Musik in 1.000 Zeichen: The Bevis Frond – »We’re Your Friends, Man«

The Bevis Frond - We're Your Friends, Man

Vor etwa einem Jahr hat Nick Saloman sein drittes Jahrzehnt als Mehr-oder-weniger-Band komplettiert. Mit »We’re Your Friends, Man« [Partnerlink] veröffentlicht der Gitarrist, Drummer, Bassist, Keyboarder und Sänger, der sich nur auf der Bühne etwas Hilfe dazuholt, das mittlerweile siebenundzwanzigste Album seiner Bevis Frond.

Eine stolze Zahl und Ausdruck der kreativen Energie, mit der der Mann aus dem britischen Walthamstow seit einer Ewigkeit unterwegs ist. Einmal mehr hat er ein 20 Songs umfassendes Mammutwerk geschaffen, das bei aller Ausuferung zu keinem Zeitpunkt beliebig oder gar langweilig wird. Anderthalb Stunden lang jagt Saloman von Riff zu Solo zu Break zu psychedelischer Frickelei zu Solo zu Riff. Fast schon liebevoll bettet er seine durchaus britischen Melodieverläufe in kantige Psychedelic- und Rock-Bretter, zu deren Beschreibung dann eher nordamerikanische Referenzen in den Sinn kommen.

Hier flirrt ein wenig Hendrix, dort schnarrt Dinosaur Jr, da drüben plärren Hüsker Dü. Und gleich hinter der nächsten Harmonieverschiebung lauert dann sogar noch Neil Young während seiner »Zuma«-Phase. Ein weiteres großartiges Album eines Künstlers, der einfach tolle Songs schreibt … und ihnen dann den noisig kratzigen Poncho überwirft.

Auf der Bevis-Frond-Bandcampseite kann man das neue Album unter anderem anhören. Viel Vergnügen.

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The Dial Ups: Energie und Finesse

The Dial Ups
Pressefoto

Jeder von ihnen hat 20 Jahre Banderfahrung auf dem Tacho. Seit 2016 machen diese vier Anfangvierziger gemeinsame Postpunk-Sache. Anfang Dezember veröffentlichen The Dial Ups ihre erste Platte.

Wenn bei Postpunk die Post abgeht, ist das dann wieder Punk? Aber sowas von! Und zur Beweisführung braucht es gar kein Rechenexempel. Ein paar Takte dieses erdigen Quartetts aus Good Old Aachen Rock City genügen voll und ganz. Seit gut zwei Jahren befassen sich The Dial Ups mit dem Schrubben von Akkorden und dem Ineinanderschieben von Harmonien, mit dem Auf-Krawall-Bürsten feiner Melodien und dem abrupten Richtungswechseln dank Schlagzeugbreak. Na klar, das ist Punk – und außerdem noch eine Menge mehr.

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Musik in 1.000 Zeichen: Matze Rossi – »Musik ist der wärmste Mantel«

Matze Rossi - Musik ist der wärmste Mantel

Der Herbst hatte gerade begonnen, als Matze Rossi es sich auch schon gemütlich machte. Gleich zwei Konzerte hat der Songwriter am 22. September gespielt – jeweils vor 30 Leuten im Audiolodge Studio gleich um die Ecke seiner Heimatstadt Schweinfurt.

Wie gemütlich ist es an jenem Tag zugegangen ist, wie heimelig, herzerwärmend und mitreißend, dürfen jetzt auch alle anderen hören, die seinerzeit nicht zu den fünf Dutzend geladener Gäste zählten. Aus den 16 besten Liedern der beiden Konzerte hat Matze Rossi das zweite Live-Album seiner Karriere gemacht. Neben seinem enthusiastischen Publikum ist auf »Musik ist der wärmste Mantel« [Partnerlink] auch Martin Stumpf zu hören. Seit gut anderthalb Jahrzehnten vornehmlich alleine unterwegs, hat Rossi die beiden Auftritte im Duo mit dem Multiinstrumentalisten gestaltet.

Mal am Kontrabass, mal an der E-Gitarre und dann wieder am Piano verleiht Stumpf den Rossischen Kompositionen zusätzliche Tiefe und Kontur. Und anders als auf den Soloalben nahezu opulent arrangiert, entfalten sich diese Songs musikalisch, aber auch atmosphärisch umso weiter. Aus allen Poren strömt die für Rossi typische Lebensbejahung und die Lust am Sein. Auch ohne harte Gangart, hört man zudem überdeutlich seine Wurzeln, die fraglos im Punk liegen. Prima Typ, prima Platte.

Auf der Bandcampseite des Labels End Hits Records kann »Musik ist der wärmste Mantel« unter anderem angehört werden.

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Musik in 1.000 Zeichen: Rotor – »Sechs«

Rotor - Sechs

Rotor stehen auf gleich mehreren Ebenen für herrlich klare Kante. Ihre Alben, zum Beispiel, nummerieren die Herren aus Berlin seit dem Debüt im Jahr 2001 stur durch. Und dann der Bandname, der recht schmucklos verspricht, was die Typen hinter dem Namen problemlos halten: Einmal auf Hochtouren unterwegs, föhnt dir Rotor die Haare, wie es kein Helikopter besser könnte.

