Naked Lunch beim »Kulturfestival X«: Immer weitermachen

Naked Lunch_Foto Ingo Pertramer
Foto: Ingo Pertramer

Mal bergauf, mal bergab: Auf ihrem inzwischen 27 Jahre langen Weg hatten Naked Lunch im Sommer eigentlich einen Abstecher nach Aachen eingeplant. Der Plan: Im Musikbunker sollten Klagenfurt‘s Finest ihren Beitrag zum diesjährigen »Kulturfestival X« leisten. Das Konzert wurde inzwischen leider abgesagt.

Vielleicht wäre alles anders gelaufen, hätten sich die drei Teenager Oliver Welter, Peter Hornbogner und Georg Trattnig bei der Gründung ihrer Band nicht nach ausgerechnet diesem Buch benannt. »Naked Lunch« ist weniger ein Roman als ein Hieronymus-Bosch-Gemälde aus Buchstaben – eine Sammlung von Visionen und Halluzinationen, von abstrusen Erzählungen, deren ursprünglicher Lektor nach der Hälfte das Handtuch warf. Er bekam Albträume von dem Stoff.

Es spricht Bände, dass Autor William S. Burroughs zum Teil real Erlebtes in diesem Buch verarbeitet hat. Und dessen von Dramen und Tragödien gesäumte Lebensabschnitte scheinen an die Band weitervererbt worden zu sein, die den Namen seines literarischen Hauptwerks trägt. Auch der Weg von Naked Lunch aus Klagenfurt ist seit deren ersten Tagen zu Beginn der 1990er-Jahre alles andere als hindernislos verlaufen.

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The Notwist beim »Kulturfestival X«: Planlose Klangtüftler

The Notwist_Foto Patrick Morarescu
Foto: Patrick Morarescu

Für viele der Inbegriff einer deutschen Indie-Band und für noch mehr eines der besten Live-Erlebnisse überhaupt: In bald drei Jahrzehnten haben sich The Notwist in mehrfacher Hinsicht eine Sonderstellung erarbeitet.

Nein, einem Plan, so ließ Markus Acher erst neulich verlauten, einem wirklichen Plan sind sie noch nie gefolgt; er, sein Bruder Micha und die gemeinsame Band. »Wenn überhaupt, war der einzige Plan, Platten zu machen, die wir uns selbst gerne anhören würden.« Seit ihrer Gründung im Jahr 1989 sind The Notwist in diesem Sinne unterwegs: immer dem musikalischen Bauchgefühl nach, dem Gespür für das, was gerade genau richtig ist. Ganz am Anfang waren das noch schroff ballernde Gitarren zwischen Hardcore-Punk und Metal.

Doch schon bald kamen klangliche Verfeinerungen dazu, elektronisches Grundrauschen, melodische Anleihen aus dem Pop, aber auch Elemente aus dem Jazz. Die Elektronik nahm ab der Jahrtausendwende sogar noch weiter zu, während sich die Gitarren zumindest in Sachen Lautstärke mehr und mehr zurücknahmen.

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Escape Rooms in Endenich: Eine Stunde Kopfzerbrechen

Fluchtgefahr
Foto: Fluchtgefahr

Eingesperrt und 60 Minuten, um zu entkommen: In Endenich unterhalten gleich zwei Anbieter sogenannte Escape Rooms.

Geheimnisvolle Symbole an der Wand, ein paar Kippschalter und eine stumme Haustürklingel. Um in diese Villa in der Endenicher Straße zu gelangen, muss man erst einmal ein Rätsel lösen. Nur wer die Schalter in die richtigen Positionen kippt, kann der Klingel einen Laut entlocken. Das geht ja gut los. Codes entschlüsseln, Kniffliges durchschauen, Verborgenes ans Licht holen: Die Gäste dieses Hauses haben genau solche Dinge im Sinn. Ist die Tür erst knackt, warten dahinter gleich mehrere Stockwerke voller Geheimnisse und Herausforderungen.

