Screenshot: Jack Durden

Der zerpflückte »Fight Club«

Jack DurdenIch weiß, ich sollte das jetzt nicht tun. Schließlich kennen wir alle Regel Nummer 1: Sprich nicht über den Fight Club. Aber manchmal klappt das mit dem Befolgen von Regeln eben nicht. Und jetzt ist halt so ein manchmal.

Vor einigen Tagen kam mir eine Seite unter den Mauszeiger, die ich nicht unherumgezeigt lassen kann und möchte. Auf »Jack Durden« beschäftigt sich Andrew aus New York eingehend mit dem Film »Fight Club« (und hält sich somit auch nicht an Regel 1). Szenenweise zerpflückt und seziert er Finchers Klassiker, unterbreitet irgendwie interessante Thesen, wie einzelne Teile des Films auch verstanden werden könnten. Zum Beispiel: Marla ist Tyler ist Jack. Bob auch. Seine Interpretationsansätze unterfüttert und begründet Andrew ebenso ausführlich, wie er sie herleitet.

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Aktuell ist die Zahl der Texte dort drüben noch überschaubar – die der Buchstaben allerdings schon nicht mehr. Andrew holt weit aus, wirklich weit. Interessierte Besucher sollten also etwas Zeit mitbringen. Und sicher gerne wiederkehren: Für die kommenden Wochen und Monate hat Andrew bereits weitere Texte rund um »Fight Club« angekündigt. Was jetzt schon gilt: Ich bin Jacks heruntergeklappter Unterkiefer.

Und zur Feier des Tages dann noch das musikalische Finale von »Fight Club« in einer etwas anderen Fassung: »Where is my mind?« von PeteBox. Nach dem Klick→

Istanbul: Blaue Moschee

Geburtstag in Istanbul: ein paar Fotos

Neulich bin ich wieder mal ein Jahr älter geworden. Sonst immer zum »Jubeltag« daheim, wollte ich diesmal etwas anderes ausprobieren. Und so haben die Dame des Hauses und ich am Nikolaustag die Koffer gepackt, um ein paar Tage – und besagten Geburtstag – in Istanbul zu verbringen.

Als unser Flieger landete, regnete es. Auf dem Weg zurück zum Flughafen regnete es wieder. Ansonsten blieb es die ganze Zeit über trocken und mild – für Mitte Dezember allemal. Richtig gut war es: lebendig, hell, wuselig, geschichtsträchtig, köstlich, freundlich. Istanbul ist definitiv eine Reise wert.

Ein paar Bilder habe ich dort auch gemacht. Viele davon sind in diesem Album bei flickr gelandet. Und ein paar davon gibt es zusätzlich nach dem Klick. Weiterlesen

Ausstellung Ermekeilkaserne: Patchwork-Linoleum

Ausstellung Ermekeilkaserne: »Bestandsaufnahme Haus 1«

Von allen Gebäuden hier in meiner Umgebung in Bonns Südstadt gehört die Ermekeilkaserne für mich definitiv zu den interessantesten. Wann immer sich eine der raren Gelegenheiten – etwa am Tag des offenen Denkmals – ergibt, setze ich gerne meine Füße in das ansonsten abgesperrte Hauptgebäude des Areals. Neben der interessanten Gegenwart mit einem nachbarschaftlichen Gartenprojekt auf Teilen des Kasernenhofs hat es mir vor allem die wechselvolle Geschichte der Kaserne angetan.

Dabei sind die Ursprünge als Kaserne aus Kaiser Wilhelms Zeiten gar nicht mehr so gut zu erkennen. Zu sehr werden die Relikte aus jener Zeit überdeckt von dem, was während der jungen Bundesrepublik hier los war: Verteidigungsministerium, Beamtentum, Linoleum. Dokumente aus dieser im wahrsten Sinne des Wortes grauen Vorzeit kann man derzeit im Inneren des Hauses 1 anschauen. Weiterlesen

Einstürzende Neubauten: Der Krieg bricht nicht aus

Einstürzende Neubauten: »Lament«

Vergangenen Sonntag habe ich zum Ersten Weltkrieg getanzt. Und ich war bei weitem nicht der einzige. Dass es soweit kommen musste, lag einzig an den Einstürzenden Neubauten. Diksmuide, eine belgische Stadt in Westflandern, hatte diese damit beauftragt, sich zum Anlass der dortigen Gedenkfeiern musikalisch mit dem Ersten Weltkrieg auseinanderzusetzen. Einen Tag nach der Premiere von »Lament« eben in Diksmuide präsentierten die Herren Bargeld, Hacke, Unruh, Arbeit und Moser die Ergebnisse dieser Auseinandersetzung im Zinkhütter Hof in Stolberg. Weiterlesen

Aachener Kanon der Literatur

»Kanon der Literatur«: Herrn Schmitzens Plan und Aachens Beitrag

Eines Tages im August 2013 hatte Herr Schmitz diese Idee. Während der Mittagspause hatte er mit den Angestellten seiner Buchhandlung im Essener Süden Ideen gewälzt, was man mit all diesen Büchern und deren Lesern noch so anstellen könne. »Wie wäre es mit einem Buch, in dem 100 unserer Kunden ihr jeweiliges Lieblingsbuch besprechen? Quasi der Essen-Werdener Kanon der Literatur«, dachte er laut und erntete Zustimmung. Genau so sollte es geschehen. Genau so geschah es dann auch. Nach der Fertigstellung des Buchs war da aber plötzlich noch eine Idee. Das ist die Stelle, an der ich und einige hundert andere Leute ins Spiel kommen.

