II«

The Lemonheads - Varshons II

Kann sich noch jemand an den Film »True Romance« erinnern? An die Szene im Hotelzimmer? »Wie soll denn die Fortsetzung von ›Aus dem Dschungel kommst du nur im Sarg‹ heißen?« »Wir hatten an ›Aus dem Dschungel kommst du nur im Sarg 2‹ gedacht!« »Wow, das ist ja mal kreativ!«

Ähnlich fantasievoll hat Evan Dando den Nachfolger seines, im Sommer auch schon ein Jahrzehnt alten, reinen Cover-Albums benannt. Damals »Varshons«, heute also »Varshons II« [Partnerlink]. So stringent kennt man den Impressario der Lemonheads sonst eigentlich nicht.

Ist aber auch schnuppe. Was am Ende zählt, ist die Musik. Und an der gibt es echt nix rumzumäkeln. 13 Titel haben die Lemonheads, also, hat Dando zusammengeklaubt, um sie mal in lässig zurückgelehnten Folk, mal in diese besonders erträgliche Form des Honky-Tonk-Country, wie sie eben nur Mister Lemonhead hinbekommt, und dann wieder in knarzenden Slacker-Indie-Pop zu verwandeln: Yo La Tengo finden sich in dieser ebenso eklektischen wie wunderbaren Zusammenstellung, Paul Westerberg, die Jayhawks, The Bevis Frond, Lucinda Williams und auch Nick Cave, dessen »Straight To You« eine behutsame, das Original kaum antastende Überarbeitung erfährt.

Überhaupt behandelt Evan Dando sämtliche Musik der von ihm ausgewählten Künstler respektvoll, verpasst allen Stücken aber gleichzeitig einen deutlichen eigenen Stempel. Insgesamt ist so ein vierzigminütiger Quell der guten Laune entstanden.

»Varshons II« kann man unter anderem auf der Bandcampseite der Lemonheads anhören. Viel Vergnügen.

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Musik in 1.000 Zeichen: Farflung – »This Capsule«

Farflung - This Capsule

Knapp ein Vierteljahrhundert haben Farflung als Band auf dem Buckel. Wie das aktuelle Album zeigt, empfindet die Kapelle aus Los Angeles ihr vergleichsweise hohes Alter nicht als Grund, irgendeine Bremse zu ziehen. Ganz im Gegenteil: Gerade erst im Spätsommer wurde ein weiteres grandioses Album auf die Menschheit losgelassen.

Im Vergleich zu den beiden Vorgängern haben Farflung auf »This Capsule« [Partnerlink] den Stoner-Anteil reduziert und stattdessen eine mächtige Portion Space- und Psychedelic-Rock aufgefahren. Auf knapp 53 Minuten erstrecken sich fünf opulent arrangierte Rock-Schmankerl. Gleich mit dem Opener wird der Zuhörer in die Umlaufbahn geschossen, wo er sich für den Rest der Platte in der Schwerelosigkeit zwischen flirrenden Synthies, stampfenden Bässen, ballernden Gitarrenriffs und wispernden Sprachsamples bewegt. Schnell wird klar: Du schaust und hörst Dir diese Kapsel nicht einfach an, Du sitzt mitten in ihr.

Reingesaugt und ab die Post – unterwegs zu neuen Welten mit Neuanordnungen vertrauter Klänge als Soundtrack. Da schwirren ganz frühe Monster Magnet ebenso mit, wie Hawkwind oder Can. Dreh und Angelpunkt ist ohne Frage der 20-Minuten-Epos »Prostitute To Spacecraft«. Dickes Ding!

Zum Beispiel »Red Today«, eines der eher kürzeren Stücke des Albums:

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Musik in 1.000 Zeichen: Night Flowers – »Wild Notion«

Night Flowers - Wild Notion

Der Dreampop wurde in Großbritannien geboren, damals in den 1980er-Jahren. Eine Art Renaissance erlebte er etwa 20 Jahre später nicht zuletzt durch US-Bands. Die Night Flowers fügen der Geschichte dieses Genres nun ein verbindendes, ein transatlantisches Kapitel hinzu – mit vier Herren aus Hull und einer Dame aus Boston, die seit bald fünf Jahren in London gemeinsame Sache machen.

Diese gemeinsame Sache, ihre Musik verbindet das Feine aus beiden Dreampop-Welten: die melancholisch-raumfüllenden Hallflächen der frühen britischen Jahre mit den sanft preschenden Uptempo-Popnummern nordamerikanischer Prägung. Zehn Songs lang schieben sich auf dem Debüt »Wild Notion« [Partnerlink] atmosphärisch dichte Klangräume und durch die Bank ohrwurmtaugliche Melodien ineinander. Sängerin Sophia Pettit legt ihre warme Stimme über diese instrumentale Grundierung und verpasst jedem Song dadurch eine ebenso verträumte, wie durchweg positive Stimmung.

Dass die in dieser Konstellation entstehenden Schönheiten außer beim finalen »Cruel Wind« niemals ins Uferlose mäandern, liegt an der strukturgebenden Arbeit von Bass und Schlagzeug. Gleichzeitig aber auch an der Bereitschaft der Band, einen Song loszulassen, sobald er erzählt ist – selbst, wenn das schon nach zwei Minuten der Fall ist. Am Ende haben die Night Flowers das Dreampop-Rad nicht neu erfunden, aber auf bezaubernde Art ein Stück weitergedreht.

Auf der Bandcampseite der Night Flowers kann man »Wild Notion« unter anderem anhören.

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Musik in 1.000 Zeichen: The Bevis Frond – »We’re Your Friends, Man«

The Bevis Frond - We're Your Friends, Man

Vor etwa einem Jahr hat Nick Saloman sein drittes Jahrzehnt als Mehr-oder-weniger-Band komplettiert. Mit »We’re Your Friends, Man« [Partnerlink] veröffentlicht der Gitarrist, Drummer, Bassist, Keyboarder und Sänger, der sich nur auf der Bühne etwas Hilfe dazuholt, das mittlerweile siebenundzwanzigste Album seiner Bevis Frond.

Eine stolze Zahl und Ausdruck der kreativen Energie, mit der der Mann aus dem britischen Walthamstow seit einer Ewigkeit unterwegs ist. Einmal mehr hat er ein 20 Songs umfassendes Mammutwerk geschaffen, das bei aller Ausuferung zu keinem Zeitpunkt beliebig oder gar langweilig wird. Anderthalb Stunden lang jagt Saloman von Riff zu Solo zu Break zu psychedelischer Frickelei zu Solo zu Riff. Fast schon liebevoll bettet er seine durchaus britischen Melodieverläufe in kantige Psychedelic- und Rock-Bretter, zu deren Beschreibung dann eher nordamerikanische Referenzen in den Sinn kommen.

Hier flirrt ein wenig Hendrix, dort schnarrt Dinosaur Jr, da drüben plärren Hüsker Dü. Und gleich hinter der nächsten Harmonieverschiebung lauert dann sogar noch Neil Young während seiner »Zuma«-Phase. Ein weiteres großartiges Album eines Künstlers, der einfach tolle Songs schreibt … und ihnen dann den noisig kratzigen Poncho überwirft.

Auf der Bevis-Frond-Bandcampseite kann man das neue Album unter anderem anhören. Viel Vergnügen.

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