Musik in 1.000 Zeichen: The Ukrainians – »Evolutsiya!«

12 The Ukrainians - Evolutsiya!

Seit der Debüt-EP vor einem Vierteljahrhundert rätseln die Gelehrten, ob die Ukrainians nun unter Pop, Folklore oder Augenzwinkern einzuordnen sind. Am wahrscheinlichsten haben ihre augenzwinkernden, osteuropäischen Folklore-Nummern mit deutlich britischem Pop-Hintergrund in jeder dieser Schubladen eine eigene kleine Ecke.

Aus einer Wedding-Present-Peel-Session Ende der 80er ist aber mehr geworden, als nur eine Spaß-Kapelle, die Smiths-Nummern auf der Mandoline nachspielt. Die Ukrainians setzen sich tatsächlich mit Vorgängen in dem Land auseinander, nach dem sie sich benannt haben. Super-Stabhochspringer Bubka gab ebenso Anlass für einen Song wie der Super-GAU von Tschernobyl. Dass die Ukraine am 24. August ihre Loslösung von der Sowjetunion zum 25. Mal feiert, reicht als Anlass sogar für ein Doppel-Album [Affiliate Link]. (Immerhin feiern Band und Land ja quasi auch Doppel-Geburtstag.)

Scheibe Eins beinhaltet dabei die größten Ukrainians-Hits, Scheibe Zwei allerlei raren Kram. Insgesamt eine schmissige Ansammlung von 40 Songs, die daheim in England sicher wieder Charts-, hierzulande zumindest Party-Potenzial hat.

Auf dem Soundcloud-Kanal von Psolo1 gibt es einiges an Pop, Folklore und Augenzwinkern zu hören. Viel Vergnügen.

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Musik in 1.000 Zeichen: Sonic Youth – »Spinhead Sessions«

Sonic Youth - Spinhead Sessions

Da hat wieder jemand tief in der Kiste vergessener Aufnahmen gegraben und dabei ein tolles Stück Musikgeschichte herausgekramt. Aus dem Jahr 1986 stammt die Aufnahme dieser Session [Affiliate Link], die in den legendären Spinhead Studios in LA entstand und eigentlich nur eine Probe für den Soundtrack zu Ken Friedmans »Made in USA« war.

Allem »nur« zum Trotz stellt sie ein interessantes Mosaiksteinchen in der Geschichte von Sonic Youth dar. Zeitlich zwischen »Evol« und »Sister« gelegen, haben diese sieben reinen Instrumentalstücke mit den beiden genannten Alben genau nichts gemein. Die Soundskulpturen, die hier von Flageolett-Gitarren, flirrendem Bass und verhalten Akzente setzendem Schlagzeug erschaffen werden, erinnern vielmehr an das, was später kommen sollte – gut ein Jahrzehnt später. An die Zeit nach »Dirty« und nach den 90er-Mainstream-Tagen, als das Experimentelle eher filigran als krachig in das Schaffen der Band zurückkehrte.

Sonic Youth hatten das ganz feine Operationsbesteck also schon damals im Gepäck. Sie wollten aber offenbar noch ein bisschen mit dem Hammer arbeiten. Klangdekonstruktion kann ja so schön sein.

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Musik in 1.000 Zeichen: Various Artists – »Electri_City 2«

12 Various - Electri_City 2

Zwei Jahre ist es her, dass Rüdiger Esch mit seinem Buch »Electri_City« jener Ära ein Denkmal setzte, als in Düsseldorf die elektronische Musik entstand. Seinerzeit begleitete ein Sampler Eschs Oral History, der nahezu alle wesentlichen Bands dieser wilden Zeit zwischen »Creamcheese« und »Ratinger Hof« enthielt. Während in diesen Tagen die englische Übersetzung des Buchs erscheint, legt auch das Label Grönland mit einem weiteren Sampler nach.

»Electri_City 2« [Affiliate Link] bietet eine 52-minütige rasante Reise in die Vergangenheit und einen großartig zusammengestellten Blick auf die Zeit, als Kraut auf Synthesizer traf und sich unsere Klangwelt für immer veränderte. Neben den auch heute noch großen Namen wie DAF, La Düsseldorf, Der Plan oder Die Krupps – bei denen Autor Esch Bass spielte – sind auch einige fast vergessene Perlen der frühen Elektronik dabei.

Etwa die Zusammenarbeit von Robert Görl mit Annie Lennox, die passend zur englischen Buchausgabe die internationale Relevanz der damaligen Bewegung unterstreicht. Wie beim ersten Sampler fehlt auch hier lediglich Kraftwerk. Wer nicht will, ist eben nicht dabei.

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Musik in 1.000 Zeichen: Funny van Dannen – »Come on – Live im Lido«

Funny van Dannen - Come on

»Kennst Du die neue Platte von Funny van Dannen?« »Ach, der Typ mit dem Saufen?« Der gute Funny ist auch einer dieser bedauernswerten Künstler, die auf ewig mit diesem einen Song verbunden sein werden, den sie irgendwann einmal geschrieben haben. Dabei hat zum Beispiel Funny noch Dutzende, ach was, Hunderte andere Lieder gemacht – logisch als Liedermacher.

