Kopflos glücklich

unten am fluss Kopflos glücklichEin Unternehmen muss hierarchisch strukturiert sein. Es braucht eine Strategie und Ziele. Diese altgedienten Ansichten werden in der Gegenwart kontrovers diskutiert. Mancher Experte hält sie für schlicht überholt. Und präsentiert Gegenentwürfe.

Der Kopf denkt und der Körper macht. Seit Jahr und Tag wird dieses einfache Prinzip der Aufgabenteilung in Unternehmen rund um den Globus angewandt. Im Management sitzen die Planer und Strategen, deren Ideen von den Angestellten umgesetzt werden. Von der Budgetierung über die Produktion bis hin zu den Absatzwegen wird den Mitarbeitern alles bis ins Detail vorgedacht und -gegeben. Auf den Hierarchieebenen unterhalb des Managements ist Hinterfragen meist unerwünscht. Der Körper denkt nicht, er soll machen.

Roger Martin gefällt diese Herangehensweise nicht. Nach Ansicht des 56-Jährigen bewirkt diese strikte Trennung zwischen Strategie und Ausführung nur Negatives. Angestellte fühlen sich weder wahr- noch ernstgenommen. Dabei wären gerade sie prädestiniert, in ihren Teilbereichen kurzfristige Entscheidungen zu treffen. Weil deren Notwendigkeit aus unmittelbarer Nähe besser zu beurteilen ist als von ganz oben. In diesem Zusammenhang plädiert Martin für ein Umdenken in Sachen Unternehmenskultur. Der Wirtschaftswissenschaftler, Dekan der Rotman School of Management an der Universität von Toronto, möchte die leidige Körpermetapher durch eine andere ersetzt wissen – das Unternehmen als Fluss.

Dabei soll das Management durchaus noch als strategischer Vordenker fungieren, als Quelle, um im Bild zu bleiben. Die eigentliche Veränderung setzt erst danach ein: Jeder Angestellte erhält die Möglichkeit, sich aktiv in die Gestaltung der Pläne einzubringen. Wie Stromschnellen, etwa, die den grundsätzlichen Lauf des Flusses nicht verändern, immerhin aber seine Geschwindigkeit. Dass Roger Martin mit diesem niedlich wirkenden Vergleich vor allem auf Führungsetagen wenig Freunde findet, liegt auf der Hand. In der Praxis bedeutet die Flussmetapher, dass das Denkmonopol der Oberen Zehntausend aufgeweicht wird. Mit anderen Worten: Machtverlust.

Auch Niels Pflaeging rennt mit seinen Ideen nicht gerade offene Türen ein. Der Ansatz des 40-jährigen Diplomökonoms ähnelt dem von Roger Martin. Seine Schlussfolgerungen hingegen sind um einiges radikaler. Ginge es nach Pflaeging, gehörte langfristige Planung der Vergangenheit an. Strategien und Budgetierungen hält er für nicht mehr zeitgemäß. Zu rasant und unbeeinflussbar seien die Veränderungen am Markt heutzutage, als dass man mit einer starren Ausrichtung noch darauf reagieren könnte. Pflaeging propagiert eine Verteilung der Verantwortung auf alle Mitarbeiter, sowie Vertrauen in deren Urteilsvermögen. Nur mit maximaler Flexibilität seien Unternehmen noch sinnvoll zu führen.

Konsequent zu Ende gedacht, würde dies jede Form von Management überflüssig machen. Zwar werden Pflaegings Ideen nicht zuletzt von der Fachpresse begeistert aufgenommen. Eine breitflächige Umsetzung in die Realität wird aber noch einige Zeit und Überzeugungsarbeit in Anspruch nehmen. Wenn sie überhaupt machbar ist. Schließlich sind es eben die Manager, die solcherlei Veränderungen im jeweiligen Unternehmen anstoßen müssten. Und wer fragt schon die Frösche, wenn er den Teich trocken legen möchte?

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1zwo3: Kleine Nachlese zum Ausstellungsbesuch

eule 1zwo3: Kleine Nachlese zum AusstellungsbesuchAm Wochenende habe ich in der Bonner »Fabrik 45« eine Ausstellung besucht, in der Bilder des Streetart-Künstlers 1zwo3 gezeigt wurden. Weil ich vorher Kontakt zu ihm aufgenommen hatte, habe ich ihn bei der Gelegenheit auch treffen können. Als Ergebnis unseres Gesprächs habe ich einen Artikel geschrieben, in dem die Person hinter den Bildern ein wenig beleuchtet wird und der in der Juli-Ausgabe der »Schnüss« erscheinen wird. Gemäß Vereinbarung werde ich den Artikel erst online stellen, wenn das Magazin erschienen ist – demnach Anfang Juli. Ein paar Kleinigkeiten, die mangels Platz nicht im Artikel untergekommen sind, erzähle ich aber einfach jetzt schon mal. Vielleicht sind das ja genau die Kleinigkeiten, die irgendjemanden am meisten interessieren. Und die irgendjemand sonst unter Umständen niemals erfahren würde.

