Musik in 1.000 Zeichen: Angry Youth Elite – »Ready! Set! No!«

Angry Youth Elite - Ready! Set! No!

»Hä, die heißen was mit Youth und sind alle weit jenseits der Dreißig?« Richtig, Freunde, schließlich wusste schon die Oma: Man ist so alt, wie man sich fühlt. Und überhaupt ist Angry Youth Elite eine Verneigung vor einem der deutlich hörbaren Einflüsse dieser Band: vor Lagwagon, die diese Wordkombination dereinst sangen.

Soweit die Story des Bandnamens, jetzt zur Musik: Die hält absolut, was die Lagwagon-Reminiszenz verspricht. 90er-Skatepunk voller saftiger Powerchords, mächtig nach Epitaph und Fat Wreck klingend voll auf die Zwölf serviert, an jeder Ecke Hymnenhaftes zum Fingerpointen und Mitgröhl … äh, singen … Hochgeschindigkeitsmelodien der herrlich alten Schule, die nur einmal kurz von einem Ausflug in den Reggae unterbrochen werden.

Good Riddance, Bouncing Souls, Pennywise, man könnte so viele Referenzen heranziehen. Viel wichtiger an dieser Stelle jedoch: Trotz der deutlichen Bezüge ins Damals hat »Ready! Set! No!« [Partnerlink] kein bisschen Staub drauf. Taufrisch klingt das Ganze. Vermutlich hat es so ein Ding im Hier und Jetzt einfach noch mal gebraucht.

Auf ihrer Bandcampseite bietet die Angry Youth Elite die Möglichkeit, das Album unter anderem anzuhören.

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Musik in 1.000 Zeichen: Planisphere – »Into The Known«

Planisphere - Into The Known

Das ist mal ein feines Ding, das da in Köln herangereift ist. Acht Jahre lang haben sich die vier Herren von Planisphere Zeit gelassen – Zeit für kreative Selbstfindung, für die Entwicklung eines sehr eigenständigen Klanguniversums und nicht zuletzt für das Schreiben von insgesamt acht Songs, die sich hier über rund 50 äußerst unterhaltsame Minuten erstrecken.

Musikalisch spielt sich das Ganze im Schwebezustand zwischen Post- und Progrock ab. Planisphere agieren rein instrumental, bauen ihre Songs geduldig schichtweise auf. Hier ein Flirren, dort ein Ballern, hier wilde Riffs, dort gemächliche Melodieentwicklung, hier filigrane Tasten, dort metallische Gitarren: alles aufs Abwechslungsreichste von einer ebenso starken wie beweglichen Rhythmusabteilung unterbaut. Selbst beim x-ten Hören lässt sich in diesem Sammelsurium an musikalischen Finessen noch ein neues Schmankerl entdecken.

Herzlichen Dank dafür; nicht zuletzt an die Crowdfunder, die der Band den wirtschaftlichen Schubs gaben, »Into The Known« über die Ziellinie zu bringen. Stark!

Auf der Bandcampseite von Planisphere kann man »Into The Known« unter anderem anhören.

Musik in 1.000 Zeichen: Johnny Marr – »Call The Comet«

Johnny Marr - Call The Comet

Johnny Marr ist Johnny Marr und wird immer Johnny Marr bleiben. Weil das auch für seine Finger gilt, sobald die einen Gitarrenhals berühren, schwirrt das dritte Soloalbum von Morrisseys ehemals besserer Hälfte nur so vor klanglicher Verweise auf die 80er im Allgemeinen und die Smiths im Speziellen.

Wie die Faust aufs Ohr etwa das Selbstzitat bei »Hi Hello«, das genauso gut »Da ist immer noch ein Licht, das nicht ausgeht« heißen könnte. Aber natürlich darf der Johnny das, weil er selbst im eigenen Klangarchiv kramend noch feinere Popmusik fabriziert als mancher Kollege. Und weil er der eigenen Vergangenheit auch neue Elemente hinzufügt – ungewohnte Rhythmik, etwa, oder ein bisschen Elektronik.

Apropos Vergangenheit: Textlich ist »Call The Comet« [Partnerlink] ein Blick in die nahe Zukunft, die Ausformulierung von Marrs Ideen zu einer alternativen Gesellschaft. Geschichten von Menschen auf der Suche nach einem neuen Idealismus hat er nach eigenem Bekunden geschrieben. Fein! Schwarzmaler gibt es auch schon genug.

Im Soundcloud-Kanal von Johnny Marr kann man »Call The Comet« in Gänze anhören.

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Musik in 1.000 Zeichen: Get Well Soon – »The Horror«

Get Well Soon - The Horror

Dieser Konstantin Gropper ist wirklich ein Phänomen. Seit mittlerweile einem Jahrzehnt setzt er mit jedem Album, das er veröffentlicht, im Vergleich zum Vorgänger noch einen drauf – dabei hatte sich der schon angehört und -gefühlt, als sei das gar nicht möglich.

So auch wieder mit »The Horror« [Partnerlink], der fünften Platte von Gropper, alias Get Well Soon. Diesmal hat er sich von seinen Alpträumen inspirieren lassen. Drei der verwirrendsten hat er in großen Orchester-Pop-Sound übertragen, in Klänge voller Streicher, Bläser, Flöten, Chöre, Bond-eske Filmmusikanleihen, Crooner-Gesang und musikalischen Variationen über das Thema Angst. Ganz allmählich lässt er eben diese im Verlauf der rund 53 Minuten durchsickern. Anfangs geradezu heimelig, verliert das Album mit jedem Stück ein wenig mehr Licht.

