Route Charlemagne: Karls versteckter Palast

Stadt- und Europahistorie spannend dargestellt: Die Route Charlemagne verbindet geschichtsträchtige Orte im Zentrum von Aachen.

Futuristische Anmutung auf historischem Geläuf: Umgeben von Edelstahlstreben und geschützt durch ein geneigtes Dach präsentiert sich im Herzen der Aachener Altstadt ein im wahrsten Sinne des Wortes vielschichtiges Stück kaiserstädtische Geschichte. Auf rund sechzig Quadratmetern öffnet der im April 2013 eingeweihte Pavillon im Elisengarten ein Fenster in die ferne Vergangenheit. Bis zu 5.000 Jahre alt sind die Exponate, die in seinem Inneren zu sehen sind. Aus archäologischen Grabungen stammend, die an dieser Stelle vorgenommen wurden, belegen sie, dass das heutige Aachen schon während der jüngeren Eisenzeit besiedelt war – seit der Zeit um Christi Geburt zudem kontinuierlich.

»Kelten, Römer, Karolinger, spätes und hohes Mittelalter: Fundstücke aus derart vielen Epochen an einem einzigen Ort sind eine echte Seltenheit«, sagt Thomas Müller. Der promovierte Historiker zeichnet im Kulturbetrieb der Stadt Aachen für die Route Charlemagne verantwortlich, deren aktuell jüngste Station die archäologische Vitrine im Elisengarten darstellt. »An dieser seltenen Vielfalt möchten wir die Allgemeinheit teilhaben lassen und uns dabei auf der Höhe der Zeit bewegen. Sowohl, was die wissenschaftlichen Erkenntnisse angeht, als auch in Bezug auf deren mediale Aufbereitung.«

Der neueste Stand der Geschichtsforschung, präsentiert mit modernster Medientechnik: Diesen Anspruch stellen die Verantwortlichen an alle Stationen der Route Charlemagne. Vom Rathaus über das Couven-Museum und den Elisenbrunnen bis hin zum Haus Löwenstein befinden sich diese Stationen größtenteils in dem Bezirk Aachens, der dereinst die Pfalz Karls des Großen ausmachte. Thomas Müller: »Die Pfalz ist eine sehr gut erhaltene Palastanlage des frühen Mittelalters, versteckt in späteren Bauten. Auf der Route Charlemagne erhalten die Besucher einen Eindruck von eben diesem Palast, vom damaligen Alltag und davon, wie Herrschaft zu Zeiten Karls verstanden wurde.« Weil sein Leben und Wirken die zentrale Rolle spielt, stand der Karolingerkönig und römische Kaiser bei der Namensfindung für die Route auch gleich Pate.

»Die Pfalz ist eine sehr gut erhaltene Palastanlage des frühen Mittelalters, versteckt in späteren Bauten.«

Über mehrere Jahre ausgelegt, ist deren Aufbau mittlerweile weit vorangeschritten. Sorgsam haben die Planer darauf geachtet, die Gegebenheiten der verschiedenen Orte in die Gestaltung der Ausstellungen und Führungen einfließen zu lassen und ihren ganz eigenen Charakter dadurch zu erhalten. »Im Rathaus ist das Gebäude selbst das wichtigste Exponat, das es nur sehr zurückhaltend zu ergänzen galt«, nennt Thomas Müller ein Beispiel. »Darum haben wir uns dort auf die Einrichtung einer interaktiven Medienführung beschränkt.« Anders stellte sich die Situation etwa im Internationalen Zeitungsmuseum dar. Auch dessen räumliche Ausgangslage wurde bei der Konzeption berücksichtigt, die technische Ausstattung aber alleine schon wegen der Medienthematik bewusst in den Vordergrund gestellt.

Insgesamt ist die Route Charlemagne auf diese Art seit dem Projektbeginn im Jahr 2009 zu einem Zusammenschluss sehr unterschiedlicher, geschichtsträchtiger Orte erwachsen. Die Route ist durchaus als Einheit erlebbar, die einzelnen Stationen sind aber auch jeweils für sich einen Besuch wert. Mit der Eröffnung zweier weiterer Stationen wird die Route Charlemagne in absehbarer Zukunft komplettiert werden. Mitte Januar 2014, pünktlich zum 1.200sten Todestag Karls des Großen, wird auf dem Katschhof das Centre Charlemagne seinen Betrieb aufnehmen. Im Zentrum von Aachen gelegen, wird es gleichermaßen als Informationszentrale und Ausgangspunkt zur Route fungieren. Unter anderem wird im Centre ein Modell zu sehen sein, das erstmals das römische Aachen zeigen wird. Für Anfang 2015 ist darüber hinaus die Eröffnung des Grashauses am Fischmarkt avisiert. Im Inneren des ursprünglichen Rathauses von Aachen werden Ausstellungen einen Bogen von Karls Imperium zum heutigen Europa schlagen.

Dieser Artikel ist in der Ausgabe 2013/2014 des »Freizeitguide Euregio« im Aachener print’n’press-Verlages erschienen. Bei Interesse finden sich weitere Angaben zum Freizeitguide hier.

Update, 30.1.:
Anders als in dem Artikel seinerzeit angekündigt, ist das Centre Charlemagne nicht Mitte Januar eröffnet worden. Bei Twitter hatte ich eben die Gelegenheit nach dem nun vorgesehenen Eröffnungstermin zu fragen. Es soll der 19. Juni werden. Die komplette Antwort sieht so aus:

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