Proberaumbesuch bei Fluid To Gas: Still On Air

Fluid To Gas_Foto Marc Gärtner
Foto: Marc Gärtner

Leidenschaft und Intensität sind das Fundament ihrer Musik. Seit vergangenem Herbst ist die Bonner Post-Hardcore-Institution Fluid To Gas ein Quartett.

Donnerstagabend am Rande der Bonner Altstadt: In einem Keller wird zwischen Boxentürmen, Gitarren, Bässen und einem Schlagzeug Pizza und Rotwein gereicht. Traditionell beginnt die Probe von Fluid To Gas mit gemeinsamem Essen. Die Gespräche drehen sich erst einmal gar nicht um Musik. Jeder erzählt, was ihn in den letzten Tagen bewegt hat, findet offene Ohren, streift das Draußen ab und ist spätestens mit dem letzten Bissen endgültig in diesem Paralleluniversum angekommen.

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Powerpop aus Köln: Geradlinige Mighty Mouse

Schnüss Dezember 2016, Seite 32

Ein internationales Kollektiv drückt auf die Tube. Ende November erschien das vierte Album des Kölner Powerpop-Quartetts Keegan.

Stehen ein Engländer, ein Deutscher, ein Franzose und ein Österreicher im Proberaum … was klingt wie einer dieser stereotypbedienenden Witze, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Schilderung eines ganz normalen Abends im Leben der Kölner Band Keegan. »Wir waren schon immer eine international aufgestellte Gruppe. Der Vorgänger unseres französischen Bassisten Laurent war zum Beispiel Niederländer«, erzählt Andreas Plappert, Schlagzeuger der Band und in obiger Aufzählung der Österreicher. »Allerdings ist es nicht so, dass wir da besonders drauf achten. Köln ist eben sehr vielfältig und deswegen hat es sich irgendwie immer so ergeben.« Die Band als Spiegelbild ihrer multikulturellen Umgebung: Vom ersten Tag an war das so. Weiterlesen

Buchbesprechung: »Damaged Goods – 150 Einträge in die Punk-Geschichte«

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Der Punk, so munkelt man, wird in diesem Jahr 40 Jahre alt. Und der Ventil Verlag gratuliert ihm mit »Damaged Goods«, einem Buch gewordenen Mixtape.

Schon seit Januar ist in London der Teufel los. Englands Hauptstadt feiert den runden Geburtstag einer Bewegung, die ihr in jungen Jahren mächtig in die Straßen gepinkelt hat: Punk. Von offizieller Seite abgesegnet, läuft das Ganze auf den 26. November als Höhepunkt hinaus. An diesem Tag wurde dereinst die erste Sex-Pistols-Single veröffentlicht. »Anarchy in the UK« als Anlass einer riesigen Stadtmarketing-Kampagne: Sid Vicious würde staunen.

Joe Corré wiederum staunt nicht, sondern schäumt. Und weil ihn die offiziellen Geburtstagsfeierlichkeiten so zornig machen, wird der Sohn von Vivienne Westwood und Malcolm McLaren am Feiertag einen ganzen Haufen kostbarer Punk-Memorabilia verbrennen. Live ins Internet gestreamt. Was nützt, die beste, potentiell öffentlichkeitswirksame Rebellion, wenn es keine Öffentlichkeit gibt?

Aber zurück zum Punk-Geburtstag: Auf der anderen Seite des Atlantik hat man den Party-Zenit schon hinter sich. Denn was den einen ihr »Get pissed! Destroy!«, ist den anderen ihr »Shoot ’em in the back now!«. In den US of A gilt gemeinhin der 23. April als Punk-Stunde-Null – das Erscheinungsdatum des Ramones-Debüts. Ob April oder November, immerhin ist man sich dies- und jenseits des Atlantiks einig: Es war das Jahr 1976, in dem das mit dem Punk begann. Vier Jahrzehnte »No Future«, also. Gratulation! Weiterlesen

planlos.in: Schnitzeljagd per SMS

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Am Samstag war ich mit Franz-Josef Strauß und Herbert Wehner im ehemaligen Regierungsviertel von Bonn unterwegs. Die beiden hatten mich gebeten, für sie den Geist der alten Bundesrepublik zu suchen. Nur durch ihn könnten ihre Seelen die wohlverdiente ewige Ruhe finden. Und die Jagd nach dem Geist führte an einstmals mächtige Orte und zurück in Zeiten, als dort zwischen heutiger Museumsmeile und Rhein die Geschicke Deutschlands gelenkt wurden. Am Ende fanden Franz-Josef und Herbert tatsächlich Erlösung. Weiterlesen

Monophonics: Zukunftsfähiger Vintage-Sound

Monophonics Photo by John Lill
Foto: John Lill

Am 28.10. in der Bonner Harmonie, am 30.10. im Münsteraner Gleis 22: Die Monophonics sind mit ihrem Psychedelic Soul auf Tour.

