»Kulturrucksack«: neues Jahr, neues Glück

»Junge, Du bist in letzter Zeit aber wieder oft in Aachen.« »Hallo, ich freue mich auch, Dich zu sehen.«

Tatsächlich bin ich in den vergangenen Wochen mehrfach in der Heimat gewesen. Auch wenn ich jeden Besuch mit Abstechern zu Lieblingsorten und -leuten verbinde, ist der Grund für meine gehäufte Aachen-Präsenz vor allem beruflicher Natur. Denn der »Kulturrucksack« hat in seiner Auflage 2013 mittlerweile Fahrt aufgenommen. Hinter dem Namen verbirgt sich ein Förderprogramm des NRW-Kulturministeriums, das jährlich rund 3 Millionen Euro an verschiedene Kommunen verteilt, damit diese es zur kulturellen Förderung von Jugendlichen zwischen 10 und 14 Jahren einsetzen. Die Städteregion Aachen ist eine dieser Kommunen. Und sie, oder besser: deren Stabsstelle Kultur, empirische Forschung und Gleichstellung, nutzt die Fördermittel, um Schülerinnen und Schüler in Kontakt mit professionellen Künstlern zu bringen. In gemeinsamen Projekten lernen die Jugendlichen die Arbeitsweise der Profis kennen und werden von diesen beim kulturellen Experimentieren an die Hand genommen.

Schon im vergangenen Jahr hatte ich die Dokumentation der einzelnen Projekte übernommen. (Einige Artikel aus der seinerzeit entstandenen Broschüre haben es auch hier auf die Seite geschafft.) Auch in diesem Jahr kommt mir diese Aufgabe zu, weswegen ich eben zuletzt häufiger an Schulen in und um Aachen war. Und dabei habe ich schon einige wirklich tolle Sachen erlebt: Ich habe eine Kinderoper, den »Rattenfänger von Hameln«, gesehen, habe Bands beim Proben über die Schulter geschaut, habe ein Streichorchester besucht, habe eine Tanzdarbietung inklusive Videoinstallation verfolgt, war in einem Gitarrenlabor und bin für einen Podcast interviewt worden.

Was mich an den bisherigen Terminen, aber auch schon im vorigen Jahr, besonders begeistert, ist der Feuereifer, mit dem die Jugendlichen bei der Sache sind. Nahezu alle haben spür- und sichtbar Spaß. Bei manch einem und einer sind zudem bis dahin nicht vermutete Talente entdeckt worden. Tanzen, Singen, Schlagzeugspielen: Dass sie plötzlich etwas wirklich gut können, mündet ebenso in einem gesteigerten Selbstbewusstsein wie der Applaus, den sie bei ihren Vorführungen und Veranstaltungen ernten. Diese Steigerung sehe ich bei ein oder zwei Besuchen natürlich nicht. Die Erkenntnis habe ich von Lehrern, die die Schülerinnen und Schüler seit langem kennen.

Was ich allerdings sehr wohl selbst beobachten kann, ist, dass sich die Gruppen, die Bands und Orchester als Teams verstehen. Die Besseren greifen den weniger Guten unter die Arme. Statt »Herr Lehrer, der Leon hat da falsch gespielt.« erklärt man ihm, wie es richtig geht. Die zwei oder drei Stinkstiefel, die ich erlebt habe, sind unter der Ausnahme abzuheften, die die Regel bestätigt. Alles in allem bringen die einzelnen Projekte die teilnehmenden Jugendlichen somit nicht nur kulturell nach vorne. Dass zu erleben, macht den »Kulturrucksack« zu einem meiner aktuell liebsten Jobs. Am Wochenende finden noch ein paar Veranstaltungen statt. Dann geht es erst nach den Sommerferien weiter. Ich freu mich drauf. Und von der Broschüre werden es sicher wieder ein paar Artikel hier auf die Seite schaffen.

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Ein Gedanke zu “»Kulturrucksack«: neues Jahr, neues Glück

  1. Schöner Artikel, stelle mir deine Tätigkeit spannend vor. Schließlich erhält man Einblicke in viele verschiedene Kulturbereiche.

    Zum großen Musiker wird es bei mir leider nicht mehr reichen, schließlich bin ich schon an der musikalischen Früherziehung gescheitert. Und die bunten Bilder in der Musikschule habe ich auch immer ziemlich schief eingeklebt (das war zumindest bei den Panini-Fussballstickern später anders;))

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