Punkgeschichte in Bildern: »Haste mal ein Foto?«

Karl Nagel hat sich nach eigener Erinnerung schon immer für historische Zusammenhänge interessiert. Immerhin hat er vier Wochen seines Lebens in ein Geschichtsstudium investiert. Danach wurde ihm das zu langweilig und er wand sich wieder seiner anderen großen Leidenschaft zu: dem Punk. Seit 1981 hat er die Bewegung in Deutschland maßgeblich mitgeprägt, als Musiker, als Organisator der Chaostage, als Kanzlerkandidat der Anarchistischen Pogo-Partei Deutschlands. Vor einiger Zeit beschloss Nagel, seine beiden Spezialgebiete unter einen Hut zu packen und die Geschichte des Punk auf seine Art aufzuarbeiten. Dabei ist »Punkfoto.de« entstanden, das mittlerweile wohl größte Punk-Fotoarchiv. Fast 12.000 Bilder aus der Zeit zwischen 1977 und 2007 umfasst die Sammlung aktuell. Fast täglich wächst das komplett frei zugängliche Archiv weiter. Wer Fotos beitragen möchte, kann Mitglied der Community werden und seine Bilder hochladen. Wer Probleme mit der Digitalisierung der Aufnahmen hat, darf auch gerne Karl Nagel um Hilfe bitten. Der kommt dann mit seinem Scanner unter dem Arm vorbei. Und während das Gerät die Fotos einliest, bleibt garantiert genug Zeit für ein Gespräch über Punk, über seine Geschichte und Geschichten.

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2 Gedanken zu “Punkgeschichte in Bildern: »Haste mal ein Foto?«

  1. Im Dezember 2014 hat der “Godfather der deutschen Punkszene”, Karl Nagel, so gut wie alle seine online-Aktivitäten eingestellt. Nicht nur seinen “brain…regards”-Blog, was zu verschmerzen gewesen wäre, oder seine Aktivitäten bei Facebook, Twitter usw., sondern auch das Foto-Archiv “PUNKFOTO.DE” mit ca. 65.000 Fotos (oder 65.000 Erinnerungen?) wurde von ihm aus dem Netz gekickt. Ohne jede Vorankündigung! Ein Affront gegenüber den vielen Leuten, die sich in den vergangenen Jahren die Mühe gemacht haben, Nagels Punk-Archiv mit prallem Leben zu füllen – die mit ihren Fotos dazu beigetragen haben, dass dieses Archiv zur weltweit größten Sammlung historischer Punkfotos aus den Jahren 1976 – ca. 2000 wurde. Ein Arschtritt für die vielen Leute, die Stunden oder Nächte damit verbracht haben, Fotos und Negative zu sichten, zu scannen, zu digitalisieren, zu bearbeiten, dann auf PUNKFOTO hochzuladen, und die Fotos dann auch noch möglichst korrekt zu beschreiben. Ca. 800 Fotos waren es allein von mir! Ich weiß gar nicht mehr wie viele Leute ich dazu überredet habe, ihre alten Fotos auszukramen, auch wenn sie ihnen manchmal recht peinlich waren, und in Nagels Punkarchiv zu packen. Schließlich wären diese Fotos Dokumente der Zeitgeschichte, die der “Nachwelt” einen unbefangenen Blick auf die Jugendkulturen der Achtziger/Neunziger Jahre ermöglichen würden. Nun gammelt dieser riesige Fotofundus auf Nagels Festplatte herum und wartet – ja worauf? Dass Karl Nagel dieses Archiv “irgendwann” mal wieder ins Netz stellt? Oder dass Karl Nagel “irgendwann” mal ein PUNKFOTO-Buch mit ca. 500 Fotos aus diesem Fundus rausbringt, wohl in Zusammenarbeit mit dem Berliner “Archiv der Jugendkulturen”, wie er kürzlich auf “brain…regards” angedeutet hatte? Wobei ich mir ganz sicher bin, dass eine kommerzielle Verwertung dieser Fotos, und das wäre eine Buchveröffentlichung, einigen Leuten ganz schön sauer aufstoßen würde.

    1. Krass. Ich hatte das Offlinegehen gar nicht mitbekommen. Für mich als unregelmäßigen Besucher ist das ja „nur“ schade, für Dich als aktiv Beteiligter ist es nach all der Arbeit sicher total ärgerlich. Zumal keine nachvollziehbaren Gründe genannt werden. „Aus persönlichen Gründen“ steht da auf der Seite, und „vorübergehend“. Klingt irgendwie vage, allerdings auch nicht nach „für immer“.

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