Mit »Come on« [Affiliate Link] stockt er diese Liste um noch einmal 20 Stücke auf. Musikalisch von gezupfter Gitarre und manchmal etwas Mundharmonika getragen, sind es einmal mehr die Texte, die diesem Werk den Drive geben. Da geht es um latente Homosexualität als Erfolgsgeheimnis des Fußballs, um Lymphe (»Wie klingt denn das?«) oder moderne Kindernamen. Funny van Dannen ist und bleibt ein feiner Beobachter des Alltags und ein abstruser Beschreiber desselben. Seine Art der Dichtung kommt mal irre lustig und mal furchtbar traurig um die Ecke, bringt rasante Reime und überraschende Wendungen mit.

Wem das schon in der Vergangenheit schmeckte, wird auch hier großen Spaß haben. Alle anderen können es ja mal ausprobieren. Immerhin hat Funny eine tolle Stimme. Sagt er selbst.

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Musik in 1.000 Zeichen: Dinosaur Jr. – »Give A Glimpse Of What Yer Not«

Dinosaur Jr. - Give A Glimpse Of What Yer Not

Kurz schnarrt der Röhrenverstärker aus der Box, dann setzt eines dieser unverkennbaren Riffs ein und spätestens wenn J Mascis nach 20 Sekunden seine erste Zeile nöhlt, brüllt alles im Innenohr: »Willkommen zuhause!« Dinosaur Jr. sind einmal mehr zurück.

Und einmal mehr gibt es dieses Indiegitarren-Geschraddel, das seit drei Jahrzehnten das ganze Genre definiert – mit treibendem Bass, rumpelndem Schlagzeug und Mascis-Soli wie nur Mascis-Soli klingen. Dass Bassist Lou Barlow inzwischen auch regelmäßig Songs beitragen darf, tut der Sache richtig gut. Zum einen geben seine beiden Werke »Give A Glimpse Of What Yer Not« [Affiliate Link] kurze, melodisch überraschende Wendungen, zum anderen haben Mascis, Barlow und Murph dadurch einen Streitgrund weniger.

In Folge dessen hält die wiedervereinigte Dinosaur-Ur-Besetzung mittlerweile schon elf Jahre. Und hat mit diesem Album inzwischen mehr Platten im 21. als im 20. Jahrhundert produziert. Erstaunlich für eine Band, die in den Köpfen vieler Fans immer noch mit den 90ern assoziiert wird. Eigentlich doch nicht erstaunlich, solange jedes neue Album immer noch so unverwechselbar und dennoch frisch klingt wie dieses.

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Musik in 1.000 Zeichen: Descendents – »Hypercaffium Spazzinate«

Descendents - Hypercaffium Spazzinate

Seit ihren Anfangstagen im Jahr 1978 haben die Descendents einen ziemlich wirkungsvollen Sprit im Punkrock-Tank: Bis zum heutigen Tag steckt eine gute Portion Zorn hinter den scharfkantigen Gitarrenriffs, dem Trommelgefege, hinter dem stetig wummernden Bass und nicht zuletzt hinter Sänger Milo Aukermans Ausbrüchen am Rande der Stimmbandzerreißprobe.

Die Abstände zwischen den wütenden Eruptionen in Albumform werden immer größer, das Niveau jedoch bleibt auch im 38. Jahr des Bandbestehens unverändert hoch. Und so bellt sich Milo durch 16 Songs, die von persönlichen Verlusten handeln, von sozialer Ablehnung oder übermedizierten Kindern. Das alles im Descendents-Trademark-Sound, wie er Dutzenden Westküsten-Punk-Kapellen zur Blaupause wurde: edgy, flott, immer mit dieser guten Prise Melodie und Hooklines, die den Kopf allenfalls im Schlaf wieder verlassen.

Weil die Bandmitglieder inzwischen über die gesamten USA verteilt wohnen, brauchten sie drei Jahre, um »Hypercaffium Spazzinate« [Affiliate Link] entstehen zu lassen. Hörbar ist das nicht. Die 32 Minuten klingen wie aus einem Guss. Descendents eben.

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Musik in 1.000 Zeichen: Minor Victories – »Minor Victories«

Minor Victories - Minor Victories

Das Leben als bekannter und stilprägender Musiker ist auch nicht immer nur einfach. Startet man beispielsweise ein neues Projekt jenseits der eigenen Band, fängt man keineswegs bei Null an. Jedes Lebenszeichen wird genau beobachtet und bewertet. Eine Trennung vom »Früher« scheint unmöglich.

Kommen gleich mehrere Musiker dieser Preisklasse in neuer Formation zusammen, potenziert sich der Druck von außen auf diese »Supergroup« sogar noch. Aus Mitgliedern von Slowdive, Mogwai und den Editors bestehend, ist Minor Victories eine solche, von etlichen Erwartungen begleitete Supergroup. Und auf dem selbstbetitelten Debüt erfüllt das Quartett jede einzelne davon mit nahezu spielerischer Leichtigkeit. Im Verlauf der 51 Minuten findet sich Slowdives flirrender Shoegaze ebenso wie Mogwais klangliche Weite und die Düsternis der Editors.

Das Ganze ist dabei aber weit mehr als die Summe seiner Teile. »Minor Victories« [Affiliate Link] ist ein fesselndes Stück Musik, die das Beste aus verschiedenen Welten vereint, um ihren Hörern eine ganz neue zu erschließen. Großartig.

Minor Victories und Eindrücke, wie sie klingen, finden sich auch drüben bei Soundcloud. Viel Vergnügen.

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