Musik in 1.000 Zeichen: Grandbrothers – »Open«

Grandbrothers - Open

Der Musikwelt ein Debüt hinlegen, das eine bis dahin nicht gekannte Klangwelt eröffnet, ist die eine Sache. Die dadurch entstandenen Erwartungen mit dem Nachfolger erfüllen, eine andere, an der viele Künstler mächtig zu knabbern haben. Erol Sarp und Lukas Vogel scheinen da aus anderem Holz geschnitzt.

»Open« springt mühelos über die Latte, die sich die beiden Grandbrothers mit »Dilation« reichlich hochgelegt hatten. Auf dem Weg zum Sprung haben sie ihre ureigene und völlig unkopierbare Technik hörbar perfektioniert. Noch immer stammen alle Klänge von nur einem Instrument: einem Konzertflügel, dessen akustische Möglichkeiten bis zum Horizont aufgestossen werden, weil er hier als Percussionwerkzeug dient, als Urheber elektronisch verfremdeter Klangsphären und natürlich als klassisches Tasteninstrument.

Aus diesen Zutaten haben Pianist Sarp und Elektroniktüftler Vogel einen zehn Stücke währenden Klangteppich gewoben, der auf dem Meditationskissen ebenso gut kommt wie auf der Tanzfläche. »Open« [Affiliate Link] nimmt seinen Hörer ganzheitlich gefangen. Und lässt ihn so bald nicht wieder los.

Auf der Bandcamp-Seite der Grandbrothers kann man »Open« unter anderem anhören.

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Musik in 1.000 Zeichen: Die! Die! Die! – »Charm.Offensive.«

Die! Die! Die! - Charm.Offensive.

Auch auf Album Nummer Sechs bleiben sich Neuseelands Vorzeige-Noiser treu – indem sie einmal mehr nicht beim Status Quo der Vorgängerplatte bleiben. Stillstand ist Rückschritt.

Und in diesem Sinne packen Die! Die! Die! diesmal eine Seite aus, die sich auf den bisherigen Werken allenfalls zwischen den Zeilen erahnen ließ: Shoegaze. Meterbreit und -hoch schichtet das Trio die Gitarrenspuren aufeinander. Im Gegenzug haben sie ihren Songs das über die Maßen Hektische genommen, ohne jedoch gleichzeitig das urwüchsig Energische ad acta zu legen. Wie die vorherigen Alben hat auch »Charm.Offensive.« [Affiliate Link] allemal das Zeug, den Hörer wegzupusten.

Wo früher bei eingeschaltetem Turbo alles überrannt wurde, werden jetzt alle Organe mit etlichen Extrarationen Noise und Klanggewitter durchgewalkt. Das kommt mit Schmackes und lässt gerade den Über-Kopfhörer-Genießer wie verprügelt zurück. Eindrucksvolles Erlebnis mit zwischenzeitlich verblüffend melodiösen Momenten.

Auf der Bandcamp-Seite von Die! Die! Die! kann man »Charm.Offensive.« unter anderem anhören.

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Musik in 1.000 Zeichen: Wesley Fuller – »Inner City Dream«

Wesley Fuller - Inner City Dream

»Um es im Musikgeschäft nach ganz oben zu schaffen musst Du Deine Würde sausen lassen und bereit sein, langweiligen Scheiß zu veröffentlichen.« Wesley Fuller ist offenbar niemand, der lange um den Brei herumredet. Noch viel offenbarer ist der junge Mann aus Melbourne aber ein Musiker, der es nach der eigenen Definition nicht nach ganz oben schaffen wird.

Die zwölf Songs seines Debüts haben mit langweiligem Scheiß nicht einmal im Entferntesten zu tun. »Inner City Dream« [Affiliate Link] vereint fröhlich twangende Gitarren und einen tupfenden Bass, Handclaps und Background-Chöre mit massig Hall drauf, Uptempo-Bubblegum-Nummern und catchy Glam-Pop-Schwofer, Strahlemann-Melodien und polyrhythmische Finesse, musikalische Unbeschwertheit und textliche Suche nach dem eigenen Platz in dieser Welt.

Dieses Album ist eine sommerliche Einladung zum Tanz. Oder zu einer Runde auf der Rollschuhbahn. Ganz im Sinne der 70er, die hier zwischen allen Zeilen hindurchtropfen.

Und so klingt Wesley Fuller zum Beispiel:

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Musik in 1.000 Zeichen: Lyvten – »Bausatzkummer«

Lyvten - Bausatzkummer

Zürich ist gar kein Stadtteil von Gainesville oder Washington. Könnte man aber meinen, wenn man sich die Gitarrenarbeit bei Lyvten vor Ohren hält: Druckvolle Powerchords führen zu harmonisch ausgereiftem Zwei-Gitarren-Zusammenspiel und gleich wieder zurück. Besser haben es die Protagonisten von »No Idea« oder »Dischord« zu ihren besten Zeiten auch nicht gemacht.

Ja, Lyvten spielen emotionalen Punkrock in seiner feinsten Ausprägung. Denn neben besagten Gitarren gibt es da auf »Bausatzkummer« [Affiliate Link] noch ein saftig treibendes Schlagzeug, einen Fels von Bass-Rückhalt und deutschsprachige Texte, die im Spagat zwischen dunkler Schonungslosigkeit und tiefsinniger Straßenpoesie Alltagsgeschichten voll auf die Zwölf bringen.

