Musik in 1.000 Zeichen: Cold Leather – »Smart Moves«

Cold Leather - Smart Moves

Einmal grobe Kelle, bitte. Cold Leather aus Berlin kommen mit richtig Schmackes daher. In kleinen, kaum drei Minuten langen Ausbrüchen knallen sie ihrem Publikum ein wunderbar knackiges Riffgewitter um die Ohren, dass man aus dem Grinsen gar nicht mehr rauskommt. Alles so herrlich erdig hier!

Die Gitarre kratzt aus den Boxen, das Schlagzeug ballert und der Bass steht wie ein Baum in diesem Sturm. Zum Höhepunkt der Songs auf »Smart Moves« [Partnerlink] bricht die Stimme ins Schrille, weil diese spürbar unbändige Energie halt einfach raus muss. Und wie ansteckend das alles ist. Nach der ersten halben Nummer wippen die Beine nicht mehr kontrollierbar mit. Noch ein paar Takte weiter will alles in dir aufspringen und durch die Hütte toben.

Vielleicht ist diese Platte daher nicht unbedingt geeignet für den Genuss während des Tagwerks im Großraumbüro. Darüber hinaus kann sie aber immer gerne laufen. Denn genau so muss er sein, dieser schmutzig-derbe Rock‘n‘Roll, den schon unsere Väter … und unserer Väter Väter. Ach, egal! Tolle Platte.

Auf ihrer Bandcampseite bieten Cold Leather das Album unter anderem zum Reinhören an.

Der im Text mit [Partnerlink] markierte Verweis wurde von mir im Rahmen meiner Teilnahme am Partnerprogramm der Amazon EU S.à r.l. gesetzt. Weitere Hinweise dazu finden sich im Impressum dieser Seite.

Planisphere: Am Ende der Zündschnur

Planisphere
Collage: Planisphere

Fast acht Jahre lagen für die Kölner Band Planisphere zwischen Gründung und erstem Album. Jetzt wird durchgestartet.

Freitagabend, kurz nach halb zehn im Kölner Severinsviertel: Unter dem Jubel eines dank Vorprogramms ordentlich angeschwitzten Publikums betreten vier junge Männer die Bühne im Tsunami Club. Planisphere sind im Haus. Und während sich die Bandmitglieder ihre Instrumente umhängen, nehmen Nebelmaschine und Lichtanlage den Betrieb auf. Nach ersten sphärischen Klängen legt ein ordentliches Gitarrenbrett den Schalter um und entfesselt den ganzen Laden für die nächsten gut 60 Minuten.

»Das war schon ein großartiger Abend«, blickt mit Jens Niedenhoff einer der vier jungen Männer stellvertretend zurück. Dieser 1. Juni 2018 wird bei dem Gitarristen und seinen Mitmusikern in sehr guter Erinnerung bleiben. Für die Leute vor der Bühne war das Konzert der abendliche Höhepunkt eines Brückentages. Für das Quartett dort oben war es weit mehr: der bislang wichtigste Meilenstein auf einer Reise, deren Ausgangspunkt ins Jahr 2011 zurückreicht.

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Musik in 1.000 Zeichen: Echo Ladies – »Pink Noise«

Echo Ladies - Pink Noise

Es ist noch nicht einmal fünf Monate her, dass die Echo Ladies mit einer selbstbetitelten Vier-Stücke-EP ein Debüt gefeiert haben, das sich gewaschen hatte. Etliche mehr oder minder für Indiegedöns zuständige Radiosender und Magazine waren ob der darauf zu hörenden Synthpop-Shoegaze-Klangwand-Sexyness komplett aus dem Häuschen.

Und weil die Dame und die beiden Herren aus Malmö ganz offenbar von einer ganzen Horde Musen geküsst sind, folgt einen gefühlten Wimpernschlag später gleich das nächste Highlight – diesmal im Albumformat. Acht Songs lang werden die Brachialität von A Place To Bury Strangers und die Anmut der Cocteau Twins, der Mut zur Redundanz von Jesus & Mary Chain und die düstere Melodiösität der frühen Cure in einen Topf geworfen und kräftig miteinander verrührt.

Und mit »Pink Noise« [Partnerlink] wurde für das Ganze tatsächlich der genau richtige Name gefunden: mitten auf die Zwölf, aber mit Schleifchen drum. Saugut.

Zum Beispiel auf der bandeigenen Bandcampseite kann man dieses grandiose Debüt anhören.

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Musik in 1.000 Zeichen: CUP – »Jitter Visions«

CUP - Jitter Visions

Tym Wojcik ist CUP. Und in dieser Rolle als Zumeist-One-Man-Band ist der gute Tym ziemlich produktiv. Kein halbes Jahr nach »Hiccup« hat er für »Jitter Visions« [Partnerlink] schon wieder 15 Songs zu einem Album zusammengeschraubt.

Diese hohe Output-Frequenz mag daran liegen, dass Wojcik nicht alles bis ins Kleinste ausformuliert, was ihm als Liedidee in den Sinn kommt. Insgesamt eher ein klangliches Skizzenbuch ergebend, überschreiten seine Werke auch hier kaum einmal die Zweiminutenmarke. Aber dieses teils nur angerissen Wirkende, dieses alles andere als Perfekte, dieses dadurch ungemein Wilde macht gerade den Reiz dieser Platte aus. Nicht zu unrecht führt Tym Wojcik unter anderem die Begriffe Punk und Garage in seiner Tätigkeitsbeschreibung.