Da weiß man seit inzwischen 20 Jahren einfach, was man hat. Oder kriegt. Im Jubiläumsjahr, etwa, das sechste Album. Und wie seine Vorgänger ist auch »Sechs« [Partnerlink] ein rein instrumentaler Stoner-Rock-Koloss, der jedweden aktuellen Trend einfach mal ignoriert. Statt heute modernem und morgen schon vergessenem Schnickschnack werden hier zeitlos schöne und tonnenschwere Riffs losgetreten, in rhythmisch unheimlich clevere Formen und vertrackte Songstrukturen gegossen und in diesen ebenso stoisch, wie brachial ausgewalzt.

Immer wieder erstaunlich, wie leicht der Zustand »heavy« bisweilen klingen kann, wie schwerelos die Schwere. Runde Sache zum runden Jubiläum. Einmal mehr klare Kante.

»Sechs« kann man auf der Bandcampseite von Rotor unter anderem anhören.

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Musik in 1.000 Zeichen: J Mascis – »Elastic Days«

J Mascis - Elastic Days

Und jetzt wieder mit Gefühl. Joseph Donald Mascis verfügt über gleich zwei Kanäle, um seine kreative Energie nach außen zu tragen: Während er mit Dinosaur Jr vornehmlich den eher preschenden 90er-Indie-Gniedel-Gitarren-Kram raushaut, ist er unter seinem eigenen Namen bisher vor allem durch ruhige Töne aufgefallen. Hier lebt er seine melodieverliebte, zurückgenommen arrangierende, stellenweise fast folkige Seite aus, die seit der Reunion mit Lou Barlow bei Dinosaur Jr keinen Raum mehr zu finden scheint.

Auf seinem dritten Solo-Album nimmt sich Mascis wieder in aller Stille diesen Raum. »Elastic Days« [Partnerlink] präsentiert gleich ein ganzes Dutzend vor allem von akustischer Gitarre getragener Songperlen – alle randvoll mit typisch mascisschen Songaufbauten, mit starken Hooklines, mit zwischen Melancholie und Zuversicht schwingenden Harmonieverläufen und dieser unverkennbaren Rhythmik, weil der tolle Gitarrist Mascis ja von Haus aus eigentlich Drummer ist.

Über allem schwebt diese herrlich nölende Stimme, die jüngst eine überraschend deutlich zu hörende Stärkung durch Gesangsunterricht erfahren hat. Und wenn Joseph Donald dann zwischendurch seine Jazzmaster zum kreischenden Solo rausholt, werden auch noch alle Freunde der 90er-Indie-Gniedel-Gitarre perfekt bedient. Absolut runde Sache mal wieder!

Auf seiner Bandcampseite bietet J Mascis die Möglichkeit, das neue Album unter anderem anzuhören. Viel Spaß!

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Musik in 1.000 Zeichen: Les Big Byrd – »Iran Iraq IKEA«

Les Big Byrd - Iran Iraq IKEA

Spätestens nach einer Minute ist die Welt umrissen, in der sich Les Big Byrd bewegen. Straight geht das Schlagzeug voran, Wummerbass und Flimmersynthies folgen auf dem Fuß, ehe choral angelegte Gesangslinien und ein Piano eine recht einfache Melodie ins Spiel bringen. Über allem liegt ein mächtiger Hall, der den Sound aus allen Ecken zurück ins Geschehen wirft.

So oder so ähnlich entfaltet sich nahezu jeder der neun Songs auf dem Zweitlingswerk dieser schwedischen Quasi-Supergroup – mit Ex-Musikern von den Teddybears, den Caesars, von Fireside und Soundtrack of our Lives. Mehr stilistische Mittel sind auch gar nicht nötig, um diese gut 42 Minuten zu einem unterhaltsamen Erlebnis werden zu lassen. Irgendwo zwischen Kraut und Spacerock, zwischen Psychedelic und astreinem Pop macht sich eine stellenweise geradezu hypnotische Klanglandschaft breit.

Bei aller Wucht der übereinander geschichteten Sounds ist »Iran Iraq IKEA« [Partnerlink] dank seiner rhythmisch tighten Arrangements eine deutliche Einladung zum Tanz. Einmal nachgegeben, steht nichts mehr still. Wie die jungen Air mit noch mehr Hall und ordentlich Rock-Schmackes.

Auf der Bandcampseite von Les Big Byrd kann man »Iran Iraq IKEA« unter anderem anhören. Viel Spaß!«

Der im Text mit [Partnerlink] markierte Verweis wurde von mir im Rahmen meiner Teilnahme am Partnerprogramm der Amazon EU S.à r.l. gesetzt. Weitere Hinweise dazu finden sich im Impressum dieser Seite.

»Green Juice 2019«: Auf die Zwölf!

Green Juice 2018 Abendatmosphäre, Foto: Rainer Keuenhof
Wenn es Abend wird auf dem Green Juice, Foto: Rainer Keuenhof

Nach der Elf kommt die Zwölf. Was bei Mathematikern und sonstigen Anhängern der ganzen Zahlen gar nicht lange diskutiert wird, hat für die Macher des »Green Juice«-Festivals doch einiges an Arbeit bedeutet. Nach diversen Kalkulierrunden, Behördengängen und Klinkenputzereien bei potentiellen Sponsoren steht jetzt aber endgültig fest, dass es auch im Jahr 2019 eine Ausgabe des Festivals geben wird, das im Jahr 2008 mit einer LKW-Anhänger-Bühne und etwa 200 Zuschauern auf einer Wiese in Neu-Vilich begann. Es wird das zwölfte »Green Juice« werden.

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