Die Vorgeschichte
spidermanxxl 1zwo3: Kleine Nachlese zum AusstellungsbesuchSchon als Jugendlicher hat sich 1zwo3 für Streetart interessiert, genauer gesagt für Graffiti. Im Alter von 14 oder 15 hat er sich kurz auch selbst an der Sprühflasche probiert. Gescheitert ist der Versuch am fehlenden technischen Know-How. Dass es am Talent nicht gelegen haben kann, zeigen die Bilder, die er heutzutage malt und klebt. Nach der Episode ließ er den Gedanken, den Ort, an dem er lebt, optisch aktiv mitzugestalten, erst einmal für längere Zeit ruhen. Mitte der 00er-Jahre sah er in Hannover Bilder des Paste-up-Künstlers »Arrgh«, der die Stadt seinerzeit mit riesigen Augen bekleisterte. Die Bilder gefielen 1zwo3. Die Technik gefiel ihm auch. Er tat erst einmal gar nichts. Bis er im Frühjahr 2010 selbst zu Stift, Tapete und Kleistereimer griff. Und es seitdem immer wieder tut.

Der Name
»1zwo3« steht für die drei Arbeitsschritte, mit denen er jedes seiner Bilder – bis auf zwei Ausnahmen allesamt Einzelstücke – erschafft. 1: Idee haben, zwo: Malen, 3: Kleben. Das ist die offizielle Erklärung, die entstand, als ein Journalist einmal nach der Bedeutung des Künstlernamens fragte. Inoffiziell könnte es aber auch sein, dass dem Künstler die Zahlen-Buchstaben-Kombination auf der Suche nach einem Pseudonym einfach so gut gefallen hat, dass er sich kurzerhand für sie entschied. Ohne sonstige Hintergedanken oder Assoziationen.

Ein paar Zahlen und Fakten zur Ausstellung
47 Meter Tapete wurden für die Ausstellung verbraucht, 29 Stifte, 97 Tesa-Poster-Strips (»Ich weiß das so genau, weil in einer Packung 96 drin sind.«) und 5 Meter Klebeband. Die Vorbereitung hat insgesamt drei Wochen gedauert.

Augenzeugenberichte
Ellebil war in der Fabrik 45.
Christiane auch.

Und jetzt noch ein paar Bilder:

atatfamilie 1zwo3: Kleine Nachlese zum Ausstellungsbesuch

obamabush 1zwo3: Kleine Nachlese zum Ausstellungsbesuch

yourshit 1zwo3: Kleine Nachlese zum Ausstellungsbesuch

mickey 1zwo3: Kleine Nachlese zum Ausstellungsbesuch

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Performancekunst: Dekonstruktion und Zusammenführung

walk this way Performancekunst: Dekonstruktion und ZusammenführungMit einer mehrstündigen Mammut-Performance beteiligt sich die Künstlerin Walpurga Pauels an der diesjährigen »Langen Nacht der Museen«. Als Kulisse für ihre Darbietung dienen die Galerie S., das Couven Museum, das Ludwig Forum und immer wieder auch der städtische Raum dazwischen.

Nein, ein spezielles Fitness-Programm hat Walpurga Pauels nicht absolviert, um sich auf ihre Performance »Cutis Chrysalis« vorzubereiten. Dabei hat sich die gebürtige Aachenerin und heutige Wahlberlinerin für die »Lange Nacht der Museen« einiges vorgenommen. Insgesamt sechsmal wird sie den Weg von der Galerie S. zum Ludwig Forum absolvieren, um jeweils eine, eigens für diesen Zweck kreierte, lebensgroße Menschenfigur vom einen an den anderen Ort zu transportieren. Eine vorsichtige Schätzung ergibt eine Wegstrecke von gut 15 Kilometern. »Via dolorosa«, Leidensweg, nennt Pauels diesen wahrscheinlich anstrengendsten Part ihrer Darbietung konsequenterweise. Kunst darf manchmal eben auch wehtun. Immerhin hat sie bereits im Vorfeld von der Idee Abstand genommen, den kompletten Weg auf ihren Knien zurückzulegen. Der Leidensweg ist der zweite von vier Teilen, aus denen »Cutis Chrysalis« insgesamt besteht.

