Buchbesprechung: »Damaged Goods – 150 Einträge in die Punk-Geschichte«

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Der Punk, so munkelt man, wird in diesem Jahr 40 Jahre alt. Und der Ventil Verlag gratuliert ihm mit »Damaged Goods«, einem Buch gewordenen Mixtape.

Schon seit Januar ist in London der Teufel los. Englands Hauptstadt feiert den runden Geburtstag einer Bewegung, die ihr in jungen Jahren mächtig in die Straßen gepinkelt hat: Punk. Von offizieller Seite abgesegnet, läuft das Ganze auf den 26. November als Höhepunkt hinaus. An diesem Tag wurde dereinst die erste Sex-Pistols-Single veröffentlicht. »Anarchy in the UK« als Anlass einer riesigen Stadtmarketing-Kampagne: Sid Vicious würde staunen.

Joe Corré wiederum staunt nicht, sondern schäumt. Und weil ihn die offiziellen Geburtstagsfeierlichkeiten so zornig machen, wird der Sohn von Vivienne Westwood und Malcolm McLaren am Feiertag einen ganzen Haufen kostbarer Punk-Memorabilia verbrennen. Live ins Internet gestreamt. Was nützt, die beste, potentiell öffentlichkeitswirksame Rebellion, wenn es keine Öffentlichkeit gibt?

Aber zurück zum Punk-Geburtstag: Auf der anderen Seite des Atlantik hat man den Party-Zenit schon hinter sich. Denn was den einen ihr »Get pissed! Destroy!«, ist den anderen ihr »Shoot ’em in the back now!«. In den US of A gilt gemeinhin der 23. April als Punk-Stunde-Null – das Erscheinungsdatum des Ramones-Debüts. Ob April oder November, immerhin ist man sich dies- und jenseits des Atlantiks einig: Es war das Jahr 1976, in dem das mit dem Punk begann. Vier Jahrzehnte »No Future«, also. Gratulation! Weiterlesen

»Köln zu Fuß«: Abseits ausgelatschter Trampelpfade

Eckhard Heck - Köln zu Fuß

Ein Wanderführer, der seine Leser in Häuserschluchten statt in die Natur lockt; ein Stadtführer, der den nicht so offensichtlichen Perlen am Wegesrand ebenso viel Raum bietet wie den bekanntesten Sehenswürdigkeiten am Ort: »Köln zu Fuß« ist in vielerlei Hinsicht ein besonderes Buch. Und dann doch wieder nicht so besonders, wenn man das Œuvre seines Autoren kennt. Schon mehrfach hat sich Eckhard Heck in Büchern und Reiseführern fotografisch und textlich mit Städten zwischen Rhein und Maas auseinandergesetzt. Immer hat er dabei versteckte Schönheiten und Ecken aufgetan, die selbst so manchen eingefleischten Einheimischen überraschten. In dieser Hinsicht schließt sein neues Buch nahtlos an diese früheren Werke an. Weiterlesen

»Kanon der Literatur«: Herrn Schmitzens Plan und Aachens Beitrag

Eines Tages im August 2013 hatte Herr Schmitz diese Idee. Während der Mittagspause hatte er mit den Angestellten seiner Buchhandlung im Essener Süden Ideen gewälzt, was man mit all diesen Büchern und deren Lesern noch so anstellen könne. »Wie wäre es mit einem Buch, in dem 100 unserer Kunden ihr jeweiliges Lieblingsbuch besprechen? Quasi der Essen-Werdener Kanon der Literatur«, dachte er laut und erntete Zustimmung. Genau so sollte es geschehen. Genau so geschah es dann auch. Nach der Fertigstellung des Buchs war da aber plötzlich noch eine Idee. Das ist die Stelle, an der ich und einige hundert andere Leute ins Spiel kommen.

Die zweite Idee war tatsächlich eine weitere – eine weiter gefasste, um genau zu sein. Andere Buchhändler in anderen Städten sollten je 100 Kunden auch die Möglichkeit geben, Rezensionen zu ihren liebsten Schinken zu verfassen. Herr Schmitz fasste einen Plan. Er kontaktierte ihm bekannte Buchhändler und fand für seinen Plan letztlich 18 Mitstreiter. Eine dieser teilnehmenden Buchhandlungen ist »Schmetz am Dom« aus Aachen, in deren E-Mail-Verteiler ich mehr oder minder zufällig geriet. Am Ende war ich jedenfalls einer von diesen 100 Kunden – ja, ich kaufe tatsächlich gerne Bücher bei Schmetz – im »Aachener Kanon der Literatur«, einem in blaues Leinen geschlagenen Buch, das besagte 100 Rezensionen enthält.

