Les Big Byrd - Iran Iraq IKEA

Musik in 1.000 Zeichen: Les Big Byrd – »Iran Iraq IKEA«

Spätestens nach einer Minute ist die Welt umrissen, in der sich Les Big Byrd bewegen. Straight geht das Schlagzeug voran, Wummerbass und Flimmersynthies folgen auf dem Fuß, ehe choral angelegte Gesangslinien und ein Piano eine recht einfache Melodie ins Spiel bringen. Über allem liegt ein mächtiger Hall, der den Sound aus allen Ecken zurück ins Geschehen wirft.

So oder so ähnlich entfaltet sich nahezu jeder der neun Songs auf dem Zweitlingswerk dieser schwedischen Quasi-Supergroup – mit Ex-Musikern von den Teddybears, den Caesars, von Fireside und Soundtrack of our Lives. Mehr stilistische Mittel sind auch gar nicht nötig, um diese gut 42 Minuten zu einem unterhaltsamen Erlebnis werden zu lassen. Irgendwo zwischen Kraut und Spacerock, zwischen Psychedelic und astreinem Pop macht sich eine stellenweise geradezu hypnotische Klanglandschaft breit.

Bei aller Wucht der übereinander geschichteten Sounds ist »Iran Iraq IKEA« [Partnerlink] dank seiner rhythmisch tighten Arrangements eine deutliche Einladung zum Tanz. Einmal nachgegeben, steht nichts mehr still. Wie die jungen Air mit noch mehr Hall und ordentlich Rock-Schmackes.

Auf der Bandcampseite von Les Big Byrd kann man »Iran Iraq IKEA« unter anderem anhören. Viel Spaß!«

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Green Juice 2018 Abendatmosphäre, Foto: Rainer Keuenhof

»Green Juice 2019«: Auf die Zwölf!

Nach der Elf kommt die Zwölf. Was bei Mathematikern und sonstigen Anhängern der ganzen Zahlen gar nicht lange diskutiert wird, hat für die Macher des »Green Juice«-Festivals doch einiges an Arbeit bedeutet. Nach diversen Kalkulierrunden, Behördengängen und Klinkenputzereien bei potentiellen Sponsoren steht jetzt aber endgültig fest, dass es auch im Jahr 2019 eine Ausgabe des Festivals geben wird, das im Jahr 2008 mit einer LKW-Anhänger-Bühne und etwa 200 Zuschauern auf einer Wiese in Neu-Vilich begann. Es wird das zwölfte »Green Juice« werden.

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Brett Newski - Life Upside Down

Musik in 1.000 Zeichen: Brett Newski – »Life Upside Down«

Wenn einer eine Menge zu erzählen hat, wenn er nur eine Reise tut, wieviele Geschichten hat dann erst jemand auf der Pfanne, der hundertfach durch die Welt getingelt ist? Zum Glück haben wir Brett Newski, der uns ganz ohne Dreisatz zur Lösung führt, nämlich: unendlich viele Geschichten.

Seit der Mitte der Nullerjahre ist Newski als fahrender Musiker unterwegs, hat alle Ecken der Erde teils monatelang auf eigene Faust betourt und dabei unfassbare Dinge erlebt, die für mindestens eine Platte pro Jahr reichen: In Korea, um nur mal ein Beispiel zu nennen, wurde ihm die Aufgabe zuteil, Werbemusik für eine Tamponfirma zu komponieren. Dass ihn die Kollegen von Cake wegen eben dieses Jingles später des Plagiatentums bezichtigten und verklagten, sorgt für eine knackige Pointe, die man mal gut erzählen kann. Newski kommt jedenfalls herum und nimmt, wo immer sich die Gelegenheit ergibt, Musik auf.

Sein jüngstes Werk beschäftigt sich mit der düsteren Kehrseite des Lebens, mit Ängsten, Selbstzweifeln und innerer Schwere. Newski erzählt diese Geschichten auf den Punkt und immer mit einem Hauch Licht im Dunkeln. Musikalisch ist »Life Upside Down« [Partnerlink] ohnehin über jeden Zweifel erhaben, orientiert es sich doch an den rotzigen Indie-Gitarren der Neunziger, an der Lässigkeit solcher Helden wie Pavement oder Beck. Macht Spaß.