Ihren Anfang findet die Performance in der Galerie S. am Hof. Dort werden die sechs Figuren – Kokonanmutungen aus Baumwollfäden und Leim – in einer Krippenkonstellation stehen. Vater, Mutter, vier Kinder: die »Heilige Familie«. »Heilig nicht nur im kirchlichen Sinne«, sagt Walpurga Pauels. »Es geht auch um das Heile, das Intakte.« Und aus dieser Intaktheit wird sie das Sextett mit und mit lösen. Ab 18:00 wird sie mit der Dekonstruktion der heilen Familie beginnen. Mal Huckepack, mal per Schubkarre oder ÖPNV wird ein Mitglied nach dem anderen ins Ludwig Forum gebracht und dort geparkt werden. Unterwegs werden verschiedene Stationen angelaufen, um ein Erinnerungsfoto zu schießen. Der Vater, alias »Künig Lepus«, etwa im Rotlichtbereich der Antoniusstraße, die Mutter Eva an einer Notfallapotheke, eines der Kinder in einem Restaurant. »Ich werde die einzelnen Figuren in meiner Rolle als weiße Braut ins Leben hineinführen«, erklärt die Künstlerin. Sie ist gespannt darauf, wie das Leben in Form der unvorbereiteten Passanten auf sie und ihre Figuren reagieren wird.

»Durch das Erlebte werden die Figuren eine Metamorphose erfahren.«

Etwa ein halbes Jahr hat die Vorbereitung von »Cutis Chrysalis« gedauert. Jede Figur hat in ihrer Entstehung etwa einen Monat beansprucht. Für deren Hineinführen ins Leben veranschlagt Walpurga Pauels jeweils eine Stunde. Zuletzt wird »Amor Amok« am Ludwig Forum geparkt werden, ein Baby mit Flinte. Mit dessen Ankunft gegen Mitternacht endet der Leidensweg und die dritte Phase der Performance beginnt: der »Run«. Bei diesem wird Pauels die Familie wiedervereinigen, sie nacheinander von ihren zwischenzeitlichen Standorten holen und zu einer Familienaufstellung zusammenführen. Oder besser: zu einer Familienaufhängung. Denn mittels Haken werden die Figuren in einen Schwebezustand versetzt. Ziemlich genau 4 Minuten und 46 Sekunden wird dieser Vorgang dauern. Das ist die Dauer des Musikstücks, das Pauels währenddessen über Kopfhörer hören wird. Interessierte Besucher im Besitz eines Smartphones erhalten einen Link, unter dem sie an der Musik teilhaben können.

Walpurga Pauels: »Durch das Erlebte werden die Figuren eine Metamorphose, eine auratische Veränderung erfahren.« Und diese soll abschließend auch in einem Bild festgehalten werden, im »Hochzeitsfoto«, dem vierten Teil der Performance, auf dem die Figuren, ihre weiße Braut und die Besucher zu sehen sein werden. »Das Gesamtbild kann dabei vielleicht auch ein erschöpftes sein.« In Anbetracht der Länge und Intensität von »Cutis Chrysalis« ist gerade das durchaus denkbar.

Die Veranstaltung: Walpurga Pauels »Cutis Chrysalis« – 8. Juni 2013, verschiedene Orte und Uhrzeiten

Wie das Interview mit Reno Schnell entstand auch dieser Vorbericht für den »Klenkes«.

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»Electric America«: Freies Land, freie Improvisation

reno schnell »Electric America«: Freies Land, freie ImprovisationIhre Finger gehören zum Besten, das Saiten mindestens in Europa passieren kann. Wegen ihrer Virtuosität, ihrer Bühnenpräsenz und ihrem Spielgefühl genießt die Gitarristin Reno Schnell Respekt und Bewunderung bei Experten und Fans gleichermaßen. Sonst Mitglied des Peter Sonntag Quartetts und von Final Virus, wird sie während der »Langen Nacht der Museen« im Ludwig Forum ohne Begleitung auftreten. »Nur die E-Gitarre, die Kunst und ich«, sagt sie selbst über ihre Solo-Performance »Electric America«.

Deine Auftritte werden sozusagen den Soundtrack zu den beiden Ausstellungen »Michael E. Smith« und »Die anderen Amerikaner« bilden. Hast Du zur Einstimmung schon irgendetwas davon gesehen?

»Ja, habe ich tatsächlich. Nicht auf der Suche nach Inspiration, sondern aus reinem Interesse an der Kunst. Und was ich gesehen habe, fand ich toll. Die Bilder haben mich sehr angesprochen.«

»Electric America«: Der Titel weckt Assoziationen zu Jimi Hendrix. Wirst Du bei der »Langen Nacht der Museen« musikalisch zwischen Electric Ladyland und dem zerhackten Star Spangled Banner wandeln?

