Quiet Hollers (Foto: Sarah Wilde)

Quiet Hollers: Wunderschöne Düsternis

Eigentlich sollte es die Quiet Hollers nur für ein Konzert geben. Sechs Jahre und zwei Alben später existiert die Band dankenswerterweise immer noch. Im September kommt sie für den einzigen Deutschland-Gig einer Europatour ins Gleis 22 nach Münster.

Shadwick Wilde ist schon als Kind viel herumgekommen. Als der heute 30-Jährige das Teenageralter erreichte, hatte er bereits in Boston und San Francisco, in den Niederlanden und auf Kuba gelebt. Erst in Louisville, Kentucky kamen er und seine Eltern ein wenig zur Ruhe, so dass sich der kleine Shadwick eingehender seiner großen Leidenschaft widmen konnte.

Wann immer er nicht gerade seine Spielsachen in irgendwelche Umzugskartons packte, hatte er sich schon immer mit Musik beschäftigt. In Louisville nahm das Ganze konkretere Formen an. Er hörte sich quer durch den Plattenschrank seiner Mutter, lernte Klavier und spielte Gitarre. Mit 17 gründete er die Oi-Punkband Straight Laced und kam auf Konzertreisen mit ihr in der Folge wieder viel herum. Weiterlesen

Evan Parker (Foto: Peter Gannushkin)

Fotoausstellung: Gannushkins Weltreisende

»World Travel(l)ers«: In Kooperation mit dem Stadtgarten Köln und dem Bimhuis Amsterdam zeigt die Bonner In Situ Art Society ab dem 9. September im Dialograum Kreuzung an Sankt Helena eine Ausstellung mit großformatigen Musiker-Porträts.

Peter Gannushkin lebt den Traum eines jeden Musikenthusiasten: Fast täglich trifft man den russischstämmigen Mittvierziger bei einem Konzert an – aus beruflichen Gründen. Seit gut anderthalb Jahrzehnten gehört Gannushkin zu den Top-Konzertfotografen dieses Planeten. Jazz und Improvisationsmusik sind sein Spezialgebiet. Von Abercrombie bis Zorn hatte er alle großen Namen der Szene schon einmal im Sucher. Lydia Lunch, Evan Parker (Foto), Jack DeJohnette: Alle kommen sie irgendwann in seiner Wahlheimat New York und somit vor seiner Kamera vorbei.

Und kommen sie nicht vorbei, scheut Gannushkin nicht davor zurück, für ein gutes Konzert mit ebenso guten Fotos durch die Weltgeschichte zu düsen. Weiterlesen

Kollaborationen (Foto: Urban Jörén)

»Kollaborationen«: Die Schönheit der gewöhnlichen Bewegung

Vor rund 50 Jahren veränderte er die Welt des Tanzes. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe »Kollaborationen« holen das Beethovenfest Bonn und die Philharmonie Köln den amerikanischen Postmodern Dance an den Rhein.

»Also, das Allerschönste, was Füße tun können«, hat unser aller Lieblingsfrosch Kermit einmal gesagt, »ist Tanzen.« Traurigerweise muss sich ein Großteil der Menschheit mit Fug und Recht fragen lassen, wieso er nicht viel häufiger auf diesen Ratschlag unseres kleinen, schlauen, grünen Freundes hört. Hand aufs Herz, wir alle tanzen viel zu wenig. Obwohl … trügt dieser Eindruck etwa? Die Protagonistinnen und Protagonisten des Judson Dance Theaters hätten diese Frage zu ihrer Zeit sicher bejaht. Aus ihrer Perspektive tanzen wir alle ständig. Weiterlesen

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen (Foto: Martin Morris)

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen: Fünf Asse rütteln am Käfig

Besser jetzt schon mal notieren, Volk von Münster und Umgebung: Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen spielt am 1. Oktober im Gleis 22.

Zugegeben, es sind noch ein paar Tage bis Deutschlands souligste Hamburg-Berlin-Connection ihren Weg nach Münster findet. Aber mit Vorfreude kann man ja nicht früh genug anfangen. Und Vorfreude ist genau das, was alle Anhänger fröhlich-tanzbarer Melodien und klassenbewusst-schnoddriger Texte von genau jetzt an erfüllen sollte. Schließlich vereint Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen exakt diese beiden Zutaten in ihrer Musik. Auf Platte funktioniert diese Kombination schon großartig. Live ist das im Grunde unschlagbar – mindestens aber unvergleichlich gut. Was ist das Geheimnis ihres Erfolges? Weiterlesen

Charles Bradley (Foto: Cortney Armitage)

Charles Bradley: Endlich Zahltag!

Die Soul-Version der Tellerwäscher-Millionär-Geschichte: Früher einmal Koch, ist Charles Bradley heute ein Star, eine unglaubliche Rampensau und am 12. Juli live in Münster.

