Musik in 1.000 Zeichen: Godspeed You! Black Emperor – »Asunder, Sweet and Other Distress«

GY!BEcoverGute Freunde können sich noch so lange rar machen: Man erkennt sie bei ihrer Rückkehr sofort wieder. Nach ein paar Sekunden ist es so, als wären sie gar nicht mal so lange weggewesen. Godspeed You! Black Emperor sind zurück. Und ein klitzekleines bisschen verändert haben sie sich seit dem letzten Album aus dem Jahr 2012 schon. Sie holen nicht mehr ganz so weit aus, kommen direkter zur Sache.

Diese besteht dann allerdings vor allem aus Altbewährtem. Geduldig spielen sich Gitarren und Streicher die musikalischen Themen hin und her, entwickeln über den treibenden Bass hinweg gemeinsam etwas, das sie stellenweise und dann gegeneinander wieder dekonstruieren. Auf vier Stücke erstreckt sich das Album [Affiliate Link] , das jedoch eher wie ein durchgehendes Werk daherkommt. (Sofern man nicht zwischendurch die Platte rumdrehen muss.) Flirrend und wabernd fließen die Melodien in minutenlanges Dröhnen, stellen den Hörer auf eine Geduldsprobe, ehe sie zurückkehren, um ihn mit Schönheit zu belohnen.

Godspeed You! Black Emperor bitten ihre Zuhörer seit jeher auf anstrengende Bergtouren. Selten ist das Postrock-Kollektiv aus Montreal derlei Wanderungen unerbittlicher angegangen, selten war der Ausblick von dort oben schöner. Und auch hier werden kleine Unterschiede bemerkbar: Wo früher Samples den Fluss unterbrachen, sind es heute Ambient-Drone-Klänge. Der Freundschaft tut das aber überhaupt keinen Abbruch.

P.S.: Drüben beim Guardian gibt es die Gelegenheit, das Album in kompletter Länge zu hören. Viel Vergnügen.

Der im Text mit [Affiliate Link] markierte Verweis wurde von mir im Rahmen meiner Teilnahme am Partnerprogramm der Amazon EU S.à r.l. gesetzt. Weitere Hinweise dazu finden sich im Impressum dieser Seite.

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