»Life Upside Down« kann man unter anderem auch auf der Bandcampseite von Brett Newski anhören. Und im Bedarfsfall auch erstehen.

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Karies - Alice

Musik in 1.000 Zeichen: Karies – »Alice«

Keine Frage, auch auf dem dritten Album der Bandgeschichte fräsen sich Karies tief in die Gehörgänge und den Zahnschmelz der geneigten Zuhörer. Doch irgendwas ist anders bei »Alice« [Partnerlink]. Geradezu poppig kommt schon das Cover daher.

Und dann die Musik: Zwischendurch entwickeln die Klänge eine fast schon schmeichelnde Melodiösität, eine alles andere als subtile Schönheit. Ein bislang ungekanntes Maß an Buntheit. Wo sind sie denn hin, die Düsternis und der Schwermut der ersten beiden Platten? Gänzlich verschwunden sind die beiden vormaligen Karies-Grundeinstellungen nicht. Bei der Beschäftigung mit den Texten, knallen sie einem links und rechts um die Ohren. Nach wie vor hagelt es Dystopisches und Skurriles, schräge Bilder und kryptische Anspielungen.

Letztlich tropfen dann doch etliche klangliche Entsprechungen dieser Dunkelpoesie zwischen den gefälligeren Passagen hindurch – wenn die Gitarren aufeinander einkreischen, wenn das Schlagzeug treibt und der Bass wummert. Dann fließen sie ineinander, die Vergangenheit und Zukunft dieser wundervollen Band. Groß!

Und wie klingt das? Zum Beispiel so: das vorab ausgekoppelte »Holly« …

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Schnüss Oktober 2018, Seite 4

Stadtmagazin in Not: »Schnüss muss sein«

Zehn Tage ist der Oktober nun alt. Etwa ebenso lange ist eine Nachricht in der Welt, die sicher nicht nur bei mir für Bauchschmerzen sorgt: Dem Editorial der aktuellen Ausgabe der »Schnüss« war zu entnehmen, dass es dem Bonner Stadtmagazin wirtschaftlich gerade alles andere als gut geht. Tatsächlich lesen sich die Sätze der Schnüss-Macher, als stünde dem Heft das Wasser bis zum Hals.

Doch immerhin schwingt auch eine Mischung aus Kampfgeist und Optimismus mit. So enthält das Editorial eine Ankündigung für die mittelfristige Zukunft: Künftig soll die eher zurückhaltende Einstellung zur eigenen Webseite auf den Prüfstand kommen. Eine Ausweitung der bislang überschaubaren digitalen Inhalte steht auf der To-Do-Liste. Ein zusätzliches Zeichen, sich in Richtung Web zu öffnen, stellt zudem die Wiederbelebung der Facebook-Seite dar. Der Fokus der Schnüss-Macher wird aber auch weiterhin auf der Printsparte liegen. Und diese gilt es zunächst einmal aus dem Gröbsten herauszuholen. Konkrete Zahlen werden im Oktober-Editorial nicht genannt. Klar ist jedoch, dass aktuell jeder Cent benötigt wird.

In dem Sinne gebe ich die Bitte der Redaktion gerne auch hier weiter. Wer jemals einen prima Termin in Bonn ohne das Heft verpasst hätte, wer je ein Ticket in der Verlosung gewonnen hat, sich regelmäßig hervorragend über Stadtthemen informiert, gut unterhalten oder von einer Rezension inspiriert gefühlt hat – oder wer einfach nur meint, dass diese Stadt ohne Print-Stadtmagazin blöder dran ist: Jetzt wäre der genau richtige Moment, die Spendierhosen zurechtzurücken.

Spenden an den hinter der Schnüss stehenden »Verein zur Förderung alternativer Medien« gerne unter dem Stichwort „Schnuess muss sein“ an: Sparkasse Köln/Bonn DE35 3705 0198 0000 0256 84. Auf Wunsch besteht die Möglichkeit, eine Spendenquittung zu erhalten.