Mach immer weiter! Irgendwann kommt der Moment, in dem sich all Deine Mühen gelohnt haben werden. Klar, diese Sätze könnten ohne weiteres aus dem Tagebuch von Olli Kahn stammen. Mindestens ebenso klar und ohne weiteres fassen sie aber auch die Lebensgeschichte eines anderen Niemals-Aufgebers zusammen. Seit rund fünf Jahren erntet Charles Bradley, was er in den Jahrzehnten zuvor gesät hat.

Die ersten fast 50 Jahre seines Lebens hat es im Grunde zwei verschiedene Charles Bradleys gegeben: hier der ohne Vater aufgewachsene Überlebenskämpfer, der obdachlose Jugendliche, den ein Hilfsprogramm von der Straße holt und zum Koch ausbildet, der Streuner und Gelegenheitsarbeiter; dort der Musikliebhaber mit der großartigen Stimme und der Riesenportion Feuer im Hintern, der im Alter von 14 mit seiner Schwester ein Konzert von James Brown besucht und sofort für den Soul entflammt, der über die Jahrzehnte in etlichen Bands singt, der in Soul-Shows den James Brown mimt, weil er nicht nur klingt wie der King of Soul, sondern auch so tanzt, der es trotz dieser Talente aber allenfalls zu lokalem Ruhm am jeweils aktuellen Wohnort bringt – mal in Kalifornien, mal in seiner Heimat Brooklyn. Ein Riesentalent, für immer gefangen in einem allzu engen Netz namens Leben. Bis, ja bis Ende der 1990er-Jahre er dann plötzlich doch noch kommt, dieser Moment, der alle bisherigen Mühen belohnt. Bradley wird entdeckt. Weiterlesen

Radio Birdman (Foto: Bob King)

Radio Birdman: Legenden des Aussie-Radau

Sie brachten einst den Punk nach Australien. Am 8.7. spielen Radio Birdman im Gleis 22.

Der Sommer 1974 war eine brillante Zeit für große Treffen und Legendengeburten. Auf der Nordhalbkugel der Erde, genauer gesagt in München, traf ein von Gerd Müller auf die Reise geschickter Ball am Niederländer Jan Jongbloed vorbei das Netz eines Tores. Viel wichtiger war aber ein Treffen, das sich nahezu zeitgleich auf der Südhalbkugel ereignete, genauer gesagt in Sydney. Dort lernte ein junger, zwei Jahre zuvor nach Australien übergesiedelter US-amerikanischer Medizinstudent namens Deniz Tek einen einheimischen Surfer-Boy namens Rob Younger kennen.

Tek hatte aus seiner Heimat den Sound berühmter Nachbarn mitgebracht: Iggy und die Stooges kamen wie er aus Ann Arbor. Gleich um die Ecke in Detroit wohnten mit MC5 noch mehr Proto-Punk-Helden. Im Sinne dieser Bands und mit dem festen Willen, gegen das komplette Musikestablishment anzurebellieren, wollte auch Deniz Tek seine Gitarre derart brachial beackern.

Er musste Younger nicht lange überreden. Aus dem Surfer wurde ein Sänger – bereit, sich die Seele aus dem Leib zu bellen. Gemeinsam mit dem Organisten Pip Hoyle und weiteren Mitstreitern gründete das dynamische Duo eine Band. Als Verneigung vor den Stooges und Zitat eines ihrer Songtexte gemeint, entsprang deren Name letztlich einem akustischen Missverständnis. Tatsächlich sang Iggy »Radio burnin‘«. Tek, Younger, Hoyle und die anderen aber nannten sich Radio Birdman und gingen auf Sendung. Und der Punk kam nach Australien. Weiterlesen

Shearwater (Foto: Sarah Cass)

Protest statt Piepmatz: Shearwater mit zornig zärtlichem Album auf Tour

Auf der Tour zum musikalischen Sprung nach vorn kommt Shearwater am 29.6. auch nach Münster.

Wenn Jonathan Meiburg nicht gerade eine Gitarre in der Hand, Pianotasten unter den Fingern oder ein Mikrofon vor dem Gesicht hat, beschäftigt er sich normalerweise mit der Artenvielfalt der Vögel. So könnte man zumindest annehmen: Bis zur Veröffentlichung von »Jet Plane and Oxbow« im Januar tauchte irgendwie ständig und überall Gefieder im Zusammenhang mit den Alben seiner Band Shearwater auf – auf den Covern, in den Liedtiteln, in den Texten, in den Booklets.

Letztlich trägt ja sogar die Band des studierten Ornithologen Meiburg einen Vogelnamen. Shearwater ist der englische Begriff für den Großen Sturmtaucher. Puffinus gravis, wie der Lateiner sagt, wenn er über diesen Seevogel spricht. Und plötzlich enthält das neue Album keinen einzigen Piepmatz mehr – nicht auf dem Cover, nicht in den Liedtiteln, nicht in den Texten. Was ist denn da los, Herr Meiburg? Weiterlesen