»Mein Kultur-Tipp für Euch«: das Denovali Swingfest 2014 Essen

Denovali Swingfest: Contemporary Noise Sextet

Knapp elf Mona­te ist es mitt­ler­wei­le her, dass ich mich an einer Blog­pa­ra­de von Tan­ja Pras­ke betei­ligt habe. Sei­ner­zeit frag­te sie nach fas­zi­nie­ren­den Kul­tur­er­leb­nis­sen, die die jewei­li­gen Teil­neh­mer gemacht hat­ten. Zual­ler­erst ist mir damals ein Musik-Fes­ti­val in den Sinn gekommen.

Aktu­ell hat Tan­ja wie­der zu einer Blog­pa­ra­de auf­ge­ru­fen. Ein per­sön­li­cher Kul­tur-Tipp soll es sein. Und wie schon im ver­gan­ge­nen Jahr war mein ers­ter Gedan­ke ein Fes­ti­val – eines, das am kom­men­den Wochen­en­de in Essen statt­fin­den wird: das Deno­va­li Swingfest.

Wenn der Herbst kommt, lädt das Bochu­mer Plat­ten­la­bel Deno­va­li Records seit 2007 all­jähr­lich nach Essen. Über mitt­ler­wei­le vier Tage erstreckt sich das Swing­fest, bei dem die Besu­cher sich mit all der groß­ar­ti­gen Musik beschäf­ti­gen kön­nen, die bei Deno­va­li erscheint. Oder die in den musi­ka­li­schen Kos­mos der Label­be­trei­ber passt.

Pop­pig wird es dabei eher sel­ten. Denn Deno­va­li hat sich vor allem den Nischen der zeit­ge­nös­si­schen Musik ver­schrie­ben. Da kom­men die ganz Stil­len – etwa Pop­py Ack­royd – eben­so zu Wort wie die ganz Lau­ten. Als Bei­spiel für Letz­te­re sei hier auf das Erleb­nis ver­wie­sen, das ich 2011 mit der Band Sunn o))) hatte.

Im Lauf der Jah­re – mein ers­tes Swing­fest war 2010 – habe ich eine gan­ze Rei­he von Künst­le­rin­nen und Künst­ler beim Swing­fest ken­nen­ge­lernt, die seit­her regel­mä­ßig auf mei­nem Plat­ten­spie­ler zu Gast sind. Ich ver­stei­ge mich nicht mit der Behaup­tung, dass sie ohne die­ses groß­ar­ti­ge Fes­ti­val wahr­schein­lich nie in mein musi­ka­li­sches Blick­feld gelangt wären. Vie­len Dank dafür.

Es ist vor allem die Viel­falt des Swing­fests, die mich seit mei­nem ers­ten Besuch fas­zi­niert. Da gibt es Jazz neben Doom, expe­ri­men­tel­le Klang­kunst neben Post­rock, mas­si­ve Gitar­ren­wän­de neben zer­brech­li­chen Pia­no­f­ri­cke­lei­en. Ein wenig Offen­heit und Neu­gier kann bei einem Besuch des Fes­ti­vals defi­ni­tiv nicht scha­den. Am Ende geht man berei­chert nach Hau­se – berei­chert um neue Lieb­lings­mu­si­ker, um groß­ar­ti­ge Kon­zert­erfah­run­gen und um net­te Begegnungen.

Denn so unter­schied­lich die Musik, so unter­schied­lich sind auch die Gäs­te vor Ort. Da steht der freund­li­che Ober­stu­di­en­rat in Bund­fal­te neben dem ver­meint­lich grim­mi­gen Metal­ler in Schwarz, ohne ein­an­der auch nur im Ent­fern­tes­ten kri­tisch zu beäu­gen. Weil jeder die Lei­den­schaft für Musik beim ande­ren aner­kennt, ist hier nie­mand fehl am Platz. Die Ver­an­stal­ter tra­gen ihr Übri­ges zu die­sem ganz beson­de­ren Flair des Swing­fests bei – zu die­ser äußerst ange­neh­men Atmo­sphä­re, die ich wäh­rend all mei­ner Jah­re als Kon­zert­gän­ger in die­ser Art noch auf kei­nem ande­ren Fes­ti­val erlebt habe.

