Musik in 1.000 Zeichen: Gurr – »In My Head«

Gurr - In My Head

»Thelma und Louise« – diese Assoziation will beim Genuss dieses Albums einfach nicht verschwinden. Es mag am Cover liegen, das die beiden Frauen hinter dem Namen Gurr wild im Haar in einem Cabrio zeigt. Vielleicht aber auch daran, dass Andreya Casablanca und Laura Lee Jenkins auf »In My Head« [Affiliate Link] ihrem eigenen Ding ohne Rücksicht auf Verluste anhängen.

Auf dem Weg zum ureigenen Sound schnappen sie sich alles an pop- und subkulturellen Referenzen, was sie ihrer musikalischen Idee näher bringt. Und bei der Umsetzung dieser Idee schauen sie nicht zurück. Die Rotzigkeit von 60er-Garage-Rock bildet die Grundstimmung, in der sich runtergekühlte Psychedelic-Passagen und wummernde New-Wave-Bässe ausbreiten. Da sind twangende Surf-Gitarren, herrlich verhangene Dreampop-Melodien und stellenweise sogar schmutziger Blues; alles serviert mit Riot-Grrrl-Attitüde, nur eben in der Gurr-Variante mit einem Hauch Augenzwinkern.

»Wir nehmen Teil an der Belanglosigkeit«, singen die Wahlberlinerinnen auf dem ansonsten in Englisch gehaltenen Album. Und das ist so dermaßen gelogen. Völlig unbelanglos großartig!

»In My Head« kann man auf der Bandcamp-Seite von Gurr komplett anhören. Viel Vergnügen dabei.

Der im Text mit [Affiliate Link] markierte Verweis wurde von mir im Rahmen meiner Teilnahme am Partnerprogramm der Amazon EU S.à r.l. gesetzt. Weitere Hinweise dazu finden sich im Impressum dieser Seite.

Musik in 1.000 Zeichen: You Blew It – »Abendrot«

You Blew It - Abendrot

Dieses Quintett aus Orlando auf seinem Weg zu verfolgen, fühlt sich ein bisschen an, wie die Musikgeschichte der 90er-Jahre noch einmal im Zeitraffer zu erleben – vor allem in den Ecken der Musik, die damals »Emo« hießen. »Keep Doing What You‘re Doing« hieß You Blew Its Album vor inzwischen drei Jahren. Alles war wüst und ungestüm und mitreißend; so wie die frühen Get Up Kids oder Promise Ring.

Das neue Album wiederum heißt »Abendrot« [Affiliate Link]. Und die Entwicklung, die die Band um Sänger Tanner Jones auf dem Weg dorthin zurückgelegt hat, ist unüberhörbar. Ausgeklügelter klingen die einzelnen Songs, frickeliger und vor allem nicht mehr ganz so rasant. Derweil singt Jones kaum noch von einem und für ein »You«, das ihn verlassen, enttäuscht, verletzt oder gleich alles zusammen hat. Die Texte kommen eher selbstreflektierend daher, nachdenklich, nach dem eigenen Platz in der Welt suchend.

Wie das eben so geht, wenn junge Menschen erwachsen werden – und Musiker sicherer an ihren Instrumenten. Mineral zu Zeiten der »EndSerenading« drängen sich als Vergleich auf, oder Sunny Day Real Estate bei ihrem zweiten Album. Hach, sie werden ja so schnell groß.

Auf der Bandcamp-Seite der Band kann man »Abendrot« komplett hören. Viel Spaß.

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Musik in 1.000 Zeichen: Slowcoaches – »Nothing Gives«

Slowcoaches - Nothing Gives

Gerade erst hat der Punk in London seinen vierzigsten Geburtstag gefeiert. Und irgendwie ist der Kollege einfach nicht totzukriegen. Auf dem Debüt der Slowcoaches, zum Beispiel, zeigt er sich einmal mehr bei bester Gesundheit.

Das Trio aus Englands Hauptstadt ballert sich frisch, fromm, fröhlich, frei durch ein ganzes Dutzend von Songs, haut knackige Riffs und rotzige Melodiefetzen raus, lässt den Bass schnurren und die Gitarre jaulen, bevor das Schlagzeug bis vier zählt und alles in … nein, nicht Wohlgefallen … Uptempo und Rauch aufgehen lässt. Das ist ein riesiger Spaß, dessen Leichtigkeit allenfalls getrübt wird, wenn man ein Auge auf die Texte von Bassistin und Sängerin Heather Perkins wirft.

Von Zerwürfnissen, Zusammenbrüchen und drogeninduzierten Psychosen ist da die Rede, von Arbeitslosigkeit und der Krise vor der Midlife-Crisis. Letzten Endes steht »Nothing Gives« [Affiliate Link] aber gerade auch deswegen in bester Punk-Tradition. Es ist ja nicht so, dass Jimmy Pursey, Johnny Rotten und Co vor 40 Jahren erzählt hätten, wie toll doch alles ist. The kids are still angry!

Auf der Bandcampseite der Slowcoaches kann man »Nothing Gives« anhören. Viel Vergnügen.

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Musik in 1.000 Zeichen: Blueneck – »The Outpost«

Blueneck - The Outpost

Man kann den beiden Herren von Blueneck wirklich nicht vorwerfen, es sonderlich eilig zu haben. Weder in ihrer Musik, noch bei deren Kreation. In Anbetracht der vierjährigen Produktionszeit für den Vorgänger »King Nine«, haben Duncan Attwood und Rich Sadler »The Outpost« [Affiliate Link] jedoch quasi im Sprint aufgenommen.