Plötzlich von klanglicher Düsternis umgeben, steckt der Hörer unvermittelt im Unterbewusstseins-Horror-Kino des Herrn Gropper. Welch grandiose Demonstration der Macht des Klanges. Unglaublich, wie Musik das Innere ihrer Hörer aufwühlen und wieder beruhigen kann. Auf dieses Meisterwerk wird Gropper kaum noch einen draufsetzen können. Obwohl …

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Musik in 1.000 Zeichen: Beach Skulls – »Las Dunas«

Beach Skulls - Las Dunas

Vor etwa zwei Jahren kam dieses Trio aus Manchester mit einem ziemlich feinen Debüt um die Ecke. Dank des Nachfolgers wissen wir jetzt, was die Beach Skulls in der Zwischenzeit gemacht haben: den schon damals sehr eigenen Sound noch einmal verfeinert.

»Las Dunas« [Partnerlink] ist eine wahnwitzige Mischung aus psychedelisch flirrenden Gitarren, aus Dreampop-Hall-Flächen und Schraddel-Shoegaze – das Ganze serviert als sommerlich frische Unterhaltung dank Spagat zwischen Garage-Rotzigkeit und Sonnenschein-Surf-Tunes. Liest sich unter Umständen verschroben, klingt aber absolut nach klarer Kante. Denn bei allem Hall auf Instrumenten und Stimme wissen die Beach Skulls genau, wo sie mit ihrem Klang hinwollen.

Da wirkt nichts unausgegoren oder experimentell. Das hier ist ganz feine Subkulturen-Popmusik, die nur selten an der Geschwindigkeit oder der Lautstärke drehen muss. Zumeist bleibt alles gemütlich und gefällig, ohne dabei in die Langeweile abzugleiten. Prima Ding, das live spannend werden könnte.

Unter anderem auf ihrer Bandcampseite präsentieren die Beach Skulls ihr jüngstes Werk. Einfach mal reinhören und/oder kaufen.

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Musik in 1.000 Zeichen: Euternase – »L’Amour«

Euternase - L'Amour

Eigentlich wollten Euternase erstmal nur eine vier Songs umfassende EP aufnehmen. Aber weil da plötzlich noch vier weitere Stücke ins Mikro flossen, darf sich die Welt jetzt zum Debüt des Quartetts aus Mannheim mit einem kompletten Album auseinandersetzen.

Und ja, es ist eine Auseinandersetzung, die dieses Erstlingswerk dem Hörer abverlangt. Diese Platte konsumierst du nicht locker flockig nebenbei. »L‘Amour« [Partnerlink] nimmt dich ganz und gar in Beschlag. Der Bass wummert durch deinen Körper, die Gitarre sägt und zerrt an deinen Nervenenden, das Schlagzeug lässt dich mit seiner Zappeligkeit einfach nicht zur Ruhe kommen, während der nölende Gesang dir redundant Slogans an und in den Schädel ballert. Mit Schönheit hat das Ganze nichts zu tun. Soll es auch überhaupt nicht.

Das ist Noise, ein ständiges Aufwühlen und Zusammentreten, gelebter Spaß an Disruption und Dekonstruktion. Herrlich wild, kratzbürstig querstehend, stellenweise schmerzhaft und komplett in einem Rutsch aufgenommen, ohne Overdubs und Schnickschnack. Punk im allerbesten Sinne! Der Zerfall ist zu normal.

Und so klingt das Ganze. Zum Beispiel der Album-Opener »Guenstig«, den Euternase neulich im Rahmen einer Melting Butter Session gespielt haben:

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Musik in 1.000 Zeichen: Tangled Hair – »We Do What We Can«

Tangled Hair - We Do What We Can

Im Großen und Ganzen haben es Tangled Hair nicht wirklich eilig. Ganze neun Jahre liegen zwischen der Bandgründung und der Veröffentlichung dieses Debüts. Die Zahl derer, die das Erscheinen dieser Platte überhaupt noch erwartet hatten, ist verschwindend gering.

Jetzt ist »We Do What We Can« [Partnerlink] aber da und der Name ist Programm. Denn mit diesen neun Songs tut das Trio aus Englands Süden genau das, was es kann. Und was es auch ohne Tonträger über die Jahre zu einem Liebling der Math-Rock-Fans gemacht hat: Tangled Hair hauen ihren Hörerinnen und Hörern in der Minimalbesetzung Schlagzeug, Gitarre, Bass, Gesang rhythmisch und melodisch vertrackte Schmankerl um die Ohren.

Dabei präsentieren sich alle Bandmitglieder ungeheuer beweglich und stets bereit, rasant Richtung und/oder Tempo zu wechseln, damit an den Kopfhörern auch ja niemandem langweilig wird. Verkopft ist das Ganze aber keine Spur, vielmehr mächtig tanzbar und wie Hulle auf die Tube drückend. Denn wenn sie erstmal ihre Instrumente in der Hand haben, habe es Tangled Hair plötzlich doch irgendwie eilig.

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