40 Jahre »Klenkes«: Zwei Gedichte

Seit 2009 bin ich für das Aachener Stadtmagazin »Klenkes« freiberuflich tätig – zunächst als Autor, mittlerweile als Redakteur. Aber schon lange, bevor ich meine ersten Buchstaben für das Magazin geschrieben habe, gehörte ich zum Kreis seiner regelmäßigen Leser. Denn den »Klenkes« gibt es schon reichlich lange. Seinen vierzigsten Jahrgang begeht das Heft in diesem Jahr. Eine ganz schön ordentliche Zahl in Anbetracht der Tatsache dessen, was seinerzeit im allerersten Editorial stand: »Wenn das Magazin gut ankommt, machen wir nach den Ferien noch eins.«

Ende Mai gab es eine große Geburtstagsfeier mit Livemusik und DJs, illustren Gästen und leckerem Essen. Aber auch sonst ist 2014 voll mit Aktionen, die alle im Zusammenhang mit dem vierzigsten Jubiläum stehen. Da werden Konzerte und Ausstellungen präsentiert. Und hin und wieder werden auch wir von der Redaktion aktiv. Am vergangenen Samstag, zum Beispiel, haben wir auf dem Straßenfest »Lothringair« über den Abend verteilt vier Lesungen gehalten.


Der Beginn der Lesetour in einem Parkhaus: unser kleiner Verstärker, abgelichtet vom Kollegen Christian.

Dabei kam ein Querschnitt aus eben diesen 40 Jahren zum Vortrag. In den Tagen und Wochen zuvor hatten wir uns durch Abermillionen von Buchstaben gewühlt, um geistreiche und witzige Artikel, knallige Zitate, aus heutiger Sicht seltsame Kommentare und nicht zuletzt obskure Klein- und bizarre Kontaktanzeigen zusammenzutragen. Während dieser Recherchiererei sind mir unter anderem zwei Gedichte »passiert«. Das erste Stück besteht ausschließlich aus Überschriften, die so in den »Klenkes«-Ausgaben des Jahres 1981 standen. Weil sich das Magazin damals noch vor allem als Organ diverser Bürgerinitiativen sah, ist dabei ein Hauch Betroffenheitslyrik zusammengekommen. Und das Ganze liest sich wie folgt:

Unser Urlaub

Bad Aachen adé…
Wenn wir gehen, geht die Welt
Besetzt: Alexianergraben, Besetzt: Templergraben, Johanniterstraße: Besetzt!
Flüchten oder standhalten?
Auch in Geilenkirchen unerwünscht!
S.O.S. Eupen
Ein Bach stirbt
Die Eifel
Apokalypse hier
Und Stolberg?
Blei macht nicht dumm. Aber…
Klarer Fall! Rad ab!
Wenn ich das gewußt hätte.
Sommer in Bad Aachen
Testurteil: unverwüstlich
Alle Wünsche werden wahr

(alle Überschriften: »Klenkes«, Jahrgang 1981)

Bei der Generalprobe habe ich das Gedicht auch noch in die Kamera eines Kollegen gesprochen. Quasi als Appetizer, den ich dann hiermit auch gerne herumzeigen möchte.

Das zweite Gedicht gibt es nicht im bewegten Bild. Es besteht nur aus Überschriften, die im Jahr 2011 im »Klenkes« standen. Genauer gesagt: in dessen Kunst-Ressort. In den 30 Jahren nach den Zeilen des ersten Gedichts hat sich das Heft vom Bürgerbewegungs- hin zu einem Stadt- und Kulturmagazin gewandelt. Und das klingt (oder liest sich) dann eben so:

Arm aber sexy

Auftakt mit Retrocharme
Kraftfeld der Linie
Wie wirklich ist ein Bild?
Schöner Schein
Stumpfe Luminiszenz
Würdiger Rost
Sensibel glorifiziert
Endzeitstimmung in Schwarz-Weiß
Wirklich erstaunlich unwirklich
Intimer Dialog
Reden ist Silber
Nachjustierte Mahnungen
Klage der Kunst
Gedämpfte Sachlichkeit
Doch Experimente!
Widerspenstig modern
Risse für Neues
Leergekrempelt
Eine Wucht!

(alle Überschriften: »Klenkes«, Jahrgang 2011, Ressort: Kunst)

Und wie war es dann so auf dem »Lothringair« und bei der Lesung? Wer sich diese Frage gerade gestellt hat, ist herzlich eingeladen, sich selbst ein Bild zu machen. Kollege Malte hat unterwegs etliche Fotos geschossen. Ein paar von denen haben es in eine Galerie geschafft, die drüben beim »Klenkes« auf Begutachtung wartet.

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