Johnny Marr - Call The Comet

Musik in 1.000 Zeichen: Johnny Marr – »Call The Comet«

Johnny Marr ist Johnny Marr und wird immer Johnny Marr bleiben. Weil das auch für seine Finger gilt, sobald die einen Gitarrenhals berühren, schwirrt das dritte Soloalbum von Morrisseys ehemals besserer Hälfte nur so vor klanglicher Verweise auf die 80er im Allgemeinen und die Smiths im Speziellen.

Wie die Faust aufs Ohr etwa das Selbstzitat bei »Hi Hello«, das genauso gut »Da ist immer noch ein Licht, das nicht ausgeht« heißen könnte. Aber natürlich darf der Johnny das, weil er selbst im eigenen Klangarchiv kramend noch feinere Popmusik fabriziert als mancher Kollege. Und weil er der eigenen Vergangenheit auch neue Elemente hinzufügt – ungewohnte Rhythmik, etwa, oder ein bisschen Elektronik.

Apropos Vergangenheit: Textlich ist »Call The Comet« [Partnerlink] ein Blick in die nahe Zukunft, die Ausformulierung von Marrs Ideen zu einer alternativen Gesellschaft. Geschichten von Menschen auf der Suche nach einem neuen Idealismus hat er nach eigenem Bekunden geschrieben. Fein! Schwarzmaler gibt es auch schon genug.

Im Soundcloud-Kanal von Johnny Marr kann man »Call The Comet« in Gänze anhören.

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Get Well Soon - The Horror

Musik in 1.000 Zeichen: Get Well Soon – »The Horror«

Dieser Konstantin Gropper ist wirklich ein Phänomen. Seit mittlerweile einem Jahrzehnt setzt er mit jedem Album, das er veröffentlicht, im Vergleich zum Vorgänger noch einen drauf – dabei hatte sich der schon angehört und -gefühlt, als sei das gar nicht möglich.

So auch wieder mit »The Horror« [Partnerlink], der fünften Platte von Gropper, alias Get Well Soon. Diesmal hat er sich von seinen Alpträumen inspirieren lassen. Drei der verwirrendsten hat er in großen Orchester-Pop-Sound übertragen, in Klänge voller Streicher, Bläser, Flöten, Chöre, Bond-eske Filmmusikanleihen, Crooner-Gesang und musikalischen Variationen über das Thema Angst. Ganz allmählich lässt er eben diese im Verlauf der rund 53 Minuten durchsickern. Anfangs geradezu heimelig, verliert das Album mit jedem Stück ein wenig mehr Licht.

Plötzlich von klanglicher Düsternis umgeben, steckt der Hörer unvermittelt im Unterbewusstseins-Horror-Kino des Herrn Gropper. Welch grandiose Demonstration der Macht des Klanges. Unglaublich, wie Musik das Innere ihrer Hörer aufwühlen und wieder beruhigen kann. Auf dieses Meisterwerk wird Gropper kaum noch einen draufsetzen können. Obwohl …

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Beach Skulls - Las Dunas

Musik in 1.000 Zeichen: Beach Skulls – »Las Dunas«

Vor etwa zwei Jahren kam dieses Trio aus Manchester mit einem ziemlich feinen Debüt um die Ecke. Dank des Nachfolgers wissen wir jetzt, was die Beach Skulls in der Zwischenzeit gemacht haben: den schon damals sehr eigenen Sound noch einmal verfeinert.

»Las Dunas« [Partnerlink] ist eine wahnwitzige Mischung aus psychedelisch flirrenden Gitarren, aus Dreampop-Hall-Flächen und Schraddel-Shoegaze – das Ganze serviert als sommerlich frische Unterhaltung dank Spagat zwischen Garage-Rotzigkeit und Sonnenschein-Surf-Tunes. Liest sich unter Umständen verschroben, klingt aber absolut nach klarer Kante. Denn bei allem Hall auf Instrumenten und Stimme wissen die Beach Skulls genau, wo sie mit ihrem Klang hinwollen.

Da wirkt nichts unausgegoren oder experimentell. Das hier ist ganz feine Subkulturen-Popmusik, die nur selten an der Geschwindigkeit oder der Lautstärke drehen muss. Zumeist bleibt alles gemütlich und gefällig, ohne dabei in die Langeweile abzugleiten. Prima Ding, das live spannend werden könnte.

Unter anderem auf ihrer Bandcampseite präsentieren die Beach Skulls ihr jüngstes Werk. Einfach mal reinhören und/oder kaufen.

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Euternase - L'Amour

Musik in 1.000 Zeichen: Euternase – »L’Amour«

Eigentlich wollten Euternase erstmal nur eine vier Songs umfassende EP aufnehmen. Aber weil da plötzlich noch vier weitere Stücke ins Mikro flossen, darf sich die Welt jetzt zum Debüt des Quartetts aus Mannheim mit einem kompletten Album auseinandersetzen.

