»Simply Vegan«: Alles ganz einfach

Simply VeganAm Anfang war ein Fotokurs. Heute verleiten zwei Aachener Studierende über 23.000 Menschen zum Kochen veganer Leckereien.

Die Tage, in denen Veganer als Subkultur in Sachen Ernährung und Lebensstil belächelt wurden, sind wohl gezählt. Im Lauf der vergangenen Jahre haben sich immer mehr Menschen entschieden, künftig auf jegliche Form tierischer Produkte zu verzichten – auf diejenigen mit tierischen Inhaltsstoffen, aber auch auf die, bei deren Produktion etwa Tierversuche zum Einsatz kamen. Sei es aus ethischen Gründen, für einen bewussteren Umgang mit dem eigenen Körper oder um der eigenen Ernährung neue Impulse zu geben: So vielfältig die Gründe, so zahlreich auch die Leute, die ihnen folgen. Mittlerweile dürfte kaum jemand von sich behaupten können, keine Veganer im eigenen Bekanntenkreis zu haben. Oder nicht selbst mit dem Gedanken gespielt zu haben, »es« selbst einmal auszuprobieren.

Tamara Münstermann und Sebastian Schwarz können vom steigenden Interesse am veganen Leben aus erster Hand berichten. Seit 2012 beschäftigen sich die beiden Kommunikationsdesign-Studierenden in Blogs aktiv mit dem Thema. Anfangs noch im Bereich Foodfotografie, sind sie im März 2014 dazu übergegangen, vegane Rezepte auf ihrer Seite »Simply Vegan« anzubieten. Über 23.000 Gefällt-mir-Angaben haben sie mittlerweile bei der zugehörigen Facebook-Seite gesammelt. Fans aus dem gesamten deutschsprachigen Teil Europas folgen ihren Rezeptideen und bilden eine lebendige Community. »80 Prozent der Nutzer sind weiblich«, erzählt Sebastian Schwarz, wie seine Mitstreiterin Jahrgang 1991. »Und 187 Facebookfollower stammen aus Aachen.« Die hiesige »Szene« ist demnach noch ausbaufähig. Das Angebot von »Simply Vegan« wissen die veganen Öcher aber durchaus zu schätzen.

Kichererbsenschnitzel, Schoko-Erdnuss-Cupcakes, Pizzaschnecken: Die Rezepte, die Tamara und Sebastian veröffentlichen, sind vielfältig und vor allen Dingen komplett eigenständig entwickelt. »Wichtig ist immer nur, dass die Rezepte schnell, simpel und alltagstauglich sind«, erklärt Tamara Münstermann. Sie selbst lebt seit vier Jahren vegan, Sebastian stieg vor rund zwei Jahren um. Die Idee zum Blog kam ihnen während eines Kurses für Foodfotografie, den sie im Rahmen ihres Studiums an der FH Aachen besuchten. Längst ist aus der Idee mehr als nur ein Online-Kochbuch erwachsen. Nutzer können Favoritenlisten anlegen, mittels Suchfunktion gezielt Leckereien finden, Rezepte kommentieren oder auch ausdrucken – für den Fall, dass in der Küche kein Netz zu empfangen ist.

An einem Umstieg Interessierten können die beiden Veganer einige hilfreiche Tipps mit auf den Weg geben. »Zeit lassen«, lautet der wichtigste Hinweis, »Spaß daran haben, Sachen auszuprobieren«, ein anderer. »Nach einem halben Jahr findet man sich schon sehr gut zurecht«, prognostiziert Tamara Münstermann. Beim Auswärtsessen solle man ruhig die Scheu ablegen und konkret nachfragen. Fälle, dass man auf Stangenbrot hängenbleibt, werden immer seltener. Denn parallel zum Tritt der Veganer aus dem Subkultur-Schatten entwickeln Wirte und Restaurantbetreiber ein Bewusstsein für die neue Klientel. Und wenn alle Stricke reißen, hilft ja immer noch Selberkochen – mit Rezepten von »Simply Vegan«.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Januar-Ausgabe des Aachener Stadtmagazins »Klenkes«.

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