Gefangen in einer weit, weit entfernten Galaxie

Foto: Leigh Anthony Dehaney

Ein Teil von mir ist gefangen an einem Freitagnachmittag. Ich bin neun Jahre alt, Lando Calrissian und C3-PO. Gestern haben wir »Die Rückkehr der Jedi-Ritter« bei René geguckt. Heute wollen wir den Film nachdrehen. Dirk hat die Kamera seines Vaters mitgebracht. Er ist Luke Skywalker. (Das funktioniert in etwa wie beim Fußball: Wer den Ball mitbringt, darf Rummenigge sein.) Prinzessin Leia ist auch schnell gefunden. Von den Mädels will nur Silke mitmachen. Später soll Marc sie küssen. Han Solos tun so etwas nun einmal. Als Belohnung für diesen selbstlosen Einsatz darf er auch den Darth Vader spielen. Marc ist einen Kopf größer als alle anderen. Und er kann rasselnd atmen wie kein Zweiter. Als alle Rollen verteilt sind, merken wir erst, dass der Schulhof gar nicht aussieht wie der Wüstenplanet Tatooine. Und einen Berg, in dem ein großes Tor aufgeht, gibt es hier auch nicht. Nach einigem Überlegen scheitert unser Filmprojekt schon vor der ersten Klappe an nicht zu überwindenden, logistischen Problemen. Dirk bringt die Kamera nach Hause und wir gehen Fußball spielen. Ich bin Rummenigge. (Foto veröffentlicht unter cc by-nc-nd 2.0) Weiterlesen

Aber hier leben…

Der folgende Text ist schon ein wenig älter. Geschrieben habe ich ihn im Oktober 2010 drüben bei Metaplot. Auslöser war ein Vormittag in meinem Geburtsort, der sich seit meiner Kindheit nicht unbedingt zu seinem Vorteil verändert hat. Ähnliche Erlebnisse mit anderen Orten haben mich in der jüngsten Vergangenheit häufiger an diesen Text denken lassen. Darum habe ich ihn jetzt noch einmal rausgekramt.

Morgens, halb Zehn in Deutschland. Ein Termin in einer Autowerkstatt hat mich in meinen Geburtsort verschlagen. Sonst immer in Boxenstoppmanier durchgezogen, soll das Schrauben diesmal etwas länger dauern. »Mindestens drei Stunden«, schätzt der Meister. Im Verlauf der letzten Jahre bin ich niemals mehr als ein paar Minuten hier gewesen. Ich nutze die frei gewordene Zeit, um durch die Straßen zu schlendern, und werde eiskalt erwischt. In meinen Kindheitserinnerungen bunt und lebendig, wirkt die Kleinstadt jetzt grau und verhärmt. Ein trostloser Vormittag in drei Begegnungen. Weiterlesen

Stadionwurst: Drei Mark Fuffzig (Foto: Carl Brunn)

Würstchen hin, Heinz im Sinn

Zwei, drei Dinge kurz vorweg: Diese Geschichte ist Mitte der Neunziger Jahre tatsächlich so passiert, nur heißt Heinz im wirklichen Leben nicht Heinz. Das Foto stammt von Carl Brunn, der es mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Und wer sich die Geschichte lieber von mir vorlesen lassen möchte, folge diesem Link.

Halbzeitpause im Stadion von Preußen Köln: Auf Anhieb erkenne ich die lispelnde Stimme, die von hinten an mein Ohr dringt. »Ey, wat hassu für die Wurst bezahlt?« Aus den Augenwinkeln mustere ich die beiden anderen Menschen an der Fressbude. Dass sie ihre Bestellungen noch nicht in Händen halten, kann nur eines bedeuten: Die Frage gilt mir. Der Mann in meinem Rücken hat zweifellos mich angesprochen. Und er tut es gleich noch einmal: »Hallo! Heinz hat Dich gefragt, watte für die Wurst bezahlt hass!« Verdammt, warum ich? Im Umdrehen nehme ich einen großen Bissen. Mit vollem Mund spricht man nicht. Ich muss Zeit gewinnen. Weiterlesen