»Ich werde an diesem Abend frei improvisieren und mich dabei thematisch an amerikanische Musik anlehnen, sie mit meinem Duktus interpretieren, sie vielleicht stellenweise auch zitieren. Hendrix mit seinem wilden Spielgefühl käme da sicherlich in Frage, genau wie Zappa oder Lou Reed, der mit seiner Nähe zu Andy Warhol und dessen Kunst ohnehin gut zu einem Auftritt im Ludwig Forum passen würde. Aber das wird, wie gesagt, eher ein Anlehnen. Konkrete Songs werde ich nicht covern.«

Gehst Du den Abend denn völlig frei an? Ohne irgendeine Vorbereitung oder spezielle Proben?

»Das eine oder andere Thema werde ich mir vorher schon anschauen. Konkret auf die Auftritte hinarbeiten werde ich allerdings nicht. Einfach anfangen und fließen lassen, lautet die Devise. Diese künstlerische Freiheit wird mir von den Veranstaltern eingeräumt. Und Improvisation lebt ja gerade vom Freien und Spontanen. Davon, dass man sich auch auf die Eindrücke einlässt, die gerade um einen herum entstehen: die Bilder an den Wänden, das Publikum und seine Reaktion. Auch der Raum wird zusammen mit der Gitarre einen besonderen Klang erzeugen. Ich bin selbst sehr gespannt, was sich daraus entwickeln wird.«

Die Veranstaltung: Reno Schnell »Electric America« – 8. Juni 2013, 20:30, 21:30 und 22:30 im Ludwig Forum für Internationale Kunst

Das Interview mit Reno Schnell habe ich im Vorfeld der »Langen Nacht der Museen« für den »Klenkes« geführt.

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TweetUp: Telefone raus. Museumsbesuch!

20130515 190133 TweetUp: Telefone raus. Museumsbesuch!Was am 15. Mai abends im Kunstmuseum Bonn passierte, hatte das Haus und die gesamte Bonner Museenlandschaft noch nicht erlebt: ein Museums-TweetUp.

Ein Medienwandel ist in vollem Gange. Wer es heutzutage darauf anlegt, kann dank Internet immer und überall seine Netzwerke pflegen, auch über einige Entfernung in Echtzeit kommunizieren oder Informationen austauschen. Seit geraumer Zeit beschäftigt sich der Bonner Kunsthistoriker Helge David mit der Frage, welche Möglichkeiten daraus für die Kultur erwachsen. Wie man gerade Museumsinhalte in die digitale Welt erweitern kann. 2012 hatte der Gründer von openmuseum.de bereits eine Heinrich-Hertz-Ausstellung des Deutschen Museums Bonn mittels Smartphone-Schnitzeljagd in das Stadtbild der Bundesstadt transportiert.

Mit dem Kunstmuseum Bonn hat er Ende April einen Partner für sein nächstes Projekt gefunden: ein Museums-TweetUp. Bei einem solchen geführten Museumsbesuch ist es den Teilnehmern ausdrücklich gestattet, die eigenen Eindrücke unmittelbar per Twitter zu schildern. Ob augenzwinkernd oder bierernst, ob Kurztext oder Foto: Erlaubt ist, was gefällt. Und was sonst in einem solchen Kontext verpönt ist. Das Ganze geschieht unter einem gemeinsamen Hashtag und ist somit auch für Außenstehende gebündelt zu verfolgen. Weltweit erfreut sich dieses Konzept zunehmender Beliebtheit. Seit Mitte Mai gehört Bonn nun also auch zu den deutschen Städten, in denen Hochkultur und neue Medien auf diese Art miteinander verknüpft werden. Rund 30 Kulturinteressierte waren Davids Einladung zur Premiere im Kunstmuseum Bonn gefolgt.

