Ephemerals: Alles außer kurzlebig

Ephemerals_Foto Umberto Lopez
Foto: Umberto Lopez

Sie spielen zeitgenössischen Soul auf knackigem Vintage-Fundament: Ende April sind die Ephemerals zu Gast im Gleis 22 in Münster.

Wenn es allein nach ihrem Namen ginge, dürfte es diese Band eigentlich längst schon nicht mehr geben. Ephemerals, das sind die Kurzlebigen – Pflanzen, zum Beispiel, die einmal kräftig blühen und danach vergehen. Es ist nicht exakt überliefert, aber vielleicht hatte sich Hillman Mondegreen das auch genauso vorgestellt, als er Ende 2012 der britischen Funk-‘n‘-Soul-Band Hannah Williams And The Tastemakers den Rücken kehrte: Eine Platte auf eigene Faust machen, alles reinlegen und dann weiterziehen.

Weiterlesen

Acht Brücken Festival: Über 50 Mal Wort und Ton

Stargaze_Foto Emanuel Florakis
Stargaze (Foto: Emanuel Florakis)

Musik ist Sprache und Sprache klingt immer wie Musik. Wie untrennbar diese beiden miteinander verwoben sind, zeigt das diesjährige Festival »Acht Brücken« in Köln.

Seit seiner Premiere im Jahr 2011 stellt das Festival »Acht Brücken« die Musik der Moderne ins Zentrum seines Programms. Bislang unbekannte Türen möchten seine Veranstalter dem Publikum aufstoßen, dabei für Unterhaltung im doppelten Wortsinn sorgen: zum einen für Unterhaltung durch die Musik, zum anderen über die Musik. Denn wo neue, spannende Ecken ausgelotet und beleuchtet werden, ist der Austausch über das gerade Erlebte nur die logische Konsequenz. Im Anschluss an Veranstaltungen früherer Jahre brummten die Garderoben vor lauter angeregten Gesprächen über das, was da zu hören gewesen ist. Auch 2017 wird das nicht anders sein.

Weiterlesen

Proberaumbesuch bei Fluid To Gas: Still On Air

Fluid To Gas_Foto Marc Gärtner
Foto: Marc Gärtner

Leidenschaft und Intensität sind das Fundament ihrer Musik. Seit vergangenem Herbst ist die Bonner Post-Hardcore-Institution Fluid To Gas ein Quartett.

Donnerstagabend am Rande der Bonner Altstadt: In einem Keller wird zwischen Boxentürmen, Gitarren, Bässen und einem Schlagzeug Pizza und Rotwein gereicht. Traditionell beginnt die Probe von Fluid To Gas mit gemeinsamem Essen. Die Gespräche drehen sich erst einmal gar nicht um Musik. Jeder erzählt, was ihn in den letzten Tagen bewegt hat, findet offene Ohren, streift das Draußen ab und ist spätestens mit dem letzten Bissen endgültig in diesem Paralleluniversum angekommen.

Weiterlesen

Powerpop aus Köln: Geradlinige Mighty Mouse

Schnüss Dezember 2016, Seite 32

Ein internationales Kollektiv drückt auf die Tube. Ende November erschien das vierte Album des Kölner Powerpop-Quartetts Keegan.

Stehen ein Engländer, ein Deutscher, ein Franzose und ein Österreicher im Proberaum … was klingt wie einer dieser stereotypbedienenden Witze, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Schilderung eines ganz normalen Abends im Leben der Kölner Band Keegan. »Wir waren schon immer eine international aufgestellte Gruppe. Der Vorgänger unseres französischen Bassisten Laurent war zum Beispiel Niederländer«, erzählt Andreas Plappert, Schlagzeuger der Band und in obiger Aufzählung der Österreicher. »Allerdings ist es nicht so, dass wir da besonders drauf achten. Köln ist eben sehr vielfältig und deswegen hat es sich irgendwie immer so ergeben.« Die Band als Spiegelbild ihrer multikulturellen Umgebung: Vom ersten Tag an war das so. Weiterlesen

Buchbesprechung: »Damaged Goods – 150 Einträge in die Punk-Geschichte«

ventil-verlag-damaged-goods

Der Punk, so munkelt man, wird in diesem Jahr 40 Jahre alt. Und der Ventil Verlag gratuliert ihm mit »Damaged Goods«, einem Buch gewordenen Mixtape.

