Tubes & Wires beim Jazzfest Bonn: Tanz der Texturen

Tubes & Wires_Foto Ulla C Binder
Foto: Ulla C. Binder

Mit Tubes & Wires kommt eine Band zum Jazzfest Bonn, die sich in vielfacher Hinsicht im Schwebezustand befindet: zwischen Jazz und Rock, zwischen Sound- und Melodieorientierung, zwischen Komposition und Improvisation, zwischen analog und elektronisch, zwischen Röhren und Kabeln.

Keine Frage, Niels Klein ist Jazzmusiker. Und was für einer. Als Saxophonist hat der gebürtige Hamburger Preise wie den Echo oder den Europäischen Komponistenpreis der Stadt Berlin gewonnen. Gemeinsam mit sechs weiteren brillanten, jungen Jazzern hat der heute 38-Jährige im Herbst 2010 in seiner Wahlheimat Köln das Kollektiv Klaeng gegründet, das seither als Label und Konzertveranstalter dazu beiträgt, die Stadt zu einer der Zentralen der deutschen Jazz-Szene zu machen. Klein spielt in etlichen Formationen, trägt seit 2011 die Verantwortung für das Bundesjugendjazzorchester und hält seit vergangenen Herbst eine Professur für Jazzsaxophon an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln inne. Niels Klein prägt den deutschen Jazz auf vielen Ebenen.

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Ephemerals: Alles außer kurzlebig

Ephemerals_Foto Umberto Lopez
Foto: Umberto Lopez

Sie spielen zeitgenössischen Soul auf knackigem Vintage-Fundament: Ende April sind die Ephemerals zu Gast im Gleis 22 in Münster.

Wenn es allein nach ihrem Namen ginge, dürfte es diese Band eigentlich längst schon nicht mehr geben. Ephemerals, das sind die Kurzlebigen – Pflanzen, zum Beispiel, die einmal kräftig blühen und danach vergehen. Es ist nicht exakt überliefert, aber vielleicht hatte sich Hillman Mondegreen das auch genauso vorgestellt, als er Ende 2012 der britischen Funk-‘n‘-Soul-Band Hannah Williams And The Tastemakers den Rücken kehrte: Eine Platte auf eigene Faust machen, alles reinlegen und dann weiterziehen.

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Acht Brücken Festival: Über 50 Mal Wort und Ton

Stargaze_Foto Emanuel Florakis
Stargaze (Foto: Emanuel Florakis)

Musik ist Sprache und Sprache klingt immer wie Musik. Wie untrennbar diese beiden miteinander verwoben sind, zeigt das diesjährige Festival »Acht Brücken« in Köln.

Seit seiner Premiere im Jahr 2011 stellt das Festival »Acht Brücken« die Musik der Moderne ins Zentrum seines Programms. Bislang unbekannte Türen möchten seine Veranstalter dem Publikum aufstoßen, dabei für Unterhaltung im doppelten Wortsinn sorgen: zum einen für Unterhaltung durch die Musik, zum anderen über die Musik. Denn wo neue, spannende Ecken ausgelotet und beleuchtet werden, ist der Austausch über das gerade Erlebte nur die logische Konsequenz. Im Anschluss an Veranstaltungen früherer Jahre brummten die Garderoben vor lauter angeregten Gesprächen über das, was da zu hören gewesen ist. Auch 2017 wird das nicht anders sein.

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Buchbesprechung: »Damaged Goods – 150 Einträge in die Punk-Geschichte«

ventil-verlag-damaged-goods

Der Punk, so munkelt man, wird in diesem Jahr 40 Jahre alt. Und der Ventil Verlag gratuliert ihm mit »Damaged Goods«, einem Buch gewordenen Mixtape.

Schon seit Januar ist in London der Teufel los. Englands Hauptstadt feiert den runden Geburtstag einer Bewegung, die ihr in jungen Jahren mächtig in die Straßen gepinkelt hat: Punk. Von offizieller Seite abgesegnet, läuft das Ganze auf den 26. November als Höhepunkt hinaus. An diesem Tag wurde dereinst die erste Sex-Pistols-Single veröffentlicht. »Anarchy in the UK« als Anlass einer riesigen Stadtmarketing-Kampagne: Sid Vicious würde staunen.

Joe Corré wiederum staunt nicht, sondern schäumt. Und weil ihn die offiziellen Geburtstagsfeierlichkeiten so zornig machen, wird der Sohn von Vivienne Westwood und Malcolm McLaren am Feiertag einen ganzen Haufen kostbarer Punk-Memorabilia verbrennen. Live ins Internet gestreamt. Was nützt, die beste, potentiell öffentlichkeitswirksame Rebellion, wenn es keine Öffentlichkeit gibt?