20130515 191921 TweetUp: Telefone raus. Museumsbesuch!Dort erwartete sie eine äußerst spannende einstündige Führung durch die aktuelle Ausstellung »HEIMsuchung«, deren Titel auch gleich als Hashtag fungierte. Während die beiden Kuratoren Volker Adolphs und Stephan Berg die einzelnen Exponate und Installationen näher erläuterten, schwirrten die Gedanken, Empfindungen oder Fotos ihrer Zuhörer im Dutzend hinaus ins Netz, wo sie von Neugierigen zuhauf angeschaut wurden. Und um das einmal explizit zu erwähnen: TweetUps sind mitnichten nur Bespaßungsmaßnahmen für internetaffine Kulturfreunde oder Daueronliner. Die insgesamt 199 Tweets, die alleine während der Stunde im Museum abgesetzt wurden, fanden in ganz Deutschland Gehör. Insgesamt verfügten die Teilnehmer zum Zeitpunkt der Besichtigung über 46.950 Follower. Eine Reichweite, die derlei Veranstaltungen zu einem interessanten, zukunftsfähigen Marketingkonzept für Museen und andere kulturelle Einrichtungen macht. Rückmeldungen trafen während des Abends und im Laufe der nächsten Tage aus dem gesamten Bundesgebiet ein – natürlich ebenfalls per Twitter. Am Ende kamen rund 400 Tweets zusammen, die tausendfach gelesen wurden und der »#HEIMsuchung« dadurch im Netz einige Aufmerksamkeit verschafften. Manch ein Abwesender bekundete sein Interesse, die Ausstellung dank des Gelesenen unbedingt besuchen zu wollen. Auch ein Großteil der Teilnehmer selbst gab am Ende des Abends zu Protokoll, die Ausstellung »noch einmal in Ruhe anschauen« zu wollen.

Denn bei allem Spaß, den ein solches TweetUp bereitet: Mit Ruhe hat es selbst für geübte Multitasker nichts zu tun. Eingabe, Verarbeitung, Ausgabe funktionieren nicht gleichzeitig. Zumindest nicht über einen längeren Zeitraum. Dass man darum nicht alle Details der Führung mitbekommt, konnten und können die meisten TweetUpper dennoch verschmerzen. Denn zum einen gehört das zu ihrer selbst gewählten Rolle während einer solchen Veranstaltung: Statt normaler Besucher ist man für kurze Zeit stellvertretendes Ohr und Auge für die Welt da draußen und vor allem seine Follower. Und zum anderen kann man alles Verpasste später noch einmal bei Twitter nachlesen. Danke, Internet!

(Ich bitte darum, die vergleichsweise pixelige Bildqualität zu entschuldigen. Die Lichtverhältnisse während des TweetUps haben entweder meine Kamera oder mich überfordert. Wahrscheinlich sogar uns beide.)

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Oh, ein Stöckchen

Seit einiger Zeit werden sogenannte Stöckchen in diesem Internet herumgeworfen. Bislang hatte ich auf diversen Seiten immer mal wieder davon gelesen, beziehungsweise das gelesen, was dabei herauskam: Beiträge zur Arbeitsweise desjenigen Blogbetreibers, derjenigen Blogbetreiberin oder des jeweiligen Autorenkollektivs, zum Beispiel. Jetzt habe ich auch so ein Stöckchen vor den Kopf bekommen. Der 11punkt-Verlag hat es geworfen. Und das hier ist, was ich daraus mache:

1. Blogger-Typ
Ich würde mich zu weiten Teilen der Kategorie Impulsblogger zuordnen. Wenn es mich überkommt, schreibe ich etwas. Einem festen Zeitplan folge ich dabei nicht. Thematisch dreht sich das Geschriebene dann zumeist um die Themen Fußball und (Pop-)Kultur. Oder sie haben mit Geschehnissen aus der virtuellen Welt zu tun, die ich irgendwo aufgeschnappt und dann nachgehakt habe. Da ich auch beruflich mit Buchstaben zu tun habe, kann es auch immer wieder mal passieren, dass ich Texte, die in diesem Kontext entstanden sind, in mein Blog packe. Etwa, wenn sie aus welchen Gründen auch immer gar nicht oder nur in gekürzter Form veröffentlicht worden sind. Und wenn sich hier seit Ewigkeiten nichts bewegt hat, haue ich auch schon einmal einen Text hier hinein, der noch auf meiner Halde herumlag – der ist dann meist ein wenig alt, aber in meinen Augen nicht veraltet. Sonst würde ich ihn ja niemandem vorsetzen.

2. Gerätschaften digital
Ich schreibe an meinem Laptop, besitze ein Smartphone und ein Tablet, die beide Androiden sind. Zwar benutze ich die beiden in allerlei Lebenslagen, beim Bloggen kommen sie aber nicht zum Einsatz. Das kriegen besagter Laptop und ich ganz gut alleine hin. Für Interviews, die allerdings meist bei meinen Auftraggebern und nur selten hier veröffentlicht werden, aktiviere ich manchmal auch noch mein MP3-Diktiergerät.