Neben mir haben sich Pädagogen und Kaufleute, Juristen und Künstler, Journalisten und Schüler an dieser Zusammenstellung beteiligt. Wie die Ausgaben in den anderen Städten wurde auch der Aachener Kanon vom Essener Büro für Gestaltung »erste liga« hübsch gemacht. (Den Hinweis auf die fußballerische Viertklassigkeit von Essen, aber auch Aachen verkneife ich mir an dieser Stelle.) Am vergangenen Donnerstag wurde das gute Stück präsentiert, das künftig auch käuflich zu erwerben sein wird. Ob es tatsächlich einen Überblick bietet, was in Aachen so gelesen wird, wage ich nicht zu beurteilen. Auf jeden Fall bietet es einen Überblick, auf welch verschiedene Dinge Menschen achten und Wert legen, wenn sie ihr Lieblingsbuch wählen. Die eine oder andere »Ach, das würde ich auch mal gerne lesen«-Entdeckung ist auch dabei.

Das gesamte Projekt war Anfang Oktober schon auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt worden. Seinerzeit wurde auch verkündet, dass das komplette Werk in einem Schuber mit 20 Büchern veröffentlicht werden wird. Dass demnach noch viel mehr solcher potenziellen Entdeckungen zwischen Buchdeckel gepresst (und in ein WordPress-Blog gepackt) lauern. »Aber wieso denn 20 Bücher?«, wird jetzt der aufmerksame Leser fragen, »Herr Schmitz plus 18 Mitstreiter sind doch nur 19 Bücher!« Korrekt. Es gibt aber noch ein zwanzigstes Buch, das den »Buchmenschen Kanon der Literatur« aufzeigt – mit Verlagsmitarbeitern, Schriftstellern, Buchhändlern und wen man sonst noch so unter dem Label »Buchmensch« abheften mag. Quasi das große Finale 15 Monate nach der ursprünglichen Idee.

Rezension »Shakespeare’s Star Wars«: Des Barden Weltraumtrilogie

Star Wars TrilogieEs gibt Ideen, auf die hätte man auch selber kommen können. Auf die hätte man eigentlich auch selber kommen wollen. Und über die freut man sich, wenn jemand anders auf sie kommt. Ian Doescher hatte eine solche Idee, die einen als Schreiber ein wenig neidisch, als Leser dafür aber mehr als ein wenig glücklich macht. Doescher hat einen der größten Epen der Popkultur so aufbereitet, als stamme es aus der Feder eines der größten Epenerzähler der Weltliteratur. Weiterlesen

Rezension »111 Orte im Dreiländereck«: Von Möhren, Bären und D’Artagnan

111 Orte DreiländereckAlexander Barth präsentiert ein weiteres lesenswertes Buch voller abseitiger Sehenswürdigkeiten aus dem Dreiländereck.

Er hat es schon wieder getan. Etwa zwei Jahre nach seinem Erstlingswerk »111 Orte in Aachen und der Euregio, die man gesehen haben muss« hat Alexander Barth 111 weitere Orte zusammengetragen, die seiner Meinung nach auch unbedingt einen Besuch wert sind. Und wie man das bei Nachfolgern erfolgreicher Bücher machen sollte: Konzept und Verlag sind für »111 Orte im Dreiländereck, die man gesehen haben muss« [Affiliate Link] gleich geblieben. Absolut neu sind die im Buch behandelten Orte. Zudem wurde das »Winning Team« entgegen diverser anders lautender Sport-Weisheiten gewechselt.

111 Orte Dreiländereck GiftlandDiesmal ist es Fotografin Jenny Roder gewesen, die den Autor bei seinen Streifzügen durch das Dreiländereck begleitet hat. Über mehrere Monate hat sich das Duo dies- und jenseits der Grenzen Deutschlands, Belgiens und der Niederlande umgetan. Und zwischen Lüttich, Maastricht und Aachen haben die beiden dabei etliche (in Worten: einhundertundelf) Sehenswürdigkeiten aufgetan, die in herkömmlichen Reiseführern so garantiert nicht zu finden sind: D’Artagnans Sterbeort, zum Beispiel, eine alte Bärengrube oder ein Möhrenmuseum.

