Musik in 1.000 Zeichen: The Bevis Frond – »We’re Your Friends, Man«

The Bevis Frond - We're Your Friends, Man

Vor etwa einem Jahr hat Nick Saloman sein drittes Jahrzehnt als Mehr-oder-weniger-Band komplettiert. Mit »We’re Your Friends, Man« [Partnerlink] veröffentlicht der Gitarrist, Drummer, Bassist, Keyboarder und Sänger, der sich nur auf der Bühne etwas Hilfe dazuholt, das mittlerweile siebenundzwanzigste Album seiner Bevis Frond.

Eine stolze Zahl und Ausdruck der kreativen Energie, mit der der Mann aus dem britischen Walthamstow seit einer Ewigkeit unterwegs ist. Einmal mehr hat er ein 20 Songs umfassendes Mammutwerk geschaffen, das bei aller Ausuferung zu keinem Zeitpunkt beliebig oder gar langweilig wird. Anderthalb Stunden lang jagt Saloman von Riff zu Solo zu Break zu psychedelischer Frickelei zu Solo zu Riff. Fast schon liebevoll bettet er seine durchaus britischen Melodieverläufe in kantige Psychedelic- und Rock-Bretter, zu deren Beschreibung dann eher nordamerikanische Referenzen in den Sinn kommen.

Hier flirrt ein wenig Hendrix, dort schnarrt Dinosaur Jr, da drüben plärren Hüsker Dü. Und gleich hinter der nächsten Harmonieverschiebung lauert dann sogar noch Neil Young während seiner »Zuma«-Phase. Ein weiteres großartiges Album eines Künstlers, der einfach tolle Songs schreibt … und ihnen dann den noisig kratzigen Poncho überwirft.

Auf der Bevis-Frond-Bandcampseite kann man das neue Album unter anderem anhören. Viel Vergnügen.

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Musik in 1.000 Zeichen: Matze Rossi – »Musik ist der wärmste Mantel«

Matze Rossi - Musik ist der wärmste Mantel

Der Herbst hatte gerade begonnen, als Matze Rossi es sich auch schon gemütlich machte. Gleich zwei Konzerte hat der Songwriter am 22. September gespielt – jeweils vor 30 Leuten im Audiolodge Studio gleich um die Ecke seiner Heimatstadt Schweinfurt.

Wie gemütlich ist es an jenem Tag zugegangen ist, wie heimelig, herzerwärmend und mitreißend, dürfen jetzt auch alle anderen hören, die seinerzeit nicht zu den fünf Dutzend geladener Gäste zählten. Aus den 16 besten Liedern der beiden Konzerte hat Matze Rossi das zweite Live-Album seiner Karriere gemacht. Neben seinem enthusiastischen Publikum ist auf »Musik ist der wärmste Mantel« [Partnerlink] auch Martin Stumpf zu hören. Seit gut anderthalb Jahrzehnten vornehmlich alleine unterwegs, hat Rossi die beiden Auftritte im Duo mit dem Multiinstrumentalisten gestaltet.

Mal am Kontrabass, mal an der E-Gitarre und dann wieder am Piano verleiht Stumpf den Rossischen Kompositionen zusätzliche Tiefe und Kontur. Und anders als auf den Soloalben nahezu opulent arrangiert, entfalten sich diese Songs musikalisch, aber auch atmosphärisch umso weiter. Aus allen Poren strömt die für Rossi typische Lebensbejahung und die Lust am Sein. Auch ohne harte Gangart, hört man zudem überdeutlich seine Wurzeln, die fraglos im Punk liegen. Prima Typ, prima Platte.

Auf der Bandcampseite des Labels End Hits Records kann »Musik ist der wärmste Mantel« unter anderem angehört werden.

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Musik in 1.000 Zeichen: Rotor – »Sechs«

Rotor - Sechs

Rotor stehen auf gleich mehreren Ebenen für herrlich klare Kante. Ihre Alben, zum Beispiel, nummerieren die Herren aus Berlin seit dem Debüt im Jahr 2001 stur durch. Und dann der Bandname, der recht schmucklos verspricht, was die Typen hinter dem Namen problemlos halten: Einmal auf Hochtouren unterwegs, föhnt dir Rotor die Haare, wie es kein Helikopter besser könnte.