3. Gerätschaften analog
Zum Schreiben benutze ich einen Füller, den mir vor einiger Zeit meine Freundin geschenkt hat – das »graue Einhorn« (Ergänzung, da jemand explizit nachfragte: Das ist der Spitzname des Füllers, nicht der Freundin). Und mit dem mache ich mir Notizen auf so ziemlich jedem Stück Papier, das nicht bei drei auf den Bäumen ist. Die eine oder andere Notiz-App habe ich beizeiten ausprobiert. Über handschriftliches Gekritzel geht mir bislang nichts. Ansonsten ist der große Block für Rechercheergebnisse und Textpassagen, die mir unterwegs einfallen, während sich die kleinen Notizbüchlein um spontane Gedankenfetzen und ähnliches kümmern.

4. Arbeitsweise
Wie gesagt, einem Zeitplan folge ich beim Schreiben hier nicht. Wenn sich etwas ergibt, ergibt sich etwas. Beruflich sieht es meistens so aus: Auftrag annehmen, Recherche, Gesprächspartner kontaktieren und sprechen, schreiben, abliefern, fertig. Oder: an Thema festbeißen, Recherche und so weiter, geschriebenen Artikel anbieten, Deal or no Deal, fertig. Wenn ein Artikel hier veröffentlicht wurde, bewerbe ich ihn noch ein wenig in den verschiedenen sozialen Netzwerken. Es sei denn, ich vergesse das. Kam auch schon einige Male vor.

5. Welche Tools nutzt du zum Bloggen, zum Recherchieren und zur Bookmark-Verwaltung?
Ich nutze WordPress auf dieser Seite. Spontane Beiträge schreibe ich unmittelbar ins Backend. Muss ein Text erst noch etwas gären, wird er in einem Word-Dokument zwischengeparkt und da immer wieder bearbeitet, bis er mir schmeckt. Und was ich zum Recherchieren benutze? Suchmaschinen, Bücher und Magazine, meine Augen und Ohren bei Ortsterminen, manchmal (und dann auch nur als Ausgangspunkt und nicht unhinterfragt) Wikipedia und immer wieder das gute alte Telefon. Bookmark-Verwaltung betreibe ich direkt im Browser, indem ich jedem potenziellen Artikel einen eigenen Lesezeichenordner einrichte. Mancher Ordner liegt da seit Jahren herum, weil der zugehörige Text es (bislang?) nicht über den »Da könnte ich auch mal drüber schreiben«-Status hinaus geschafft hat. Ach ja, Instapaper kommt auch manchmal zum Einsatz. Aber eher selten.

6. Wo sammelst du deine Blogideen?
Unterwegs. Sei es im Internet oder auf der Straße. Manche Textideen werden zudem von außen an mich herangetragen. Ob ich denen dann nachgehe, entscheide ich von Fall zu Fall. Mal kriegt mich eine Idee, mal eben nicht. Und dann gibt es da noch Themen, die einfach nicht passen, so gut die Idee auch sein mag. Seltsam, wie Leute beispielsweise darauf kommen, ich könnte doch mal über Hundeerziehung schreiben.

7. Was ist dein bester Zeitspar-Trick/Shortcut fürs Bloggen/im Internet?
Da stehe ich leider mit leeren Händen da. Zeitspar-Tricks sind bestimmt super. Nur leider habe ich keine auf der Pfanne.

8. Benutzt du eine To-Do-List-App?
Ich habe eine Zeit lang mit Astrid herum experimentiert. (Ist die phonetische Nähe zu Arschtritt von deren Machern eigentlich gewollt?) Irgendwann haben wir uns aber auseinandergelebt. Seitdem übernimmt der Kalender meines Smartphones den Job. Oder einer der Zettel, die nicht schnell genug auf den Bäumen waren. Dann allerdings ohne Erinnerungsfunktion.

9. Gibt es neben Telefon und Computer ein Gerät, ohne das du nicht leben kannst?
Meine Fotos sind nicht der Knüller. Ohne Kamera zu leben, würde mir trotzdem schwer fallen. Ohne Solemate auch. Das ist eine Bluetooth-Box, die es geschafft hat, meinen Musikkonsum noch zu steigern. Seitdem ist immer und überall Musik. Herrlich!

10. Gibt es etwas, das du besser kannst als andere?
Ich schreibe gerne Porträts und bastel gerne Bildunterschriften. Ob ich das besser kann als andere, möchte ich nicht beurteilen. Schön wäre es allerdings. Denn ich mach das schon mehr als ziemlich gerne.

(Neulich meinte jemand, meine Texte hätten einen bestimmten Rhythmus und Flow, der für ein außerordentliches Sprachgefühl spräche. Ich kann und will mich dieser Meinung nicht anschließen. Aber erwähnen kann man es ja mal.)