Schon seit Januar ist in London der Teufel los. Englands Hauptstadt feiert den runden Geburtstag einer Bewegung, die ihr in jungen Jahren mächtig in die Straßen gepinkelt hat: Punk. Von offizieller Seite abgesegnet, läuft das Ganze auf den 26. November als Höhepunkt hinaus. An diesem Tag wurde dereinst die erste Sex-Pistols-Single veröffentlicht. »Anarchy in the UK« als Anlass einer riesigen Stadtmarketing-Kampagne: Sid Vicious würde staunen.

Joe Corré wiederum staunt nicht, sondern schäumt. Und weil ihn die offiziellen Geburtstagsfeierlichkeiten so zornig machen, wird der Sohn von Vivienne Westwood und Malcolm McLaren am Feiertag einen ganzen Haufen kostbarer Punk-Memorabilia verbrennen. Live ins Internet gestreamt. Was nützt, die beste, potentiell öffentlichkeitswirksame Rebellion, wenn es keine Öffentlichkeit gibt?

Aber zurück zum Punk-Geburtstag: Auf der anderen Seite des Atlantik hat man den Party-Zenit schon hinter sich. Denn was den einen ihr »Get pissed! Destroy!«, ist den anderen ihr »Shoot ’em in the back now!«. In den US of A gilt gemeinhin der 23. April als Punk-Stunde-Null – das Erscheinungsdatum des Ramones-Debüts. Ob April oder November, immerhin ist man sich dies- und jenseits des Atlantiks einig: Es war das Jahr 1976, in dem das mit dem Punk begann. Vier Jahrzehnte »No Future«, also. Gratulation! Weiterlesen

planlos.in: Schnitzeljagd per SMS

planlos-mit-herbert-und-franz-josef

Am Samstag war ich mit Franz-Josef Strauß und Herbert Wehner im ehemaligen Regierungsviertel von Bonn unterwegs. Die beiden hatten mich gebeten, für sie den Geist der alten Bundesrepublik zu suchen. Nur durch ihn könnten ihre Seelen die wohlverdiente ewige Ruhe finden. Und die Jagd nach dem Geist führte an einstmals mächtige Orte und zurück in Zeiten, als dort zwischen heutiger Museumsmeile und Rhein die Geschicke Deutschlands gelenkt wurden. Am Ende fanden Franz-Josef und Herbert tatsächlich Erlösung. Weiterlesen

Monophonics: Zukunftsfähiger Vintage-Sound

Monophonics Photo by John Lill
Foto: John Lill

Am 28.10. in der Bonner Harmonie, am 30.10. im Münsteraner Gleis 22: Die Monophonics sind mit ihrem Psychedelic Soul auf Tour.

»Eine der besten Live-Soul-Bands, die ich je gesehen habe.« Wenn Leute wie Al Bell solch ein Lob raushauen, kann man sich das gut und gerne einrahmen und an die Wand hängen. Zweifellos weiß Bell, wovon er spricht. Als Co-Besitzer des Labels Stax hat er schon einen ganzen Haufen Soul-Bands auf den Bühnen dieser Welt gesehen. Wenn die Monophonics für ihn aus diesem Haufen herausragen, ist das somit also mehr Ritterschlag als simples Lob. Vor allem ist das aber völlig nachvollziehbar.

Denn diese fünf Herren kommen live mit einer enormen Energie und Spielfreude um die Ecke. Und den Soul, den sie dem Publikum dabei vor die Füße jubeln, spielt in einer ganz eigenen, unverwechselbaren Liga – so eigen, dass wortgewandte Musikfreunde dafür sogar eine neue Genre-Schublade gebastelt haben: Psychedelic Soul. Weiterlesen