Die zweite Idee war tatsächlich eine weitere – eine weiter gefasste, um genau zu sein. Andere Buchhändler in anderen Städten sollten je 100 Kunden auch die Möglichkeit geben, Rezensionen zu ihren liebsten Schinken zu verfassen. Herr Schmitz fasste einen Plan. Er kontaktierte ihm bekannte Buchhändler und fand für seinen Plan letztlich 18 Mitstreiter. Eine dieser teilnehmenden Buchhandlungen ist »Schmetz am Dom« aus Aachen, in deren E-Mail-Verteiler ich mehr oder minder zufällig geriet. Am Ende war ich jedenfalls einer von diesen 100 Kunden – ja, ich kaufe tatsächlich gerne Bücher bei Schmetz – im »Aachener Kanon der Literatur«, einem in blaues Leinen geschlagenen Buch, das besagte 100 Rezensionen enthält.

Neben mir haben sich Pädagogen und Kaufleute, Juristen und Künstler, Journalisten und Schüler an dieser Zusammenstellung beteiligt. Wie die Ausgaben in den anderen Städten wurde auch der Aachener Kanon vom Essener Büro für Gestaltung »erste liga« hübsch gemacht. (Den Hinweis auf die fußballerische Viertklassigkeit von Essen, aber auch Aachen verkneife ich mir an dieser Stelle.) Am vergangenen Donnerstag wurde das gute Stück präsentiert, das künftig auch käuflich zu erwerben sein wird. Ob es tatsächlich einen Überblick bietet, was in Aachen so gelesen wird, wage ich nicht zu beurteilen. Auf jeden Fall bietet es einen Überblick, auf welch verschiedene Dinge Menschen achten und Wert legen, wenn sie ihr Lieblingsbuch wählen. Die eine oder andere »Ach, das würde ich auch mal gerne lesen«-Entdeckung ist auch dabei.

Das gesamte Projekt war Anfang Oktober schon auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt worden. Seinerzeit wurde auch verkündet, dass das komplette Werk in einem Schuber mit 20 Büchern veröffentlicht werden wird. Dass demnach noch viel mehr solcher potenziellen Entdeckungen zwischen Buchdeckel gepresst (und in ein WordPress-Blog gepackt) lauern. »Aber wieso denn 20 Bücher?«, wird jetzt der aufmerksame Leser fragen, »Herr Schmitz plus 18 Mitstreiter sind doch nur 19 Bücher!« Korrekt. Es gibt aber noch ein zwanzigstes Buch, das den »Buchmenschen Kanon der Literatur« aufzeigt – mit Verlagsmitarbeitern, Schriftstellern, Buchhändlern und wen man sonst noch so unter dem Label »Buchmensch« abheften mag. Quasi das große Finale 15 Monate nach der ursprünglichen Idee.

Denovali Swingfest: Contemporary Noise Sextet

»Mein Kultur-Tipp für Euch«: das Denovali Swingfest 2014 Essen

Knapp elf Monate ist es mittlerweile her, dass ich mich an einer Blogparade von Tanja Praske beteiligt habe. Seinerzeit fragte sie nach faszinierenden Kulturerlebnissen, die die jeweiligen Teilnehmer gemacht hatten. Zuallererst ist mir damals ein Musik-Festival in den Sinn gekommen.

Aktuell hat Tanja wieder zu einer Blogparade aufgerufen. Ein persönlicher Kultur-Tipp soll es sein. Und wie schon im vergangenen Jahr war mein erster Gedanke ein Festival – eines, das am kommenden Wochenende in Essen stattfinden wird: das Denovali Swingfest. Weiterlesen

Vor einem Jahrzehnt: Schwarz-Gelb international

Die Teams vor dem Anpfiff
Foto: Wolfram Esser

Heute vor zehn Jahren war Donnerstag. Ich weiß das so genau, weil dieser Tag ein ganz besonderer in meinem Leben als Fußballfan war. Am 16. September 2004 spielte mein (damaliger) Zweitligist zum allerersten Mal in der seinerzeit knapp 104-jährigen Vereinsgeschichte im UEFA-Pokal. Als Pokalfinalist der Vorsaison hatte sich die Alemannia für Europa qualifiziert. Und das Debüt wurde direkt mal an einem wundervoll weit entfernten Ort gegeben: im Nationalstadion von Reykjavik. Gegner war der FH Hafnarfjörður, ein Vorortverein der isländischen Hauptstadt. Weil dessen Stadion für den Europapokal nicht ausgestattet war, zog man um in die große Hütte nebenan.

Weswegen ich mich an den Tag so gut erinnere? Ich war dabei. 24 großartige Stunden lang war ich mit ungefähr 500 anderen Alemannen unterwegs – morgens um 7 vom Tivoli über Brüssel nach Keflavik, nach dem Abpfiff wieder zurück, morgens um 7 wieder zu Hause. (Meine heimkommende Begegnung mit einer Bäckerin habe ich neulich erst dem Stefan in sein Podcast-Mikro erzählt. Das und noch einiges mehr.) Weiterlesen