11. Was begleitet dich musikalisch beim Bloggen?
Das variiert nach Tagesform. Was beim Schreiben selber nie geht, ist deutschsprachige Musik. Ständig spüre ich dann die Versuchung, Textpassagen in meine Artikel einzubauen. Was demzufolge immer geht, ist Instrumentalmusik – Mogwai, zum Beispiel. Die sollten ohnehin von viel mehr Menschen gehört werden.

12. Wie ist dein Schlafrhythmus – Eule oder Lerche?
Zur Lerche umgeschulte Eule. Eigentlich bin ich nachts gut zu gebrauchen. Aber im Sinne eines geordneten Berufslebens habe ich das ein wenig umgestellt. Die meisten Gesprächspartner oder geschäftlichen Kontakte sind eben tagsüber besser zu erreichen.

13. Eher introvertiert oder extrovertiert?
Bei Freunden und Bekannten definitiv extrovertiert. Bin ich irgendwo neu, hingegen introvertiert. Bis ich dann den Großteil der Anwesenden unter »Freunde und Bekannte« eingeordnet habe. Dann gibt es kein Halten mehr.

14. Wer sollte diese Fragen auch beantworten?
Ich werfe das Stöckchen weiter an die Damen und Herren von Social Media Aachen und an Helge David.

15. Der beste Rat, den du je bekommen hast?
»Wenn man schießen will, dann soll man schießen. Und nicht quatschen!«

16. Noch irgendetwas Wichtiges?
Eigentlich nicht.

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Wir sind dann mal weg

tsv bei viktoria Wir sind dann mal wegSeit einigen Wochen macht in Aachen ein Witz die Runde, der mit einer seltsamen Frage beginnt: Was ist der Unterschied zwischen Felix Baumgartner und der Alemannia? Nach dem obligatorischen Schulterzucken des Gegenübers folgt die Antwort: »Felix Baumgartner konnte sicher sein, dass sein freier Fall irgendwann endet.« Dass dieser Gag nicht flächendeckend für Schenkelklopfer sorgt, mag mit dem doch arg bemüht wirkenden Vergleich zwischen dem Weltraumspringer und einem Fußballverein zu tun haben. Dass aber gerade Anhängern der Alemannia das Lachen im Halse stecken bleibt, liegt ganz sicher daran, dass der Witz trotz aller Bemühtheit eine schmerzhafte Portion Wahrheit enthält.

Wenn es im deutschen Fußball derzeit einen Inbegriff für freien Fall gibt, dann ist das wohl unsere Alemannia aus Aachen. Auch nach dem zweiten Abstieg in Folge deutet nicht wirklich viel darauf hin, dass irgendwo ein Fallschirm aufginge. Vielleicht ist das eine allzu pessimistische Sicht auf die Dinge. Aber ein Pessimist, so hat dereinst ein großer Aachener Fußballphilosoph während so mancher Auswärtsfahrt gepredigt, ist eben ein Optimist mit Erfahrung. Und Erfahrung haben wir in den letzten Jahren zur Genüge sammeln können. …weiterlesen →

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Iron & Bönnsch

defi Iron & BönnschEigentlich wollte ich doch noch etwas in mein Blog schreiben, denke ich hin und wieder. Und belasse es dann doch beim eigentlich. Gerade beruflich intensive Phasen machen sich zuallererst hier bemerkbar. Dann fällt der Artikel, der eigentlich geschrieben werden wollte, auch schon einmal unter den Tisch. Das soll sich in Zukunft allerdings ändern. Und um mir auf der Jagd nach etwas mehr Regelmäßigkeit zusätzliche Motivation zu holen, habe ich mich vor ein paar Tagen der brandneuen Ironblogger Gruppe aus Bonn angeschlossen. Künftig heißt es also: Einmal wöchentlich schreiben oder in die Kasse zahlen. (Das komplette Regelwerk der Bonner Variante des Ironbloggens findet sich bei Interesse unter diesem Link. Vielleicht möchte ja noch jemand mitmachen.) Manchmal braucht es eben solch einen kleinen Schubs von außen, damit die Dinge ein wenig runder laufen. Ich bin jedenfalls gespannt, was sich daraus ergibt. Hier, aber auch auf den Seiten der anderen Teilnehmer.