Melodien und Textbrocken, die hängenbleiben: Seit seinem Debüt vor zwei Jahren hat das Zürcher Quartett seine Songwriting-Qualitäten noch einmal verfeinert, ohne die seinerzeit schon vorhandene Wucht dabei auf der Strecke zu lassen. Wunderbar schwere Kost.

Zum Beispiel »Politur und feine Sitten«, die erste Single vom neuen Album:

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Musik in 1.000 Zeichen: Nordmann – »The Boiling Ground«

Nordmann - The Boiling Ground

Wäre Nordmann wirklich ein Kerl, man würde ihn wohl meist mit wippenden Beinen auf der Stuhlkante sitzend antreffen – rastlos, gehetzt, auf dem Sprung. Und. Dann. Würde. Er. Springen. Tatsächlich ist Nordmann aber vier Kerle aus dem belgischen Gent, die auf ihrem Debüt »The Boiling Ground« [Affiliate Link] vornehmlich ihre Musik auf der Stuhlkante wippen lassen.

Bass, Gitarre und Schlagzeug bilden mit erdigen Läufen, griffigen Riffs und Kawumm die rockige Grundierung, auf der sich ein Tenorsaxophon zwischen Kraut und Jazz austobt. Hall, Doppler und Effekte geben diesem explosiv-groovigen Gesamtwerk eine geradezu sphärische Dimension. Alle paar Takte tun sich Kanten auf, in die man einen Improvisationshaken schlagen könnte.

Oh ja, dieses perfekt harmonisierende Quartett kann live nichts anderes als eine Wucht sein. Zwischendurch unterbricht es auf »The Boiling Ground« seine Unrast für ein wenig Kontemplation. Kurz durchatmen. Und. Dann. Geht. Es. Erst. Richtig. Los. Ein acht Songs währender wahnwitziger Ritt.

In Ermangelung anderer Klangbeispiele: der Video Teaser zum Album

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Musik in 1.000 Zeichen: The World Is A Beautiful Place & I Am No Longer Afraid To Die – »Always Foreign«

The World Is A Beautiful Place - Always Foreign

Den Verlautbarungen dieser Band folgend, darf man sich The World Is A Beatiful Place … als ständig im Wandel befindliches Kollektiv vorstellen. Und das Fluide tut dem Sound dieses Kollektivs unfassbar gut.

Mitglieder kommen und gehen, manche bleiben, vielleicht nur für eine Weile. Jeder bringt seine eigene musikalische Sozialisation mit und darf sie mit in den großen Topf werfen, in dem die Band ihre Songs kocht. Die Basis bildet eine zeitgemäße Fassung des 90er-Emo. Daneben sind da aber noch viele andere Klänge, die diese Musik weit über den Status eines Genre-Revivals hinausheben. Chöre, Bläser, Streicher: Was immer dem Gefühl des Liedes entspricht, wird hinzugeholt, um der – zum Zeitpunkt der Plattenaufnahmen – siebenköpfigen Band unter die Arme zu greifen.

Insgesamt entsteht so ein durchgehend im Fluss befindlicher, aus ständig neuen Klangschichten zusammengefügter Indie Rock mit Hang zur Hymne, wie es ihn kein zweites Mal gibt. Dieses Kollektiv bleibt einzigartig. Und »Always Foreign« [Affiliate Link] ist ein weiterer großer und toller Schritt in seiner nicht enden wollenden Entwicklung.

Die Bandcamp-Seite des Kollektivs bietet die Möglichkeit, »Always Foreign« unter anderem anzuhören.

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Musik in 1.000 Zeichen: The Flying Eyes – »Burning Of The Season«

The Flying Eyes – Burning Of The Season

Zurück in die Rockspur. Drei Jahre nach ihrem Abstecher in Richtung Country und Americana werfen die Flying Eyes wieder tonnenschwere Riffs, knackige Breaks und ausufernd arrangierten Düster-Psychedelic-Rock auf ihre Hörerschaft. Das halbakustische Intermezzo hatte sich im Kontext der Bandgeschichte völlig natürlich angefühlt, doch das hier ist the real Deal.

Da schwingen Helden der 70er wie Black Sabbath ebenso mit, wie Experimentierfreunde jener Tage à la Iron Butterfly oder Wüstensöhne »unserer« Zeit wie Kyuss. Und über das Gemisch, das das Quartett aus Baltimore aus diesen Einflüssen zusammenbraut, legt sich die Stimme von Sänger Will Kelly wie eine brillante Melange aus Jim Morrison und Ian Astbury. Vom Konzept ist »Burning Of The Season« [Affiliate Link] derweil wie gemacht für Vinyl: Die acht Songs teilen sich in exakt zwei Hälften, die jeweils auf ein wuchtiges Epos als Höhepunkt hinsteuern.

Der zweite Viererblock nimmt zwischendurch ein wenig zu sehr die Fahrt raus, verschafft dem Album mit dem achtminütigen »Oh Sister« jedoch ein fulminantes Ende, das lange im Ohr nachhallt.

Auch wenn die Bandcamp-Seite der Band das neue Album nicht anbietet, kann man dort einen guten Eindruck vom Sound der Band gewinnen.

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