Natürliche Entschleunigung und Frohes Fest

Setterich, Heilig Abend 2010

Das war er also, der schnel­le Teil des Jah­res 2015. Ab heu­te wird noch eine Woche getru­delt und dann steht alles wie­der auf Anfang. Da ist der Zeit­punkt doch ziem­lich pas­send, mich bei allen Leu­ten zu bedan­ken, die 2015 Lust auf mei­ne Buch­sta­ben hat­ten – sei es als Leser oder als Auf­trag­ge­ber. Ein Dank auch all jenen, die mir bei Recher­chen mit Infor­ma­tio­nen unter die Arme gegrif­fen haben oder die sich von mir haben inter­view­en las­sen, die ich zu wel­chen Gele­gen­hei­ten auch immer ken­nen­ge­lernt oder getrof­fen habe, die Lust und Zeit auf Aus­tausch und Gespräch hat­ten. Oh, und dan­ke für all die Musik, die ich hören durfte.

Bei aller Lie­be zum Quat­schen und Schrei­ben: Den Rest des Jah­res wer­de ich vor­nehm­lich mit mei­nen bei­den Damen daheim ver­brin­gen. Im Mai bin ich Vater gewor­den. Das wie­der­um ist der gran­dio­se Teil des Jah­res 2015.

But now for some­thing com­ple­te­ly dif­fe­rent: Das Bild dort oben ist heu­te (Hei­lig Abend) auf den Tag vor fünf Jah­ren ent­stan­den. In mei­nem Hei­mat­ort lag sei­ner­zeit ein biss­chen mehr Schnee, wie man sieht. Schnee war auch das The­ma beim all­mo­nat­li­chen »Pro und Contra«-Spielchen im Bon­ner Stadt­ma­ga­zin »Schnüss«. Chef­re­dak­teu­rin Git­ta war in der noch brand­hei­ßen Janu­ar-Aus­ga­be eher nicht so dafür, wäh­rend es an mir war, eine Lan­ze für flo­cki­ges Was­ser zu bre­chen. Und das ging so:

Ist es nicht erstaun­lich, wel­chen Unter­schied so ein biss­chen Was­ser machen kann? Vor allem, wenn es »nur« in fluffi­ger Form daher­kommt. Denn Hand aufs Herz: Die viel­fach beklag­te immer wei­ter zuneh­men­de Hek­tik im Advent, zwi­schen den Jah­ren und Anfang Janu­ar liegt doch nicht allei­ne am Tem­po unse­rer Zeit. Oder anders: Die­ses Tem­po liegt doch nicht aus­schließ­lich an uns. Der nicht mehr all­zu oft fal­len­de Schnee trägt sei­nen nicht uner­heb­li­chen Teil dazu bei, dass die eigent­lich besinn­li­chen Tage heut­zu­ta­ge nur noch so durch­rau­schen. Sei­ne alles brem­sen­de Funk­ti­on fehlt an allen Ecken und Enden.

Denn kaum hat­te der Win­ter noch vor ein paar Jah­ren sei­nen wei­ßen Man­tel über das Land aus­ge­brei­tet, lief das gan­ze Leben lang­sa­mer. Die Fuß­gän­ger ach­te­ten auf jeden Schritt, die Auto­fah­rer wie­der­um auf jeden Fuß­gän­ger, auf dass er nicht vor den eige­nen Rei­fen glei­te. Nur gedämpft dran­gen ande­rer Leuts Gesprä­che ans Ohr, hat­ten unter­wegs jeden har­schen Ton ver­lo­ren. Der­weil man sich selbst beim Spre­chen auf das Nötigs­te beschränk­te, um die bei­ßen­de Käl­te nicht zu tief in den Mund vor­drin­gen zu las­sen. Soweit das Auge reich­te, leuch­te­te die Umge­bung regel­recht weiß, ließ jede Wahr­neh­mung nur schlei­er- oder sche­men­haft zu. Die nicht bis an die Belas­tungs­gren­ze ein­ge­spann­ten Sin­ne tru­gen ihren Teil zur Ver­lang­sa­mung und letzt­lich zur Ent­span­nung bei. Ach Win­ter, Du wun­der­vol­les Kopfkissen.

In der Gegen­wart sind der­lei Sze­ne­rien sel­ten gewor­den. In Regen­form hat Was­ser ein­fach eine völ­lig ande­re Wir­kung. Und so braucht es heu­te bewuss­te Ent­schleu­ni­gung, wo uns die­se sei­ner­zeit von den Flo­cken mit sanf­ter Bru­ta­li­tät auf­ge­zwängt wur­de. Das mag nach »Frü­her war alles bes­ser! Außer die Nost­al­gie.« klin­gen, ist in letz­ter Kon­se­quenz auch genau­so gemeint – vor allem aber schrei­be ich die­sen Text, um ihn eines schö­nen Tages wie­der raus­zu­kra­men. Dann näm­lich, wenn es wie­der mas­sig schneit und ich total genervt bin, weil alles so lang­sam, lei­se und blen­dend weiß daher­kommt. Man weiß sol­che Din­ge tat­säch­lich erst zu schät­zen, wenn man mal ein paar Jähr­chen dar­auf ver­zich­ten musste.

Also: Schö­ne Weih­nach­ten und let it snow.

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