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Tubes & Wires beim Jazzfest Bonn: Tanz der Texturen

Tubes & Wires_Foto Ulla C Binder
Foto: Ulla C. Binder

Mit Tubes & Wires kommt eine Band zum Jazzfest Bonn, die sich in vielfacher Hinsicht im Schwebezustand befindet: zwischen Jazz und Rock, zwischen Sound- und Melodieorientierung, zwischen Komposition und Improvisation, zwischen analog und elektronisch, zwischen Röhren und Kabeln.

Keine Frage, Niels Klein ist Jazzmusiker. Und was für einer. Als Saxophonist hat der gebürtige Hamburger Preise wie den Echo oder den Europäischen Komponistenpreis der Stadt Berlin gewonnen. Gemeinsam mit sechs weiteren brillanten, jungen Jazzern hat der heute 38-Jährige im Herbst 2010 in seiner Wahlheimat Köln das Kollektiv Klaeng gegründet, das seither als Label und Konzertveranstalter dazu beiträgt, die Stadt zu einer der Zentralen der deutschen Jazz-Szene zu machen. Klein spielt in etlichen Formationen, trägt seit 2011 die Verantwortung für das Bundesjugendjazzorchester und hält seit vergangenen Herbst eine Professur für Jazzsaxophon an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln inne. Niels Klein prägt den deutschen Jazz auf vielen Ebenen.

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Ephemerals: Alles außer kurzlebig

Ephemerals_Foto Umberto Lopez
Foto: Umberto Lopez

Sie spielen zeitgenössischen Soul auf knackigem Vintage-Fundament: Ende April sind die Ephemerals zu Gast im Gleis 22 in Münster.

Wenn es allein nach ihrem Namen ginge, dürfte es diese Band eigentlich längst schon nicht mehr geben. Ephemerals, das sind die Kurzlebigen – Pflanzen, zum Beispiel, die einmal kräftig blühen und danach vergehen. Es ist nicht exakt überliefert, aber vielleicht hatte sich Hillman Mondegreen das auch genauso vorgestellt, als er Ende 2012 der britischen Funk-‘n‘-Soul-Band Hannah Williams And The Tastemakers den Rücken kehrte: Eine Platte auf eigene Faust machen, alles reinlegen und dann weiterziehen.

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Acht Brücken Festival: Über 50 Mal Wort und Ton

Stargaze_Foto Emanuel Florakis
Stargaze (Foto: Emanuel Florakis)

Musik ist Sprache und Sprache klingt immer wie Musik. Wie untrennbar diese beiden miteinander verwoben sind, zeigt das diesjährige Festival »Acht Brücken« in Köln.

Seit seiner Premiere im Jahr 2011 stellt das Festival »Acht Brücken« die Musik der Moderne ins Zentrum seines Programms. Bislang unbekannte Türen möchten seine Veranstalter dem Publikum aufstoßen, dabei für Unterhaltung im doppelten Wortsinn sorgen: zum einen für Unterhaltung durch die Musik, zum anderen über die Musik. Denn wo neue, spannende Ecken ausgelotet und beleuchtet werden, ist der Austausch über das gerade Erlebte nur die logische Konsequenz. Im Anschluss an Veranstaltungen früherer Jahre brummten die Garderoben vor lauter angeregten Gesprächen über das, was da zu hören gewesen ist. Auch 2017 wird das nicht anders sein.

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Proberaumbesuch bei Fluid To Gas: Still On Air

Fluid To Gas_Foto Marc Gärtner
Foto: Marc Gärtner

Leidenschaft und Intensität sind das Fundament ihrer Musik. Seit vergangenem Herbst ist die Bonner Post-Hardcore-Institution Fluid To Gas ein Quartett.

Donnerstagabend am Rande der Bonner Altstadt: In einem Keller wird zwischen Boxentürmen, Gitarren, Bässen und einem Schlagzeug Pizza und Rotwein gereicht. Traditionell beginnt die Probe von Fluid To Gas mit gemeinsamem Essen. Die Gespräche drehen sich erst einmal gar nicht um Musik. Jeder erzählt, was ihn in den letzten Tagen bewegt hat, findet offene Ohren, streift das Draußen ab und ist spätestens mit dem letzten Bissen endgültig in diesem Paralleluniversum angekommen.

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