Egal ob an der Kas­se, an der The­ke oder der Gar­de­ro­be: Irgend­wie sind alle Leu­te die gan­ze Zeit über unheim­lich nett. Eigent­lich bescheu­ert, dass ich das extra beto­ne. Aber es ist mir bei mei­nen bis­he­ri­gen Besu­chen eben ganz beson­ders auf­ge­fal­len. Zudem ist die Loca­ti­on mit der West­stadt­hal­le in Essen sehr pas­send gewählt – mit ihrem Back­stein­charme und in net­ter Nach­bar­schaft gele­gen. Lecke­re Küche zu klei­nen Prei­sen und diver­se Plat­ten­stän­de für Vinyl­en­thu­si­as­ten und CD-Freun­de bil­den dann noch das Tüp­fel­chen auf dem i. Wer es noch ein­mal expli­zit lesen möch­te: Ich bin Swingfest-Fan.

Das dies­jäh­ri­ge Fes­ti­val star­tet am Don­ners­tag mit einem klei­nen, fei­nen Pia­no-Abend, ehe es ab Frei­tag drei Tage lang grö­ße­re Kon­zer­te gibt. Ich selbst schaf­fe es in die­sem Jahr nur am Sonn­tag nach Essen. Dann wer­de ich zumin­dest einen Tag lang eine Men­ge guter Sachen sehen und hören. Zum Abschluss gibt es mit Thee Sil­ver Mt. Zion Memo­ri­al Orches­tra eine kana­di­sche Band, die schon seit einer hal­ben Ewig­keit auf mei­ner »Die möch­te ich unbe­dingt mal live sehen«-Liste steht. Ich freu mir jetzt schon ein Loch in den Bauch.

Soll­te am Ende die­ser Zei­len jemand Inter­es­se am Esse­ner Swing­fest ver­spü­ren: Wei­te­re Infor­ma­tio­nen gibt es auf der zuge­hö­ri­gen Sei­te drü­ben bei Deno­va­li. Tickets – Kom­bi, aber auch Tages­ti­ckets – sind nach mei­nem Kennt­nis­stand noch erhält­lich. Und wer vor­ab hören möch­te, was ihn erwar­ten wür­de, hat dazu reich­lich Gele­gen­heit. Inzwi­schen schon fast tra­di­tio­nell haut Deno­va­li vor dem Fes­ti­val einen Sam­pler raus, auf dem alle teil­neh­men­den Künst­ler zu hören sind. Der aktu­el­le Sam­pler umfasst 26 Stü­cke und steht bei Sound­cloud bereit – zudem als kos­ten­lo­ser Down­load im Denovali-Online-Shop.

5 Kommentare zu “»Mein Kultur-Tipp für Euch«: das Denovali Swingfest 2014 Essen”

  1. Lie­ber Christoph,

    oh wie schön, dass du wie­der bei mei­ner Blog­pa­ra­de dabei bist! Klas­se, dass ich dabei wie­der etwas über ein Fes­ti­val erfah­re und hier sogar noch hin­ge­hen könn­te, wenn Essen schnell von Mün­chen aus zu errei­chen wäre. 

    Das Ruhr­ge­biet fas­zi­niert mich immer mehr – dan­ke dei­nes Arti­kels und den ande­ren Teil­neh­mern von #Kult­Tipp. Rou­ven Kas­ten schrieb über das Traum­zeit­fes­ti­val, Anke über Aus­stel­lun­gen in Köln und ein Blog aus dem Ruhr­ge­biet ver­sorgt mich in den Kom­men­ta­ren zur Zeit mit inter­es­san­ten Aus­stel­lun­gen bei »Euch« – toll!

    Ich habe mal kurz in Sound­cloud hin­ein­ge­hört: span­nend, ich glau­be, wenn ich könn­te, hät­te ich anschlie­ßend sicher­lich auch ein paar Lieb­lings­mu­si­ker bei mir zu Hau­se mehr *seufz*

    Vie­len herz­li­chen Dank für dei­nen wun­der­ba­ren Kultur-Tipp!

    Schö­ne Grü­ße aus München

    Tan­ja

  2. Pingback: Kultur-Tipp Berlin – Liebermann Villa am Wannsee | ehotel hotel news

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