Musik in 1.000 Zeichen: Isolation Berlin – »Vergifte dich«

Isolation Berlin - Vergifte dich

Da ist sie wieder, die fast schmerzhaft schön vertonte Großstadtmelancholie. Auf Album Nummer Zwei setzen Isolation Berlin ihren schon zum Debüt großartigen Weg unbeirrt fort. Sänger Tobias Bamborschke schreibt immer noch Texte, die durch Mark und Bein gehen.

Die elf Songs auf »Vergifte dich« [Partnerlink] sind durchzogen von brillant gewählten Metaphern und von Bildern, die tief drinnen hängenbleiben. Großartig auch die Erzählstruktur mit ihren Wendungen und Brüchen. Und bei aller Hoffnungslosigkeit und Abkehr von den Mitmenschen, die Bamborschke in seinen schwermütig poetischen Zeilen mal sanft, mal rau postuliert, steckt im Kern auch immer mindestens ein Hauch Romantik.

Klanglich lassen sich Isolation Berlin weiterhin nicht festlegen. Jedes Lied bekommt den Sound, den es braucht. Von hauchzarten Pianotönen bis zu schrillen Gitarren ist hier alles dabei, was den fraglos im Mittelpunkt stehenden Texten das passende Gewand gibt. Insgesamt entsteht so ein einzigartig vielfältiges Album, das dem Zornigen und dem Traurigen gleichermaßen aus der Seele spricht.

Zum Beispiel »Kicks«, die erste Single vom neuen Album:

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Musik in 1.000 Zeichen: Wedge – »Killing Tongue«

Wedge - Killing Tongue

Schon bei der Benennung ihrer damals frisch gegründeten Band im Jahr 2014 haben diese drei Berliner ein feines Händchen bewiesen: Kaum ein Name könnte passender sein als Wedge – der Keil, ewig altes Werkzeug, das auch in unserer durchtechnisierten Welt noch wegen seiner Brachialität gebraucht wird. Genau wie die nach ihm benannte Kombo.

Geradezu vorsintflutlich mutet deren Sound an. Tonnenschwer die Riffs, die da angefuzzt und wah-wah-quäkend durch die Boxen jagen. Ohne großes Drumherum treibend das Schlagzeug und wie die Definition von erdig der Bass. Das hier ist der Rock der Urväter, mal die richtig schwere, mal die richtig psychedelische Nummer. Ja, »Killing Tongue« [Partnerlink] könnte gut und gerne aus den späten 60ern oder frühen 70ern stammen. Tatsächlich hätte Led Zeppelin manche der insgesamt neun Nummern auch ganz hervorragend gestanden. Oder, wenn die Schweineorgel einsetzt, wahlweise auch Deep Purple.

Bei allen klanglichen Assoziationen, die tief in die Vergangenheit führen, tritt diese Platte auch jedem heutigen Hörer noch mächtig in den Hintern. Gerade wenn Wedge einen Gang hochschalten und aufs Tempo drücken.

Zum Reinschnuppern ins neue Album passt zum Beispiel »Lucid« ganz gut:

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Musik in 1.000 Zeichen: Anna Burch – »Quit The Curse«

Anna Burch - Quit The Curse

Jetzt auf eigene Faust! Als Teil der Folk-Rock-Combo Frontier Ruckus und der Indie-Kapelle Failed Flowers hat Anna Burch in der Vergangenheit massig Erfahrungen gesammelt. Nun hat sie erstmals Musik gänzlich eigenverantwortlich auf einen Tonträger gesungen und gespielt.

Statistisch somit ein Debüt, stellt »Quit The Curse« [Partnerlink] für Burch selbst eher einen Befreiungsschlag dar – von der vormaligen Zeit als Begleitmusikerin, vom Zwang, Musik nur in Absprache mit anderen zu erschaffen. Nicht zuletzt aber von eigenen Unsicherheiten und emotionalen Turbulenzen. In ihren Texten ballert sie sich allerlei Düsternis von der Seele. Vielfach überlagern Burchs mitreißend leichte Kompositionen und ihre brillante Stimme jedoch zunächst den schweren Inhalt.

Erst wer sich bei der zweiten oder dritten Hörrunde von den feinen Harmonien, den flirrenden Gitarren und dem tänzelnden Bass löst und dem Inhalt des Gesangs zuwendet, trifft plötzlich auf Geschichten von zerstörerischen Beziehungen, von Zerwürfnissen mit den Eltern und Drogenmissbrauch. Ein weiteres gutes Beispiel für das fruchtbare Hand-in-Hand-Arbeiten von Schönheit und Melancholie.

Auf ihrer Bandcampseite bietet Anna Burch die Möglichkeit, »Quit The Curse« unter anderem anzuhören.

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Musik in 1.000 Zeichen: Poppy Ackroyd – »Resolve«

Poppy Ackroyd - Resolve

Nach der musikalischen Zwischenmeldung »Sketches« im vergangenen Jahr – größtenteils mit minimal arrangierten Versionen früherer Werke – kehrt Poppy Ackroyd mit diesem Album in die Spur zurück, die sie mit ihren ersten beiden Alben eingeschlagen hat. Immer weiter fuchst sich die Britin in die Möglichkeiten der von ihr bevorzugten Instrumente hinein.