Da weiß man seit inzwischen 20 Jahren einfach, was man hat. Oder kriegt. Im Jubiläumsjahr, etwa, das sechste Album. Und wie seine Vorgänger ist auch »Sechs« [Partnerlink] ein rein instrumentaler Stoner-Rock-Koloss, der jedweden aktuellen Trend einfach mal ignoriert. Statt heute modernem und morgen schon vergessenem Schnickschnack werden hier zeitlos schöne und tonnenschwere Riffs losgetreten, in rhythmisch unheimlich clevere Formen und vertrackte Songstrukturen gegossen und in diesen ebenso stoisch, wie brachial ausgewalzt.

Immer wieder erstaunlich, wie leicht der Zustand »heavy« bisweilen klingen kann, wie schwerelos die Schwere. Runde Sache zum runden Jubiläum. Einmal mehr klare Kante.

»Sechs« kann man auf der Bandcampseite von Rotor unter anderem anhören.

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Musik in 1.000 Zeichen: J Mascis – »Elastic Days«

J Mascis - Elastic Days

Und jetzt wieder mit Gefühl. Joseph Donald Mascis verfügt über gleich zwei Kanäle, um seine kreative Energie nach außen zu tragen: Während er mit Dinosaur Jr vornehmlich den eher preschenden 90er-Indie-Gniedel-Gitarren-Kram raushaut, ist er unter seinem eigenen Namen bisher vor allem durch ruhige Töne aufgefallen. Hier lebt er seine melodieverliebte, zurückgenommen arrangierende, stellenweise fast folkige Seite aus, die seit der Reunion mit Lou Barlow bei Dinosaur Jr keinen Raum mehr zu finden scheint.

Auf seinem dritten Solo-Album nimmt sich Mascis wieder in aller Stille diesen Raum. »Elastic Days« [Partnerlink] präsentiert gleich ein ganzes Dutzend vor allem von akustischer Gitarre getragener Songperlen – alle randvoll mit typisch mascisschen Songaufbauten, mit starken Hooklines, mit zwischen Melancholie und Zuversicht schwingenden Harmonieverläufen und dieser unverkennbaren Rhythmik, weil der tolle Gitarrist Mascis ja von Haus aus eigentlich Drummer ist.

Über allem schwebt diese herrlich nölende Stimme, die jüngst eine überraschend deutlich zu hörende Stärkung durch Gesangsunterricht erfahren hat. Und wenn Joseph Donald dann zwischendurch seine Jazzmaster zum kreischenden Solo rausholt, werden auch noch alle Freunde der 90er-Indie-Gniedel-Gitarre perfekt bedient. Absolut runde Sache mal wieder!

Auf seiner Bandcampseite bietet J Mascis die Möglichkeit, das neue Album unter anderem anzuhören. Viel Spaß!

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Musik in 1.000 Zeichen: Les Big Byrd – »Iran Iraq IKEA«

Les Big Byrd - Iran Iraq IKEA

Spätestens nach einer Minute ist die Welt umrissen, in der sich Les Big Byrd bewegen. Straight geht das Schlagzeug voran, Wummerbass und Flimmersynthies folgen auf dem Fuß, ehe choral angelegte Gesangslinien und ein Piano eine recht einfache Melodie ins Spiel bringen. Über allem liegt ein mächtiger Hall, der den Sound aus allen Ecken zurück ins Geschehen wirft.

So oder so ähnlich entfaltet sich nahezu jeder der neun Songs auf dem Zweitlingswerk dieser schwedischen Quasi-Supergroup – mit Ex-Musikern von den Teddybears, den Caesars, von Fireside und Soundtrack of our Lives. Mehr stilistische Mittel sind auch gar nicht nötig, um diese gut 42 Minuten zu einem unterhaltsamen Erlebnis werden zu lassen. Irgendwo zwischen Kraut und Spacerock, zwischen Psychedelic und astreinem Pop macht sich eine stellenweise geradezu hypnotische Klanglandschaft breit.

