Musik in 1.000 Zeichen: Spidergawd – »IV«

Spidergawd - IV

Wie entspannt man als Rockband eigentlich zwischen den kraftraubenden, allabendlichen Auftritten einer Mammut-Tour? Die Norweger von Spidergawd haben im vergangenen Frühjahr ein ganz eigenes Wellness-Programm entwickelt: auf dem Sofa ein Weinchen schlabbern und dabei zu Judas Priest, Iron Maiden oder Thin Lizzy chillen.

An einem dieser Abende entstand die Idee, das vierte Album innerhalb von drei Jahren im Geiste dieser Altvorderen des britischen Heavy Metal einzuspielen. Im Ergebnis ist »IV« [Affiliate Link] härter als alles, was Spidergawd auf römisch Eins bis Drei abgeliefert hat. Und das will schon was heißen bei einer Band, die von der ersten Sekunde ihrer Existenz mit fettem Rock nicht gegeizt hat.

Jetzt also ein sogar noch mächtigeres Brett, das zwischen Sabbath-esken Riffs für die Ewigkeit, Motörheadschem In-Dein-Gesicht-Bass und Röhre Marke DIO nach so viel mehr klingt als nach einer feisten Musik-Geschichtsstunde. Das hier ist Post-Metal-Prog- … ach, egal. Das ist mitreißend eigen. Herrlich heavy. Und mit Saxophon.

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Musik in 1.000 Zeichen: H-Burns – »Kid We Own The Summer«

H-Burns - Kid We Own The Summer

Das nennt man dann wohl »auf hohem Niveau stabilisieren«. Zwei Jahre nach dem großartigen »Night Moves« schmeißt Renaud Brustlein mit »Kid We Own The Summer« [Affiliate Link] einen mehr als würdigen Nachfolger in die Welt. Mit feinem Gefühl für Komposition und Arrangement erzählt H-Burns – so Brustleins Bühnenname – Geschichten vom Nicht-alles-richtig-Machen, von Momenten voller Melancholie und gleichzeitiger Schönheit.

Zurückhaltend fügt er Keyboard, Piano, Drum-Maschine und Streicher zu einem atmosphärisch dichten Ganzen zusammen. Das Ergebnis stellt sich klanglich in die Tradition großer Geschichtenerzähler wie Townes van Zandt, Bill Calahan oder Elliott Smith: Gefühlvoll düster kommt diese Spielart des Pop daher, deutlich beeinflusst von nicht immer fröhlichen Indie-Helden der 90er.

Erstaunlicherweise ist das hier trotzdem kein Herbstalbum. Ja, so kann der Sommer auch klingen. Wer je einen Soundtrack für den nachdenklichen After-Party-Weltschmerz im Sonnenaufgang auf der Bank am Stadtrand gesucht hat: Bitteschön!

Und so klingt »Naked«, die schon vorab veröffentlichte, erste Single zu »Kid We Own The Summer«:

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Musik in 1.000 Zeichen: Ryan Adams – »Prisoner«

Ryan Adams - Prisoner

Das mit der Musik anderer Leute will sich Ryan Adams künftig sparen, hat er vor einiger Zeit verlauten lassen. Wie es aussieht hält er sich bis auf weiteres an sein Versprechen. Der Nachfolger zu seiner Fassung von Taylor Swifts »1989« enthält ausschließlich eigene Sachen – ein Dutzend Songs voller Ur-typischer amerikanischer Rockmusik.

Klare Strophe-Refrain-Bridge-Strukturen, gerader Beat, eingängige Gitarren, etwas Harmonika, ein Hauch Pedal Steel und starkes Storytelling, getragen von der klassisch Adamschen Schnodderstimme: Eigentlich hätte es sogar noch viel mehr Musik sein können. Im Nachklang seiner Scheidung sind Adams rund 80 Stücken aufs Notenpapier geflossen. »Prisoner« [Affiliate Link] stellt quasi die Verdichtung dieser Sammlung dar.

Sie zeigt den 42-Jährigen auf der Suche nach den großen Antworten des Lebens, mit dem traurigen Herzen auf der Zunge, bis ins Zarte melancholisch wie noch nie in seiner gut 20 Jahre währenden Karriere. Ein wenig überraschendes, vornehmlich stilles Werk, das seine starken Momente erst bei mehrfachem Durchlauf richtig entfaltet.

Einige Songs von »Prisoner« (und auch von »1989«) kann man auf dem Soundcloud-Kanal von Ryan Adams anhören.

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Musik in 1.000 Zeichen: Cairobi – »Cairobi«

Cairobi - s/t

Neulich, ich hatte es mir gerade auf einem funky Basslauf gemütlich gemacht, da kam wie aus dem nichts eine psychedelische Synthiewolke vorbeigeflogen, ein Holperschlagzeug und ein folkiges Chörchen im Schlepptau. Alles schmeckte plötzlich nach Tropen mit einem Hauch weichgezeichneter 70er-Schmusefilme.

Der Klang hatte mich im Nu am Wickel und ich wollte es wissen: Aha, Cairobi also, ein internationaler Haufen, der sich einen Teufel um die Verortung in irgendwelchen Schubladen schert. Kraut, Italo-Pop, afrikanische Polyrhythmen oder lateinamerikanische Folklore: Alle musikalischen Einflüsse dürfen ungebremst in das eigene Werk münden. Folgerichtig läuft das selbstbetitelte Debüt [Affiliate Link] vor verrückten Song- und Soundideen nur so über.