Längst sind Flügel, Geige und inzwischen auch Spinett nicht mehr nur Möglichkeiten der Melodiegewinnung für sie. Ackroyd nimmt sich dieser Instrumente ganzheitlich an, versteht sie auch als perkussive Rhythmuswerkzeuge und Urheber fremder oder verfremdeter Klangwelten. Und auf »Resolve« [Partnerlink] erklimmt sie in dieser Hinsicht neue Höhen – sie und ihre Gäste. Erstmals auf einem Solo-Album hat das Ensemble-Mitglied des Hidden Orchestra Mitmusiker dabei, die auch herzlich eingeladen waren, mit ihren Flöten oder Celli wundersame Töne zu erzeugen.

So bizarr die Herangehensweise, so bezaubernd das Ergebnis. Das Album schwirrt nur so vor feinen Melodien, textlosen Geschichten und einer positiven Grundstimmung. Spätestens jetzt hat Poppy Ackroyd die Tür zur Top-Liga der experimentellen Neo-Klassik sperrangelweit aufgestoßen.

Auf ihrer Bandcampseite hält Poppy Ackroyd einige Hörbeispiele zu »Resolve« bereit.

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Musik in 1.000 Zeichen: AG Form – »Commons«

AG Form - Commons

Irgendwo zwischen den Ländern Postrock und Jazz existiert eine sirrende Zwischenwelt, die immer wieder faszinierende Musik hervorbringt. Hier ist auch die AG Form zu Hause. Und dieses vierköpfige Kollektiv aus Berlin hat der Sammlung zwischen den Genres schwebender Musik mit seinem Debüt »Commons« [Partnerlink] ein weiteres Vorzeige-Exemplar hinzugefügt.

Von der grundsätzlichen Ausrichtung im Postrock verhaftet, entzieht sich die Arbeitsgemeinschaft dessen fast zwanghaften Laut-Leise-Verläufen, indem sie die Dramatik ihrer Musik aus ganz anderen Quellen speist. In ihrer Idee von Songwriting muss nichts ausgewalzt und dann mit maximaler Lautstärke ins Ohr gerieben werden. Wobei Songwriting: Ein Großteil der Musik entstand hörbar beim Jammen. Und die AG Form kriegt es hin, diesen Geist des Spontanen auch auf die Platte hinüberzuretten.

Den melodischen Teil bestreiten dabei zwei Gitarren, die einander geradezu tänzerisch umspielen, beim Entwickeln der Songidee herausfordern und unterstützen – und das auf der Basis eines schwer groovenden Basses und eines Schlagzeugs, das zwischen zurückhaltend schwelgerisch und badaboom funky die Richtung vorgibt. Feines, experimentelles Erstwerk aus der Zwischenwelt.

Auf ihrer Bandcampseite bietet die AG Form Besuchern die Möglichkeit, »Commons« unter anderem anzuhören

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Musik in 1.000 Zeichen: Half Japanese – »Why Not?«

Half Japanese – Why Not?

Haben die nicht neulich erst eine neue Platte …? Ja, im Januar 2017. Und im Januar 2016 auch. Jad Fair muss irgendwann neulich eine wirklich mächtige Muse geküsst haben. Denn der Januar 2018 hat auch ein brandneues Album von Fairs Band Half Japanese in Petto.

Dabei hat diese gesteigerte Produktivität nichts mit Beliebigkeit zu tun. Fair haut beileibe nicht alles raus, was ihm einigermaßen songähnlich in den Sinn kommt. »Why Not?« [Partnerlink] stellt eindrucksvoll unter Beweis, dass dieser Mann auch über 40 Jahre nach Gründung von Half Japanese stets neue und zündende Anordnungen seines Trademark-LoFi-Garage-Punk-Psychedelic-Sounds auf der Pfanne hat. Scheppernd und knarzend wühlt sich diese unverkennbare und vor langer, langer Zeit mutmaßlich durch Velvet Underground inspirierte Gitarre durch wild arrangierte Kleinode.

Quasi durch die Hintertür entwickeln die Songs eine überraschende Eingängigkeit. Gerade noch überlegst du, wie überhaupt jemand auf so ein schräges, effektverhangenes Riff kommt, da summst du es auch schon mit. Zack, Jad Fair hat dich erwischt. Willkommen im Kometenschweif eines Phänomens.

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Musik in 1.000 Zeichen: Calexico – »The Thread That Keeps Us«

Calexico - The Thread That Keeps Us

Joey Burns war schon immer ein mitreißender Geschichtenerzähler. Dass er sich in der Hinsicht auch auf dem neunten Album seiner Band Calexico treu bleibt, ändert nichts an dessen Grundausrichtung: Auch ohne große, laute Parolen ist »The Thread That Keeps Us« [Partnerlink] ein Protestalbum, gleichzeitig eine Momentaufnahme der tief gespaltenen USA.

Ein Großteil der 15 Songs handelt von persönlichen Ängsten und politischen Hoffnungen, von Sehnsüchten, vom Ende der Welt und von Lichtblicken in Zeiten der Dunkelheit. Burns kleidet all dies in die ihm typische Alltagspoesie, während seine Bandgenossen die Geschichten mit dem Calexico-Trademarksound untermalen – Folk und Country, Jazz und Latinklänge, Cumbia und Mariachi, Rock und in homöopathischer Dosis auch Reggae.

In diese Mischung gesellen sich Töne, die man vom Arizona-Septett lange nicht gehört hat: vergleichsweise schroffen Indie Rock, der den Bogen von den Anfängen der Band in die Gegenwart schlägt. Dieser klangliche Schwenk steht Calexico gut und fördert mit dem Albumopener ein Stück mit mächtigem Ohrwurmpotential zutage.

»End Of The World With You« ist eben dieser Albumopener, der lange hängenbleibt:

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