Und ja, es ist eine Auseinandersetzung, die dieses Erstlingswerk dem Hörer abverlangt. Diese Platte konsumierst du nicht locker flockig nebenbei. »L‘Amour« [Partnerlink] nimmt dich ganz und gar in Beschlag. Der Bass wummert durch deinen Körper, die Gitarre sägt und zerrt an deinen Nervenenden, das Schlagzeug lässt dich mit seiner Zappeligkeit einfach nicht zur Ruhe kommen, während der nölende Gesang dir redundant Slogans an und in den Schädel ballert. Mit Schönheit hat das Ganze nichts zu tun. Soll es auch überhaupt nicht.

Das ist Noise, ein ständiges Aufwühlen und Zusammentreten, gelebter Spaß an Disruption und Dekonstruktion. Herrlich wild, kratzbürstig querstehend, stellenweise schmerzhaft und komplett in einem Rutsch aufgenommen, ohne Overdubs und Schnickschnack. Punk im allerbesten Sinne! Der Zerfall ist zu normal.

Und so klingt das Ganze. Zum Beispiel der Album-Opener »Guenstig«, den Euternase neulich im Rahmen einer Melting Butter Session gespielt haben:

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Tangled Hair - We Do What We Can

Musik in 1.000 Zeichen: Tangled Hair – »We Do What We Can«

Im Großen und Ganzen haben es Tangled Hair nicht wirklich eilig. Ganze neun Jahre liegen zwischen der Bandgründung und der Veröffentlichung dieses Debüts. Die Zahl derer, die das Erscheinen dieser Platte überhaupt noch erwartet hatten, ist verschwindend gering.

Jetzt ist »We Do What We Can« [Partnerlink] aber da und der Name ist Programm. Denn mit diesen neun Songs tut das Trio aus Englands Süden genau das, was es kann. Und was es auch ohne Tonträger über die Jahre zu einem Liebling der Math-Rock-Fans gemacht hat: Tangled Hair hauen ihren Hörerinnen und Hörern in der Minimalbesetzung Schlagzeug, Gitarre, Bass, Gesang rhythmisch und melodisch vertrackte Schmankerl um die Ohren.

Dabei präsentieren sich alle Bandmitglieder ungeheuer beweglich und stets bereit, rasant Richtung und/oder Tempo zu wechseln, damit an den Kopfhörern auch ja niemandem langweilig wird. Verkopft ist das Ganze aber keine Spur, vielmehr mächtig tanzbar und wie Hulle auf die Tube drückend. Denn wenn sie erstmal ihre Instrumente in der Hand haben, haben es Tangled Hair plötzlich doch irgendwie eilig.

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Ruby Velle - State of All Things

Musik in 1.000 Zeichen: Ruby Velle & The Soulphonics – »State Of All Things«

»Tradition bedeutet nicht, die Asche zu bewahren, sondern das Feuer weiterzugeben.« Soweit der Kalenderspruch des Monats; diesmal also aus dem Munde Gustav Mahlers. Jetzt aber zurück zur Musik: Auch auf ihrem Zweitwerk präsentieren sich Ruby Velle und ihre Soulphonics als die erdig groovende Kapelle, als die sie sich schon auf dem Debüt andeuteten.

Aus Atlanta, Georgia und damit dem US-Süden stammend, fühlt sich die Frau mit der rauchigen Wuchtstimme klanglich offenbar eher dem Southern als dem Motown Soul verpflichtet – saftig die Bläser, funky die Gitarre, rasant der Bass, farbenfroh die Keyboards und eine einzige Tanzeinladung die Drums. Ganz gleich, ob Dancefloor-Nummer oder zärtliche Schwofeinlage: Auf »State Of All Things« [Partnerlink] tropft der ebenso mitreißende, wie warme Sound vergangener Stax-Tage aus jedem Takt der insgesamt elf Songs.

Ruby und die Soulphonics beschränken sich jedoch nicht darauf, die alten Hits bis zur Ermüdung zu zitieren. Vielmehr schnappen sie sich das saugute Damals und basteln daraus eine wunderbare Heute-Version. Vergiss die Asche! Diese Platte kümmert sich ums Feuer.

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New Native - Asleep

Musik in 1.000 Zeichen: New Native – »Asleep«

Es sind vor allem die leisen und nachdenklichen, die düsteren und melancholischen Grundtöne, die New Native aus Dream Pop und 90er-Emo extrahiert haben, um aus deren Essenz ein Debütalbum von stiller Schönheit zu gießen.

Tatsächlich fließen die elf Songs wie aus einem Guss ineinander, gemächlich im Tempo und stark im Zutagefördern kleiner melodischer Perlen. Zwischendurch setzt es den einen oder anderen lauteren Ausbruch – schnell finden die vier Wiener aber immer wieder zurück in die träumerisch schwelgende, von hallenden Instrumenten getragene Grundhaltung. Bei aller feinfühliger Zurückhaltung birgt »Asleep« [Partnerlink] dennoch eine ganz eigene Dynamik, dieses mitreißende gewisse Etwas, das sich dann einstellt, wenn Komposition und Arrangement auf den Punkt sitzen.

Als Resultat einer langen Reise von Euphorie bis Frustration, von Konflikt bis Freundschaft beschreibt Sänger und Gitarrist Michael Hanser das Album. Und an manchen Stellen klingt sie förmlich durch: die Schwere des Gepäcks.

Ohne Stücke vom aktuellen Album, dennoch wohlklingend: die Bandcampseite von New Native.

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