»Change is alright«, jubiliert Sänger Giorgio Poti. Und haut dabei ganz nonchalant die Maxime seiner Band in die Welt. Zwischenzeitlich entwickelt das Ganze ein Gefühl von Melancholie, kriegt am Ende immer die Kurve in Richtung heiterem Optimismus. Eine faszinierende Herausforderung selbst für geübte musikalische Multitasker.

Auf dem Soundcloud-Kanal der Band bekommt man einen guten Eindruck von deren Klang.

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Musik in 1.000 Zeichen: Various Artists – »Mach‘s besser: 25 Jahre Die Sterne«

Various - Mach's besser: 25 Jahre Die Sterne

Wer solche Freunde, Bekannte, Vor- und Nachfahren hat, muss sich nicht selber um die Party kümmern, wenn er ein Jubiläum begeht. Die Sterne wurden neulich ein Vierteljahrhundert alt und alle, alle sind sie gekommen, um eines dieser tollen Lieder zu spielen.

Und das Tollste: Ganz gleich, ob Egotronic auf deutsche Texte scheißen oder die Fehlfarben »Nach fest kommt lose« nölen, ob Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen sich durch den »Widerschein« soulen, Naked Lunch erstmals überhaupt auf Deutsch singend meinen, dass Du bis neun okay bist, oder die Aeronauten die Risikobiographie in den Kopfhörer stampfen: Spätestens bei der ersten Zeile jedes Liedes fügen sich diese so unterschiedlichen Teile zu einem stimmigen Ganzen zusammen.

Frank Spilkers Texte sind auf »Mach‘s besser: 25 Jahre Die Sterne« [Affiliate Link] Klammer und roter Faden zugleich – ganz gleich in welchem Gewand einfach unverkennbar. Und Gewänder gibt es hier reichlich. Von Elektro-Zurückhaltung bis Gitarren-Schmackes: alles dabei. Spitzen Geburtstagsparty.

Zum Beispiel Björn Beton (oder Flash Müller oder Schiffmeister): Ein Drittel vom Fetten Brot schnappt sich für den Geburtstagssampler »Depressionen aus der Hölle«.

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Musik in 1.000 Zeichen: Smile And Burn – »Get Better Get Worse«

Smile And Burn - Get Better Get Worse

Betrunkenen wird ja gemeinhin nachgesagt, mit der Wahrheit im Bunde zu sein. Smile And Burn können sich also schon etwas darauf einbilden, dass ein ordentlich strammer Konzertbesucher in ihnen dereinst während einer England-Tour »the one German Band that doesn‘t suck« erkannte.

Okay, nun ist wenig über die Vergleichsmöglichkeiten dieses Laien-Jurors überliefert, aber darum soll es hier und jetzt auch gar nicht kennen. Denn in mindestens einem Punkt lag der englische Fan völlig richtig: Wenn sie auf der Bühne stehen, entwickeln die Berliner eine rohe Wucht, die dem Publikum durch und durch geht. Und auf Album Nummer Vier – »Get Better Get Worse« [Affiliate Link] – ist es der Band gelungen, dieses Rohe Eins zu Eins festzuhalten.

Mit das Tollste dabei: Trotz aller rotziger Punkigkeit dünstet jeder dieser zehn knackigen Songs eine angenehm dosierte poppige Eingängigkeit aus. Etliche Melodien bleiben hängen, auch wenn um sie herum der Teufel los ist. Wer Bands gerne in ein Punkrock-Koordinatensystem einordnet: ziemlich genau zwischen Samiam und Sparta. Starkes Ding!

Auf der Bandcamp-Seite von Smile And Burn kann man vom neuen Album den Song »Good Enough« hören. Auf YouTube im Übrigen auch:

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Musik in 1.000 Zeichen: Pictures – »Promise«

Pictures - Promise

Manche Informationen muss man einige Male lesen, um zu glauben, dass sie da stehen: Dieses Album hat in seiner Entstehung fünf Jahre gebraucht. Wie ist es bei dieser vergleichsweise langen Zeitspanne möglich, dass sich das Ergebnis anhört wie aus einem Guss? Die Antwort liegt zu einem großen Teil in der Tatsache, dass sich die vier Herren namens Pictures musikalisch außerhalb jeder Zeitrechnung bewegen.

Für ihre Spielart der druckvollen Popmusik setzen sie einfach auf Zutaten, die schon immer groß waren. Und die es immer sein werden: mitreißende Melodien, Arrangements ohne Scheu vor Streichern, Na-na-na-Chören oder Glockenspiel, wenn die gerade passen, Gitarren, die einander Raum zur Entfaltung lassen und genau darin bestärken, Bass und Schlagzeug, die alles unprätentiös zusammenhalten, Mut zur Emotion, zur textlichen Selbstoffenbarung und zur richtigen Portion Pathos.

»Promise« [Affiliate Link] ist schon im ausgehenden Winter ein Versprechen an den Sommer, an Freundschaft, an Arschbomben vom Steg in den See, an die Liebe und das Leben. Ein zeitlos wundervolles Stück Musik aus einem Guss.

Pictures haben übrigens auch einen Vevo-Kanal mit einigen Videos zum Album. Zum Beispiel den Opener »Down Under The Hill«:

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