Musik in 1.000 Zeichen: Burkini Beach – »Supersadness Intl.«

Burkini Beach - Supersadness Intl

Zwei Herzen schlagen in der Brust des Rudi Maier. Da ist das wilde Herz, mit dem er als Teil des Duos The Dope feinen Indie-Punk in die Welt rappelt. Und dann ist da das zarte Herz, das mit dem Hang zur fragilen Anmut. Diesem zarten Herzen lässt Maier auf seinem ersten Soloalbum freien Lauf.

Unter dem Pseudonym Burkini Beach erzählt er Geschichten von innerer Düsternis, von zerbrochener Liebe und nagenden Selbstzweifeln – das alles, ohne je ein echtes Klagelied anzustimmen. Seine Texte sind ebenso raffiniert von feinem Humor durchzogen, wie seine Songstrukturen von Melodien, die hängenbleiben. Diese Art, Geschichten nicht einfach nur zu teilen, sondern dem Hörer mittels cleverem Songwriting und Händchen für musikalische Tiefe ins Ohr und unter die Haut zu jagen, erinnert an große Namen der kitschlosen Pathosmusik: an Owen, zum Beispiel, Elliott Smith oder Sufjan Stevens.

Ursprünglich war die Musik auf »Supersadness Intl.« [Affiliate Link] nur als Verarbeitung persönlicher Dämonen gedacht. Wie schön, dass Rudi Maier diese Hälfte seines Doppelherzes jetzt doch in die Welt hinaus streichelt.

Auf der Bandcamp-Seite von Burkini Beach besteht die Möglichkeit, das Album komplett anzuhören. Und hier bietet sich auch die Gelegenheit, es in der einzig vorhandenen physischen Form zu erstehen: als 48-seitiges Hardcover-Buch mit CD.

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The Notwist beim »Kulturfestival X«: Planlose Klangtüftler

The Notwist_Foto Patrick Morarescu
Foto: Patrick Morarescu

Für viele der Inbegriff einer deutschen Indie-Band und für noch mehr eines der besten Live-Erlebnisse überhaupt: In bald drei Jahrzehnten haben sich The Notwist in mehrfacher Hinsicht eine Sonderstellung erarbeitet.

Nein, einem Plan, so ließ Markus Acher erst neulich verlauten, einem wirklichen Plan sind sie noch nie gefolgt; er, sein Bruder Micha und die gemeinsame Band. »Wenn überhaupt, war der einzige Plan, Platten zu machen, die wir uns selbst gerne anhören würden.« Seit ihrer Gründung im Jahr 1989 sind The Notwist in diesem Sinne unterwegs: immer dem musikalischen Bauchgefühl nach, dem Gespür für das, was gerade genau richtig ist. Ganz am Anfang waren das noch schroff ballernde Gitarren zwischen Hardcore-Punk und Metal.

Doch schon bald kamen klangliche Verfeinerungen dazu, elektronisches Grundrauschen, melodische Anleihen aus dem Pop, aber auch Elemente aus dem Jazz. Die Elektronik nahm ab der Jahrtausendwende sogar noch weiter zu, während sich die Gitarren zumindest in Sachen Lautstärke mehr und mehr zurücknahmen.

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Musik in 1.000 Zeichen: Gallops – »Bronze Mystic«

Gallops - Bronze Mystic

Hoppla, Comeback! Nach nur einem Album hatten sich die walisischen Gallops im Jahr 2013 getrennt – einem sehr vielversprechenden Album, was die Trennung für Freunde der gewagten Elektronik-Math-Rock-Verquickung noch ein wenig bitterer machte. Vier Jahre später kommt das »Hallo, da sind wir wieder!« überraschend.

Und »Bronze Mystic« [Affiliate Link] knüpft ungefähr nahtlos an seinen Vorgänger an, was die Freude über die offenbar schon 2016 vollzogene Wiedervereinigung noch ein wenig größer macht. Inzwischen zum Trio geschrumpft, lassen Gallops noch immer keinen Stein auf dem anderen. Wieselflink jagen sich Gitarre und ein wahnwitzig treibendes Schlagzeug um die Ecken. In den Zwischenräumen wabert ein Synthie-Teppich wohlig vor sich hin, der von »Defender Of The Crown auf dem C-64« bis »Jan Hammer auf Speed« alles drauf hat, was schräg und dabei seltsam grandios ist.

Damals wie heute spielt diese Band einem einen Knoten in den Kopf, während sie das Tanzbein durchmassiert. Für diese Musik müsste man einen eigenen Tanz erfinden. Den Captain-Future-Disco-Stepper oder so. Bizarr brillant.

Auf der Bandcamp-Seite von Gallops kann man »Bronze Mystic« anhören und bei Bedarf erstehen.

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Escape Rooms in Endenich: Eine Stunde Kopfzerbrechen

Fluchtgefahr
Foto: Fluchtgefahr

Eingesperrt und 60 Minuten, um zu entkommen: In Endenich unterhalten gleich zwei Anbieter sogenannte Escape Rooms.