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Soll ich meine Facebook-Seite löschen?

iwjuddgs Soll ich meine Facebook Seite löschen?Mitte März hatte ich mir für eine Blogparade schon einmal ein paar Gedanken zum ganzen Social Media Gedöns rund um Löhrzeichen gemacht. Dass ich die seit Ewigkeiten bestehende Facebook-Seite eigentlich nicht brauche, war damals eine der Erkenntnisse. Mittlerweile haben sich in Bezug auf eben diese Facebook-Seiten dank eines veränderten mobilen Designs einige Neuerungen ergeben. Um das Impressum in juristisch einwandfreier Art überall sichtbar zu halten, müsste man die ein oder andere Verrenkung unternehmen. Was dazu genau zu bewerkstelligen ist, kann man beispielsweise bei Annette Schwindt nachlesen. Beim Zusammenzählen von Eins und Eins, also Erkenntnis und Neuerung, haben sich bei mir nun einige Fragen aufgeworfen: Soll ich das Gebastel wirklich mitmachen? Oder soll ich die Seite nicht einfach löschen, weil sie ohnehin überflüssig ist? Wer weiß, ob und wann die nächste Neuerung am Facebook-Design wieder Änderungen nach sich zieht? Lohnt die Mühe jetzt und/oder demnächst? Und ist das bisschen nostalgische Verbundenheit zu der Seite genug, um einen solchen Aufwand zu rechtfertigen?

Endgültige Antworten habe ich mir noch nicht gegeben. Hat jemand da draußen vielleicht eine Meinung, die mir bei der Entscheidungsfindung helfen würde? Habe ich vielleicht irgendwelche wichtigen Punkte übersehen, die für den Erhalt der Seite sprechen würden?

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Lesson learned? Wenn »Raubkopierer« nach Kopierschutz schreien

raubkopier meldung Lesson learned? Wenn »Raubkopierer« nach Kopierschutz schreienMit einem interessanten Experiment hat das australische Start-Up Greenheart Games auf die Konsequenzen aufmerksam gemacht, die illegales Kopieren gerade für kleine Unternehmen in der Computerspiel-Branche nach sich zieht. Ein Jahr lang hatten die beiden Inhaber Patrick und Daniel Klug an der Entstehung ihres ersten Spiels gearbeitet. Kurz nachdem »Game Dev Tycoon« – eine Wirtschaftssimulation, bei der der Spieler eine Firma für Spieleentwicklung aufbauen soll – auf dem Markt erschienen war, bot das Brüderpaar eine Version des Spiels in Internet-Tauschbörsen und via Torrent an, ohne sich dabei zu erkennen zu geben. Die Tauschbörsenfassung war dabei deutlich als »cracked« deklariert, also als Raubkopie.

Anhand ihrer Nutzungsstatistiken konnten die Entwickler bereits nach 24 Stunden ein recht ernüchterndes Fazit ziehen. Lediglich 214 Nutzer hatten die 7,99 Dollar investiert, um »Game Dev Tycoon« zu kaufen. Dem steht die beträchtliche Zahl von mindestens 3.104 kostenlosen, aber eben auch illegalen Downloads gegenüber. 93,6 Prozent der Spieler zogen es also vor, den Spaß am Spiel nicht zu bezahlen – sofern sie diesen Spaß überhaupt gehabt haben. Denn die vermeintliche Raubkopie unterscheidet sich vom Original in einer Kleinigkeit. Patrick und Daniel Klug haben diese Fassung ihres Spiels so konzipiert, dass die virtuelle Firma auf jeden Fall im Bankrott endet. An einem Punkt des Spiels kommt unabänderlich die Meldung, dass zu viele Spieler illegale Downloads bevorzugen und somit die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens gefährden. Game Over. Könnte man meinen.

In diversen Online-Spieleforen wurden in der Folge Lösungen diskutiert. User, die das Spiel zuvor offensichtlich illegal heruntergeladen hatten, wälzten nun mögliche Wege, die Spiele ihrer eigenen, virtuellen Firma mit einem Kopierschutz zu versehen. Fehlendes Unrechtsbewusstsein und Ironie arbeiten eben oft und gerne Hand in Hand. Für Greenheart Games ist die Einführung eines Kopierschutzes auch in Zukunft hingegen kein Thema. Grundsätzlich soll jeder Zugang zu ihren Spielen haben, auch diejenigen, die »Game Dev Tycoon« gerne spielen würden, es sich aber nicht leisten können. Für Käufer des Spiels sei ein solcher Schutz ohnehin zu unkomfortabel, ließ Patrick Klug in einem Blogbeitrag verlauten. Stattdessen hoffen er und sein Bruder darauf, möglichst viele Raubkopierer dieser Welt mit einem flammenden Appell an deren Fairness zum Umdenken zu bewegen. Ausreichend Aufmerksamkeit wird ihnen derzeit geschenkt. Ihr Experiment macht in sämtlichen Social Media Kanälen die große Runde.

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