Innerhalb von gerade einmal anderthalb Jahren sind acht Songs zusammengekommen, die auch prompt einen anderen Charme entwickeln als alles, was man bislang von Blueneck kannte. Wie es sich für Musiker aus der Trip-Hop-City Bristol gehört, geht es auch hier vor allem kontemplativ zu. Doch klingen die Stücke innerhalb ihres Aufbaus nuancenreicher, das gesamte Album dadurch vielfältiger.

Kraftvoll pulsieren die Synthies, auf denen die Gitarre mal filigran flirrend, mal wuchtig wummernd entlangwandelt. Elektronische Beats und sphärisches Surren treffen ein verträumtes Piano, holen die hallende Gitarre ab, um am Ende des Crescendos der Teppich für Attwoods unverwechselbare Stimme zu sein. Wirklich wundervoll.

Auf der Bandcampseite von Blueneck besteht die Möglichkeit, »The Outpost« komplett zu hören. Viel Spaß dabei.

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Musik in 1.000 Zeichen: The Notwist – »Superheroes, Ghostvillains + Stuff«

The Notwist - Superheroes, Ghostvillains + Stuff

Das hat der Welt gerade noch gefehlt: ein Notwist-Live-Album. Nach bald 30 Jahren im Geschäft haut die Weilheim-Connection erstmals überhaupt eine Platte raus, die ihre großartige, zumindest hierzulande von nur sehr wenigen erreichbare Live-Qualität für alle Zeiten festhält.

Sie bleibt also jetzt für immer, diese Nacht des 16. Dezember 2015, in der sich die Achers und ihre Mitstreiter in Leipzig einmal durch den eigenen Katalog spielten – vor allem durch den eher feinmechanischen Teil ab dem Beginn der Nullerjahre, ab »Neon Golden«. Aus der davor liegenden, musikalisch brachialeren Zeit gibt es mit »One Dark Love Poem« lediglich ein einziges Stück, das sich im heutigen Soundgewand der Band jedoch auch perfekt macht. Wie überhaupt alles an diesem Album perfekt ist.

Alleine die Arrangements, die jedes Lied seiner Studiofassung entheben, es umformulieren, zu voller Schönheit auseinanderfalten und über den Köpfen des Publikums kreisen lassen, bis der ganze Laden wie elektrisiert mitwippt. Wer das einmal live miterlebt hat, möchte es immer wieder. Und wird es auf »Superheroes, Ghostvillains + Stuff« [Affiliate Link] knackig klingend finden.

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Musik in 1.000 Zeichen: Totorro – »Come To Mexico«

Totorro - Come To Mexico

Zwei Jahre ist es mittlerweile her, dass Totorro plötzlich mit einem Juwel von einem Debüt auf der Bildfläche erschienen. »Home Alone« flirrte nur so vor Energie – wild ruckelte das Schlagzeug den Rhythmus-Teppich unter den frickelnden Math-Rock-Gitarren und dem Mark durchdringenden Bass zurecht. Hier ist der Nachfolger.

Und »Come To Mexico« führt das mal virtuos filigrane, mal burschikos stampfende, vor allem aber immer mitreißende Spiel der vier Herren aus dem französischen Rennes auf das nächste Level. Diese Musik sprüht immer noch Funken. Gerade die Saiteninstrumente präsentieren sich weiterhin äußerst beweglich und immer auf dem Sprung. Ihr Rhythmus-Fundament wirkt aber ein Stück weit reifer, die Songstrukturen im Ganzen durchdachter, die Hinführung zum jeweiligen Ausbruch und Höhepunkt geduldiger.

Totorro erzählen auch ohne Worte Geschichten, die feinen Melodien verführen den Hörer zum kurzzeitigen Schwelgen, ehe nach dem Schlagzeug-Break aus dem Nichts plötzlich alles bebt. Das nächste Juwel voller schöner Momente und Überraschungen.

Drüben bei Bandcamp kann man »Come To Mexico« komplett hören. Viel Spaß.

Musik in 1.000 Zeichen: Mondo Fumatore – »The Yeah, The Yeah And The Yeah«

Mondo Fumatore The Yeah, The Yeah And The Yeah

Eines Tages, so erzählt die Legende, wurden Mondo Fumatore im Backstagebereich von jazzenden Kollegen gefragt, ob sie es mit dem mixolydischen Moll oder dem diatonischen Dur hielten. Wir, lautete ihre Antwort, arbeiten eher mit Lautstärke. Und das seit mittlerweile 20 Jahren.

Zur Feier des runden Geburtstages hat die zum Trio erstarkte Crew acht Jahre nach »The Hand« noch einmal ein Album aufgenommen. »The Yeah, The Yeah And The Yeah« [Affiliate Link] ist eine wirklich feine Lehrstunde, was alles unter dem Stempel Garage möglich ist, und was dieses Genre braucht, um richtig zu rappeln: messerscharfe Riffs, twangende Fills, preschendes Schlagzeug, Mundharmonika, leichter Hall auf der Stimme und an den richtigen Stellen eine Rassel. Zwischendurch wird das Tempo auch einmal in Richtung Blues verschleppt.

Und bei der »Appletree Theory« bewegt sich die Gitarre sogar im My-Bloody-Valentinesken Shoegaze-Universum. Insgesamt ein abwechslungsreiches Stück Geburtstagstorte, das man mit ordentlich Lautstärke besser genießen kann als mit irgendwelcher Musiktheorie.

Einige Klänge von Mondo Fumatore im Allgemeinen und dem neuen Album im Speziellen gibt es im YouTube-Kanal der Band. Zum Beispiel »8 Bit Love«:

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