Rotzig, kratzig, knallig und aufs ungestümste immer mal wieder an Ty Segall erinnernd, haut er hier einige Kleinode raus, die das Zeug zum Hit hätten, aber vermutlich nie in irgendeiner Hitsammlung landen werden. »U don‘t like this CUP« heißt der Vor-Vor-Vorgänger dieser Platte der auch gefühlt erst neulich erschien. Doch!

»Jitter Visions« kann man beispielsweise auch auf der Bandcampseite von CUP hören.

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Musik in 1.000 Zeichen: Angry Youth Elite – »Ready! Set! No!«

Angry Youth Elite - Ready! Set! No!

»Hä, die heißen was mit Youth und sind alle weit jenseits der Dreißig?« Richtig, Freunde, schließlich wusste schon die Oma: Man ist so alt, wie man sich fühlt. Und überhaupt ist Angry Youth Elite eine Verneigung vor einem der deutlich hörbaren Einflüsse dieser Band: vor Lagwagon, die diese Wordkombination dereinst sangen.

Soweit die Story des Bandnamens, jetzt zur Musik: Die hält absolut, was die Lagwagon-Reminiszenz verspricht. 90er-Skatepunk voller saftiger Powerchords, mächtig nach Epitaph und Fat Wreck klingend voll auf die Zwölf serviert, an jeder Ecke Hymnenhaftes zum Fingerpointen und Mitgröhl … äh, singen … Hochgeschindigkeitsmelodien der herrlich alten Schule, die nur einmal kurz von einem Ausflug in den Reggae unterbrochen werden.

Good Riddance, Bouncing Souls, Pennywise, man könnte so viele Referenzen heranziehen. Viel wichtiger an dieser Stelle jedoch: Trotz der deutlichen Bezüge ins Damals hat »Ready! Set! No!« [Partnerlink] kein bisschen Staub drauf. Taufrisch klingt das Ganze. Vermutlich hat es so ein Ding im Hier und Jetzt einfach noch mal gebraucht.

Auf ihrer Bandcampseite bietet die Angry Youth Elite die Möglichkeit, das Album unter anderem anzuhören.

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Musik in 1.000 Zeichen: Planisphere – »Into The Known«

Planisphere - Into The Known

Das ist mal ein feines Ding, das da in Köln herangereift ist. Acht Jahre lang haben sich die vier Herren von Planisphere Zeit gelassen – Zeit für kreative Selbstfindung, für die Entwicklung eines sehr eigenständigen Klanguniversums und nicht zuletzt für das Schreiben von insgesamt acht Songs, die sich hier über rund 50 äußerst unterhaltsame Minuten erstrecken.

Musikalisch spielt sich das Ganze im Schwebezustand zwischen Post- und Progrock ab. Planisphere agieren rein instrumental, bauen ihre Songs geduldig schichtweise auf. Hier ein Flirren, dort ein Ballern, hier wilde Riffs, dort gemächliche Melodieentwicklung, hier filigrane Tasten, dort metallische Gitarren: alles aufs Abwechslungsreichste von einer ebenso starken wie beweglichen Rhythmusabteilung unterbaut. Selbst beim x-ten Hören lässt sich in diesem Sammelsurium an musikalischen Finessen noch ein neues Schmankerl entdecken.

Herzlichen Dank dafür; nicht zuletzt an die Crowdfunder, die der Band den wirtschaftlichen Schubs gaben, »Into The Known« über die Ziellinie zu bringen. Stark!

Auf der Bandcampseite von Planisphere kann man »Into The Known« unter anderem anhören.

Musik in 1.000 Zeichen: Johnny Marr – »Call The Comet«

Johnny Marr - Call The Comet

Johnny Marr ist Johnny Marr und wird immer Johnny Marr bleiben. Weil das auch für seine Finger gilt, sobald die einen Gitarrenhals berühren, schwirrt das dritte Soloalbum von Morrisseys ehemals besserer Hälfte nur so vor klanglicher Verweise auf die 80er im Allgemeinen und die Smiths im Speziellen.

Wie die Faust aufs Ohr etwa das Selbstzitat bei »Hi Hello«, das genauso gut »Da ist immer noch ein Licht, das nicht ausgeht« heißen könnte. Aber natürlich darf der Johnny das, weil er selbst im eigenen Klangarchiv kramend noch feinere Popmusik fabriziert als mancher Kollege. Und weil er der eigenen Vergangenheit auch neue Elemente hinzufügt – ungewohnte Rhythmik, etwa, oder ein bisschen Elektronik.

Apropos Vergangenheit: Textlich ist »Call The Comet« [Partnerlink] ein Blick in die nahe Zukunft, die Ausformulierung von Marrs Ideen zu einer alternativen Gesellschaft. Geschichten von Menschen auf der Suche nach einem neuen Idealismus hat er nach eigenem Bekunden geschrieben. Fein! Schwarzmaler gibt es auch schon genug.

Im Soundcloud-Kanal von Johnny Marr kann man »Call The Comet« in Gänze anhören.

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