Wie gesagt, das Konzept ist gleich geblieben. So erhält jeder Ort eine Doppelseite Platz im Buch. In jeweils einem Essay liefert Alexander Barth seine akribisch recherchierten, mal erstaunlichen, mal äußerst unterhaltsamen Informationen. Da erzählt er vom Kaffeeschmuggel in der Nachkriegs-Eifel, vom Unabhängigkeitsbestreben des Rheinlands oder von der Öcher Version des Nürburgringes. Orte des Gedenkens kommen zur Sprache, Orte der Grenzgeschichte, Orte der hiesigen Steinkohlevergangenheit und kreativ gestalteten Gegenwart, Orte des Fußballs und der Popkultur – Orte, auf die auch Einheimische nicht unbedingt kommen würden, hätte sie jemand nach einem Ausflugstipp gefragt.

111 Orte Dreiländereck LBBJeden dieser Texte ergänzt eine Aufnahme aus der Kamera von Jenny Roder, die dafür besondere Winkel gewählt und Warten eingenommen hat. Dadurch findet das teils Schräge des Textes seine Untermalung und Entsprechung als Foto. Texte und Bilder sind dabei durchzogen von einer tiefen Zuneigung zum Dreiländereck, zu seiner Geschichte, seinen Orten und natürlich seinen Menschen. Insgesamt lassen Barth und Roder eine wunderbar ineinander fließende Wort-Bild-Kombination entstehen, die Auswärtigen und Einheimischen gleichermaßen den Mund nach diesen besonderen Orten wässrig macht.

Für die kommenden Monate dürften Leser von »111 Orte im Dreiländereck, die man gesehen haben muss« eigentlich genug Ausflugsziele auf der To-Do-Liste haben. Und da ist noch eines, das sich seit dem ersten 111-Orte-Werk von Alexander Barth nicht geändert hat: Ich bin Fan.

Offenlegung: Ich kenne Autor und Fotografin persönlich. Auch wenn ich beide sehr schätze, hat das meine Meinung zu ihrem Buch in keinster Weise beeinflusst. Eine kurze Fassung dieser Buchbesprechung ist in der Juliausgabe des Aachener Stadtmagazins »Klenkes« erschienen.

Der im Text mit [Affiliate Link] markierte Verweis wurde von mir im Rahmen meiner Teilnahme am Partnerprogramm der Amazon EU S.à r.l. gesetzt. Weitere Hinweise dazu finden sich im Impressum dieser Seite.

»Museum op Öcher Platt«: Mundart und Hochkultur

Museum op Öcher PlattWer von Zeit zu Zeit hier auf der Seite vorbeischaut, wird hier und da eventuell mitbekommen haben, dass ich mich meiner Heimatstadt Aachen und der dort gesprochenen Sprache besonders herzlich verbunden fühle. Vielleicht klang auch zwischen manchen Zeilen durch, dass ich mich manchmal ganz gerne in Museen aufhalte. Ein Geschenk, das ich zu meinem Geburtstag im vergangenen Jahr bekommen habe, bringt diese beiden Leidenschaften unter einen ganz bezaubernden Hut. Eigentlich hatte ich das Buch »Museum op Öcher Platt« schon vor einiger Zeit hier herumzeigen wollen. Irgendwie kam immer etwas dazwischen. Jetzt passt es aber. Und es passt jetzt sogar doppelt. Schließlich ist am kommenden Sonntag der Internationale Museumstag – auch im Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen. Weiterlesen

Zum Buch per Crowdfunding: »Palmen in Castrop-Rauxel«

Nein, einen Ratgeber möchten Felix Plötz und Dennis Betzholz nicht schreiben – schon eher einen Impulsgeber. In ihrem gemeinsamen Buch »Palmen in Castrop-Rauxel« erzählen die beiden Vollmitglieder der Generation Y aus Bad Honnef von Menschen, die ihr Leben eines Tages selbst in die Hand genommen haben, die aus einer Idee oder einem Traum auf unterschiedlichste Art etwas haben entstehen lassen: ein Modelabel, zum Beispiel, oder eine Hilfsorganisation. Ein ganzes Dutzend solcher Geschichten werden Plötz und Betzholz zusammentragen, um das Ergebnis dann in Form eines Buchs auf den Markt zu bringen. Dabei haben sie sich dafür entschieden, das Ganze auf eigene Faust und gänzlich ohne Hilfe eines Verlags zu meistern. Um den späteren Lesern dennoch maximale Qualität – etwa in Bezug auf Lektorat oder Druck – bieten zu können, bedarf es einiger finanzieller Mittel. Und die sammeln die beiden Autoren mittels Crowdfunding. Noch bis zum 15.12. kann »Palmen in Castrop-Rauxel« über die Plattform Startnext unterstützt werden.