Offenlegung: Ich bin seit 2011 als freier Autor für die Schnüss tätig. Zwischen Februar 2015 und August 2018 habe ich zudem die Musikredaktion des Magazins geleitet. (Mein Ausscheiden aus dieser Funktion hat nichts mit der aktuellen wirtschaftlichen Situation zu tun, sondern mit der Geburt meines zweiten Kindes, die eine Neugestaltung meiner Arbeitsaufwände nötig machte.)

Trotz meiner nach wie vor bestehenden, guten Verbindungen zur Redaktion verfüge ich über keine Informationen zum Status Quo der Schnüss, die über die im Editorial der Oktober-Ausgabe beschriebenen hinausgehen.

Muncie Girls - Fixed Ideals

Musik in 1.000 Zeichen: Muncie Girls – »Fixed Ideals«

Lande Hekt hat ein unglaubliches Händchen dafür, sehr persönliche Texte zu schreiben, die dennoch alle Zuhörerinnen und Zuhörer gleichermaßen abholen. Schon auf dem Debüt ihrer Band Muncie Girls hatte Hekt mittels kleiner Alltagsgeschichten große, für alle nachvollziehbare Statements abgegeben.

Auf »Fixed Ideals« [Partnerlink] hält sie das nicht anders. Was jedoch leicht anders daherkommt, ist der musikalische Teppich, den die Band aus Exeter ihrer Frontfrau unter die Lyrics legt. Vom Grundgefühl ist das Ganze natürlich immer noch Punk, aber die Muncie Girls haben inzwischen offensichtlich an der virtuosen Handhabung ihrer Instrumente gefeilt. Was bei Platte Nummer Eins noch roh, wild und ungestüm daherkam, hat auf Platte Nummer Zwei immer wieder deutlich erkennbar System.

Die Songs sind durch die Bank feiner ausformuliert, durchdachter, handwerklich sauberer, ohne dabei die grundsätzliche Energie zu verlieren. Früher vor allem aus dem Bauch, entsteht diese Musik nun also auch mit Köpfchen – für die Texte galt das ja immer schon.

Auf der Bandcampseite der Muncie Girls besteht die Möglichkeit, »Fixed Ideals« anzuhören und bei Gefallen zu erwerben.

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Adam Angst - Neintology

Musik in 1.000 Zeichen: Adam Angst – »Neintology«

Halleluja, diese Band ist aber mal richtig auf Krawall gebürstet. Oder besser: auf Konfrontation. In einem elf Songs währenden Rundumschlag nageln Adam Angst alles an die Wand, was ihnen an unserer durchkommerzialisierten, hypertechnisierten, postfaktischen, filterbubbligen Gegenwart auf den Sack geht.

Nach kurzem Industrial-Instrumental-Intro geht es direkt mal etwa 80 Prozent der Bands an den Kragen, die heutzutage völlig durchgestylt, uniform und vor allem ohne Haltung unter dem Label »Punk« firmieren – textlich, natürlich, mit 08/15-Akkorden und »Ohoho«-Klischee-Chören aber auch in Form einer klanglichen Persiflage. Und danach bleiben Adam Angst einfach auf dem einmal eingeschlagenen Weg des garantiert nicht geringsten Widerstands. Otto Normalurlauber mit seiner Hauptsache-deutsch-Doppelmoral, Otto Normalsmarthomer mit seinem blinden Vertrauen in die Technik, Otto Normalfakenewskonsument mit seinem leeren Blick: Ihnen allen wird auf »Neintology« [Partnerlink] der Finger mit Schmackes in die Wunde gelegt.

Mit zu Uptempo-Musik geronnenem Zorn und mit Texten, die fast immer auf gleich mehreren Ebenen den Kern treffen. Die dabei immer wieder klarmachen, dass jede unserer Handlungen Konsequenzen nach sich zieht, dass wir die Welt da draußen mit unserem Tun maßgeblich mitgestalten. Starke Botschaft, starke Platte.

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