»Eine der besten Live-Soul-Bands, die ich je gesehen habe.« Wenn Leute wie Al Bell solch ein Lob raushauen, kann man sich das gut und gerne einrahmen und an die Wand hängen. Zweifellos weiß Bell, wovon er spricht. Als Co-Besitzer des Labels Stax hat er schon einen ganzen Haufen Soul-Bands auf den Bühnen dieser Welt gesehen. Wenn die Monophonics für ihn aus diesem Haufen herausragen, ist das somit also mehr Ritterschlag als simples Lob. Vor allem ist das aber völlig nachvollziehbar.

Denn diese fünf Herren kommen live mit einer enormen Energie und Spielfreude um die Ecke. Und den Soul, den sie dem Publikum dabei vor die Füße jubeln, spielt in einer ganz eigenen, unverwechselbaren Liga – so eigen, dass wortgewandte Musikfreunde dafür sogar eine neue Genre-Schublade gebastelt haben: Psychedelic Soul. Weiterlesen

LuFo-Direktor Andreas Beitin: »Es wird politischer werden.«

Foto: Andreas Herrmann
Foto: Andreas Herrmann

Seit dem Frühjahr ist Andreas Beitin Direktor des Ludwig Forums. »Mies van der Rohe. Die Collagen aus dem MoMA« ist die erste Ausstellung, die er in dieser Funktion kuratiert. Ein kurzes Gespräch zum Start.

Herr Beitin, spüren Sie so etwas wie Lampenfieber?

»Total! Es ist immer besonders aufregend, in einem noch etwas ungewohnten Rahmen eine Ausstellung zu organisieren. Aber ich freue mich sehr auf die Herausforderung. Und ich habe ein tolles und engagiertes Team, das mich wunderbar unterstützt.«

Eine Ausstellung in der Schwebe zwischen Kunst und Architektur, mit zahlreichen Leihgaben aus einem der bedeutendsten Museen der Welt und mit einem lokalen Helden als Protagonisten: Umgangssprachlich nennt man das wohl einen Knallerstart, oder?

»Ja, das ist wirklich ein super Start und es ist mir eine große Freude, so eine ambitionierte Ausstellung, die ja noch von Frau Dr. Franzen initiiert worden ist, zusammen mit meinem Team umzusetzen und ihr meinen eigenen Akzent zu geben. Ich bin davon überzeugt, dass sie ein großer Erfolg wird und sie den Aachenern und allen anderen Besuchern sehr gefallen wird.«

Nach dem Start geht es ja weiter. Was kann Aachen von der »Ära Beitin« erwarten? Weiterlesen

»Mies van der Rohe«-Ausstellung im Ludwig Forum: Zusammengeworfene Visionen im virtuellen Raum

Mies van der Rohe: Bismarck Monument Projekt, Bingen 1910, Bildrechte: 2016 Artists Rights Society (ARS) New York/VG Bild-Kunst Bonn
Mies van der Rohe: Bismarck Monument Projekt, Bingen 1910, Bildrechte: 2016 Artists Rights Society (ARS) New York/VG Bild-Kunst Bonn

Mehr als nur Entwurfsskizzen eines großen Architekten: Das Ludwig Forum zeigt ab dem 27. Oktober die Collagen Mies van der Rohes als äußerst eigenständige Kunstobjekte.

Ein mächtiger Steinsockel ragt vom Felsen in Richtung Rhein. Auf seinem Buckel führt ein von Riesenpfeilern gesäumter Freigang zum Inneren eines steinernen Halbkreises, in dem ein Denkmal steht. Ludwig und sein älterer Bruder Ewald waren sich einig: »So soll es aussehen, das Bismarck-National-Denkmal in Bingerbrück.« Als Collage reichten die beiden ihren Beitrag zum Wettbewerb um die Gestaltung des Jahrhundert-Monuments ein. Und wählten somit eine Technik zur Darstellung ihres Entwurfs, die in jenen Tagen zu Beginn des 20. Jahrhunderts massiv an Bedeutung gewann.

Später sollte der jüngere der beiden Brüder zu einem der bedeutendsten Architekten eben jenes Jahrhunderts heranreifen. Und während seiner gesamten Schaffenszeit blieb Ludwig Mies van der Rohe der Collage als Medium treu, um seine Ideen und Visionen vom Neuen Bauen bildlich fassbar zu machen. Weiterlesen