Bei aller Wucht der übereinander geschichteten Sounds ist »Iran Iraq IKEA« [Partnerlink] dank seiner rhythmisch tighten Arrangements eine deutliche Einladung zum Tanz. Einmal nachgegeben, steht nichts mehr still. Wie die jungen Air mit noch mehr Hall und ordentlich Rock-Schmackes.

Auf der Bandcampseite von Les Big Byrd kann man »Iran Iraq IKEA« unter anderem anhören. Viel Spaß!«

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Musik in 1.000 Zeichen: Brett Newski – »Life Upside Down«

Brett Newski - Life Upside Down

Wenn einer eine Menge zu erzählen hat, wenn er nur eine Reise tut, wieviele Geschichten hat dann erst jemand auf der Pfanne, der hundertfach durch die Welt getingelt ist? Zum Glück haben wir Brett Newski, der uns ganz ohne Dreisatz zur Lösung führt, nämlich: unendlich viele Geschichten.

Seit der Mitte der Nullerjahre ist Newski als fahrender Musiker unterwegs, hat alle Ecken der Erde teils monatelang auf eigene Faust betourt und dabei unfassbare Dinge erlebt, die für mindestens eine Platte pro Jahr reichen: In Korea, um nur mal ein Beispiel zu nennen, wurde ihm die Aufgabe zuteil, Werbemusik für eine Tamponfirma zu komponieren. Dass ihn die Kollegen von Cake wegen eben dieses Jingles später des Plagiatentums bezichtigten und verklagten, sorgt für eine knackige Pointe, die man mal gut erzählen kann. Newski kommt jedenfalls herum und nimmt, wo immer sich die Gelegenheit ergibt, Musik auf.

Sein jüngstes Werk beschäftigt sich mit der düsteren Kehrseite des Lebens, mit Ängsten, Selbstzweifeln und innerer Schwere. Newski erzählt diese Geschichten auf den Punkt und immer mit einem Hauch Licht im Dunkeln. Musikalisch ist »Life Upside Down« [Partnerlink] ohnehin über jeden Zweifel erhaben, orientiert es sich doch an den rotzigen Indie-Gitarren der Neunziger, an der Lässigkeit solcher Helden wie Pavement oder Beck. Macht Spaß.

»Life Upside Down« kann man unter anderem auch auf der Bandcampseite von Brett Newski anhören. Und im Bedarfsfall auch erstehen.

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Musik in 1.000 Zeichen: Karies – »Alice«

Karies - Alice

Keine Frage, auch auf dem dritten Album der Bandgeschichte fräsen sich Karies tief in die Gehörgänge und den Zahnschmelz der geneigten Zuhörer. Doch irgendwas ist anders bei »Alice« [Partnerlink]. Geradezu poppig kommt schon das Cover daher.

Und dann die Musik: Zwischendurch entwickeln die Klänge eine fast schon schmeichelnde Melodiösität, eine alles andere als subtile Schönheit. Ein bislang ungekanntes Maß an Buntheit. Wo sind sie denn hin, die Düsternis und der Schwermut der ersten beiden Platten? Gänzlich verschwunden sind die beiden vormaligen Karies-Grundeinstellungen nicht. Bei der Beschäftigung mit den Texten, knallen sie einem links und rechts um die Ohren. Nach wie vor hagelt es Dystopisches und Skurriles, schräge Bilder und kryptische Anspielungen.

Letztlich tropfen dann doch etliche klangliche Entsprechungen dieser Dunkelpoesie zwischen den gefälligeren Passagen hindurch – wenn die Gitarren aufeinander einkreischen, wenn das Schlagzeug treibt und der Bass wummert. Dann fließen sie ineinander, die Vergangenheit und Zukunft dieser wundervollen Band. Groß!

Und wie klingt das? Zum Beispiel so: das vorab ausgekoppelte »Holly« …

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