Geheimnisvolle Symbole an der Wand, ein paar Kippschalter und eine stumme Haustürklingel. Um in diese Villa in der Endenicher Straße zu gelangen, muss man erst einmal ein Rätsel lösen. Nur wer die Schalter in die richtigen Positionen kippt, kann der Klingel einen Laut entlocken. Das geht ja gut los. Codes entschlüsseln, Kniffliges durchschauen, Verborgenes ans Licht holen: Die Gäste dieses Hauses haben genau solche Dinge im Sinn. Ist die Tür erst knackt, warten dahinter gleich mehrere Stockwerke voller Geheimnisse und Herausforderungen.

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Musik in 1.000 Zeichen: INVSN – »The Beautiful Stories«

INVSN - The Beautiful Stories

Seit bald 30 Jahren macht Dennis Lyxzén Musik. Von Refused über die (International) Noise Conspiracy bis hin zu AC4 hat er eine unglaubliche Zahl an musikalischen Darstellungsformen gefunden, die allesamt gespeist wurden von einem tief in ihm brennenden Feuer, von Zorn und dem Willen aufzubegehren.

INVSN ist eines dieser Band gewordenen Ventile. In diesem Kollektiv kleidet Lyxzén seinen Protest und seine Gesellschaftskritik in düsteren Postpunk mit deutlichem 80er-Anstrich. Statt wildem Ausbruch regiert hier eine fast schon klinische Kühle und eine Klangfarbe zwischen Joy Division und Echo & The Bunnymen. Straighter Bass, Schlagzeug mit Hang zum Standtom, mitten hineinkreischende Gitarre, stellenweise Synthies und punktuell Handclaps: Über diese genretypischen Zutaten hinweg nageln die Texte alles an die Wand, was in unserer Zeit Symptom einer häßlichen Entwicklung ist – eines internationalen Rucks nach rechts.

Und auf »The Beautiful Stories« [Affiliate Link], Album Nummer Vier des Kollektivs, haben INVSN die Verbindung von Wave und Politik nahezu perfektioniert. Vergleichsweise stiller Protest, der tief im Inneren schreit.

Die Bandcamp-Seite von INVSN bietet einen Eindruck vom Sound der Band. Das aktuelle Album wird dort leider nicht angeboten.

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Musik in 1.000 Zeichen: Caspian Sea Monster – »Caspian Sea Monster«

Caspian Sea Monster - Caspian Sea Monster

Diese vier Chemnitzer sind eher so von der geduldigen Sorte. Zum einen hat es ganze fünf Jahre gedauert, bis der Bandgründung das Debütalbum folgte. Zum anderen – und das ist weit wichtiger – lassen sie sich beim Aufbau der Lieder auf eben diesem selbstbetitelten Debüt alle Zeit, die es braucht.

Ein Großteil der neun Stücke kreist um die Sechs-Minuten-Marke, was Caspian Sea Monster eine Menge Raum lässt, die jeweilige Idee zu entfalten. Vielfältig wählen sie ihre Werkzeuge. Mal saugt an aktuellere Mogwai erinnernde Elektronik den Hörer in den Song, mal sind es saftige Gitarren, die ihn am Ende eines geduldigen Crescendos heftig umarmen. Klanglich mündet das Ganze vornehmlich in Postrock mit dickem Strich unter dem »Rock«.

Und auf die Sounds, die seine Mitstreiter zu feinen Teppichen weben, bettet Gitarrist und Sänger Toni Niemeier seine düster-schönen Gesangslinien. Robin Proper-Sheppard kommt da als Referenz in den Sinn. Oder Jonsi, wenn er denn ein, zwei Oktaven tiefer sänge. Gut Ding will Weile haben. Manchmal fünf Jahre. Tolles Ding.

Auf der Bandcampseite ihres Labels Stargazer Records kann man das Debüt von Caspian Sea Monster unter anderem hören. Viel Spaß dabei.

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Musik in 1.000 Zeichen: Elder – »Reflections Of A Floating World«

Elder - Reflections Of A Floating World

Tonnenschwer holt die Gitarre den Hörer ab. Mit schepperndem Becken setzt das Schlagzeug ein, dann das obligatorische Break und ab geht der Ritt. Während der ersten vier Minuten dieses Albums könnte man glatt auf den Gedanken kommen, dass Elder nach den Prog-Auswüchsen des Vorgängers auf »Reflections Of A Floating World« [Affiliate Link] wieder komplett in alte Stoner-Gewohnheiten gefallen sind.

Bis am Ende dieses vierminütigen Korridors eine Tür aufgeht und sich eine riesige Klangwelt vor einem ausbreitet. Klar, die Wüstensound-Ursprünge des Trios aus Boston bilden immer noch ein wichtiges Gerüst ihrer heutigen Erscheinung. Doch daneben und darauf bauen sich inzwischen auch andere mächtige Brecher auf. Prog Rock, Hard Rock, Krautrock: You name it, they play it. Oftmals auch vielfach ineinander verschränkt innerhalb eines einzigen Liedes.

Wobei, Lied? Elders Kompositionen laufen mit einer Mindestlänge von acht Minuten schon eher unter dem Begriff »Werke«. Und innerhalb dieser Zeit ist alles bei ständigen Richtungswechseln in Bewegung. Jede Idee, jedes Riff, jedes Break bekommt hier Raum. Opus Magnum!

Auf Elders Bandcamp-Seite kann man das neue Album unter anderem anhören.

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