Aber zurück zum Punk-Geburtstag: Auf der anderen Seite des Atlantik hat man den Party-Zenit schon hinter sich. Denn was den einen ihr »Get pissed! Destroy!«, ist den anderen ihr »Shoot ’em in the back now!«. In den US of A gilt gemeinhin der 23. April als Punk-Stunde-Null – das Erscheinungsdatum des Ramones-Debüts. Ob April oder November, immerhin ist man sich dies- und jenseits des Atlantiks einig: Es war das Jahr 1976, in dem das mit dem Punk begann. Vier Jahrzehnte »No Future«, also. Gratulation! Weiterlesen

Monophonics: Zukunftsfähiger Vintage-Sound

Monophonics Photo by John Lill
Foto: John Lill

Am 28.10. in der Bonner Harmonie, am 30.10. im Münsteraner Gleis 22: Die Monophonics sind mit ihrem Psychedelic Soul auf Tour.

»Eine der besten Live-Soul-Bands, die ich je gesehen habe.« Wenn Leute wie Al Bell solch ein Lob raushauen, kann man sich das gut und gerne einrahmen und an die Wand hängen. Zweifellos weiß Bell, wovon er spricht. Als Co-Besitzer des Labels Stax hat er schon einen ganzen Haufen Soul-Bands auf den Bühnen dieser Welt gesehen. Wenn die Monophonics für ihn aus diesem Haufen herausragen, ist das somit also mehr Ritterschlag als simples Lob. Vor allem ist das aber völlig nachvollziehbar.

Denn diese fünf Herren kommen live mit einer enormen Energie und Spielfreude um die Ecke. Und den Soul, den sie dem Publikum dabei vor die Füße jubeln, spielt in einer ganz eigenen, unverwechselbaren Liga – so eigen, dass wortgewandte Musikfreunde dafür sogar eine neue Genre-Schublade gebastelt haben: Psychedelic Soul. Weiterlesen

»Mies van der Rohe«-Ausstellung im Ludwig Forum: Zusammengeworfene Visionen im virtuellen Raum

Mies van der Rohe: Bismarck Monument Projekt, Bingen 1910, Bildrechte: 2016 Artists Rights Society (ARS) New York/VG Bild-Kunst Bonn
Mies van der Rohe: Bismarck Monument Projekt, Bingen 1910, Bildrechte: 2016 Artists Rights Society (ARS) New York/VG Bild-Kunst Bonn

Mehr als nur Entwurfsskizzen eines großen Architekten: Das Ludwig Forum zeigt ab dem 27. Oktober die Collagen Mies van der Rohes als äußerst eigenständige Kunstobjekte.

Ein mächtiger Steinsockel ragt vom Felsen in Richtung Rhein. Auf seinem Buckel führt ein von Riesenpfeilern gesäumter Freigang zum Inneren eines steinernen Halbkreises, in dem ein Denkmal steht. Ludwig und sein älterer Bruder Ewald waren sich einig: »So soll es aussehen, das Bismarck-National-Denkmal in Bingerbrück.« Als Collage reichten die beiden ihren Beitrag zum Wettbewerb um die Gestaltung des Jahrhundert-Monuments ein. Und wählten somit eine Technik zur Darstellung ihres Entwurfs, die in jenen Tagen zu Beginn des 20. Jahrhunderts massiv an Bedeutung gewann.

Später sollte der jüngere der beiden Brüder zu einem der bedeutendsten Architekten eben jenes Jahrhunderts heranreifen. Und während seiner gesamten Schaffenszeit blieb Ludwig Mies van der Rohe der Collage als Medium treu, um seine Ideen und Visionen vom Neuen Bauen bildlich fassbar zu machen. Weiterlesen

Quiet Hollers: Wunderschöne Düsternis

Foto: Sarah Wilde
Foto: Sarah Wilde

Eigentlich sollte es die Quiet Hollers nur für ein Konzert geben. Sechs Jahre und zwei Alben später existiert die Band dankenswerterweise immer noch. Im September kommt sie für den einzigen Deutschland-Gig einer Europatour ins Gleis 22 nach Münster.

Shadwick Wilde ist schon als Kind viel herumgekommen. Als der heute 30-Jährige das Teenageralter erreichte, hatte er bereits in Boston und San Francisco, in den Niederlanden und auf Kuba gelebt. Erst in Louisville, Kentucky kamen er und seine Eltern ein wenig zur Ruhe, so dass sich der kleine Shadwick eingehender seiner großen Leidenschaft widmen konnte.

Wann immer er nicht gerade seine Spielsachen in irgendwelche Umzugskartons packte, hatte er sich schon immer mit Musik beschäftigt. In Louisville nahm das Ganze konkretere Formen an. Er hörte sich quer durch den Plattenschrank seiner Mutter, lernte Klavier und spielte Gitarre. Mit 17 gründete er die Oi-Punkband Straight Laced und kam auf Konzertreisen mit ihr in der Folge wieder viel herum. Weiterlesen