Musik in 1.000 Zeichen: Spanish Love Songs – »Schmaltz«

Spanish Love Songs - Schmaltz

Baby, Baby, Baby, die warmen Jahreszeiten sind da! Drum nimm dir jetzt genau diese Platte, setz dich auf dein Fahrrad, dreh voll auf und cruise durch den sanften Abendwind. Spanish Love Songs kommen von der US-Westküste, klingen aber trotzdem mächtig nach Gainesville – und nach 90er-Emo.

Saftige Powerchords von Gitarre Nummer Eins werden überlagert von Gitarre Nummer Zwei und diesen Harmonieverläufen, wie man sie spätestens seit Hot Water Music oder dem Alkaline Trio liebt. Zusammen mit pfiffig breakendem Uptempo-Prügel-Schlagzeug ergibt das klassischen Ami-Punkrock, der den Arsch eines jeden Menschen bewegen sollte, der über einen Puls verfügt. Seit ihrem Debüt haben sich Spanish Love Songs klanglich und textlich noch ein wenig weiter geöffnet. Es geht stellenweise erstaunlich ruhig, statt wie damals durchgehend brachial zu.

Und sang Dylan Slocum dereinst von Ängsten und einer zerfallenden Ehe, sucht er auf »Schmaltz« [Partnerlink] auf gewohnt selbstentblößende Art Wege, positiv mit verheerenden Situationen und dieser Welt umzugehen. Tolle Platte, auch ohne Fahrrad und Abendwind.

»Schmaltz« kann man unter anderem auch auf der Bandcampseite der Spanish Love Songs antesten. Viel Vergnügen.

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Musik in 1.000 Zeichen: Graham Coxon – »The End Of The Fxxxing World«

Graham Coxon - The End Of The F***ing World

Von allen musizierenden Briten, die die 90er maßgeblich geprägt haben, war Graham Coxon derjenige, der schon immer am amerikanischsten klang. Anders als der Rest der Britpop-Bagage verschlossen sich er und die anderen Jungs von Blur eben nicht der Inspiration, die jenseits des großen Teiches geboten wurde.

Wen wundert es da, dass dieser von Coxon komponierte und eingespielte Soundtrack [Partnerlink] stellenweise massive Americana- oder bluesige Country-Einflüsse aufweist? Gerade die instrumentalen Zwischenstücke klingen derart Ry Cooder-esk, als seien sie für einen US-Roadmovie geschrieben worden. Tatsächlich handelt es sich bei »The End Of The Fxxxing World« jedoch um eine britische Miniserie, die uns via Netflix mitten in die Alltagsflucht zweier Problem-Teenager aus der Vorstadt katapultiert – das mit dem Road passt also.

Genauso wie der Rest des Scores, der dann doch ur-britisch klingt. Fein poppige Melodien, zwischendurch ein paar zornige Ausraster und unheimlich viel Atmosphäre. Zwei, drei Nummern haben sogar das Zeug, als Single durchzustarten. Coxon hat es halt drauf. Prima Musik für eine prima Serie.

»Walking All Day« ist einer dieser Songs, die so bemerkenswert nach US-Roadmovie klingen:

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Musik in 1.000 Zeichen: Nerd School – »Blue Sky For White Lies«

Nerd School - Blue Sky For White Lies

Meine Damen und Herren, die Nerd School ist zurück. Fünf Jahre sind seit ihrem knackigen Debüt vergangen. Jetzt wird mit dessen Nachfolger das nächste Level erklettert. Nach wie vor besteht diese Schule nur aus zwei Leuten.

Und nach wie vor reichen diese beiden Leute aus, um mit Wildsau-Schlagzeug und auf den Punkt gespielten Riff-Brettern Kopfhörer, Boxen, den Raum oder wahlweise Konzerthallen mit druckvollem Rock zu füllen. Vielfältig sind die Zutaten: Erdiger Blues, treibender Rock, staubiger Stoner, wilder Punk und kompakter Metal geben sich auf »Blue Sky For White Lies« [Partnerlink] nicht nur die Klinke in die Hand, sie existieren hier völlig gleichberechtigt nebeneinander.

Dass hier zudem die Energie eines schweißtriefenden Gigs erfolgreich ins Studio transportiert wurde, sorgt in Summe für ein Album, das gespickt ist mit Ecken und Kanten, an denen man sich stoßen und reiben kann. An denen man schlichtweg nicht vorbeikommt, wenn man ein Faible für experimentell-brachialen Rock hat.

Hörprobe? Da wäre zum Beispiel »Cave«:

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Musik in 1.000 Zeichen: Hop Along – »Bark Your Head Off, Dog«

Hop Along - Bark Your Head Off, Dog

Drei Jahre nach ihrem Meisterwerk »Painted Shut« haben es die wundervollen Hop Along tatsächlich geschafft, nochmal eine Schippe draufzulegen.

Vom Grundgerüst hat sich nicht allzu viel geändert: Noch immer offenbart Sängerin und Gitarristin Frances Quinlan über eine wilde Mixtur aus 90er-College-Gitarren, rauem Folk, Schmackes-Pop und Punk hinweg sehr persönliche Betrachtungen des Lebens. Etwa, wenn sie glaubhaft versichert, dass der unschöne Teil der Selbstfindung das Finden des Selbst sei. Doch trotz des stringenten Fortführens des seinerzeit eingeschlagenen Weges hebt sich »Bark Your Head Off, Dog« [Partnerlink] vielfach deutlich von seinem Vorgänger ab. Das rhythmische Fundament ist knackiger, dynamischer, fühlt sich tanzbarer an, lässt sich gleichzeitig aber auch mehr Raum für kleine, feine Vertracktheiten.

Derweil setzen sich Hop Along bei den Arrangements noch weniger Grenzen, lassen auch mal Streicher ran oder spielen mit einem Vocoder. Auch diesmal wieder nicht zu klären: Warum Quinlan in ihrem hasencleveren Songwriting, den ausgefuchsten Texten und dem hundeelenden Albumtitel immer wieder Tiere auftauchen lässt. Mystriös! Und großartig.

Auf der Bandcampseite von Hop Along kann man das neue Album unter anderem anhören.

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Musik in 1.000 Zeichen: Cedric – »Levity«

Cedric - Levity

Klarer Fall von Wow! Mit »Levity« [Partnerlink] stellen Cedric wahnwitzig-wuchtige 47 Minuten in die Regale aller gut sortierten Plattenläden. Klanglich bewegt sich das Trio aus Dresden irgendwo im immer weiter wachsenden Post-Universum. Postpunk, Postrock, was auch immer: Wichtig ist vor allem, dass dieses Debüt unglaublich knallt.

Perfekt greifen die Gitarren ineinander, erzeugen statisch flirrend die atmosphärische Grundierung, auf der sie dann mit Dicke-Hose-Riffs und turmhohen Schallwänden für durchgepustete Innenohren sorgen. Auf diesem vornehmlich finsteren Grundgerüst klettert dann der markante, verzweifelt-zornige Gesang herum. Zwischendurch nehmen Cedric das Tempo raus, niemals aber die Intensität. Der Überlieferung nach war die erste Probe im Jahr 2013 gleich eine Jamsession zur Erzeugung massiver Walls of Sound.

Diesem Ansatz ist die Band treu geblieben. Auch die neun Songs ihres Debüts basieren auf Jams. Und bei ihrer Ausformulierung herrscht maximale Freiheit vor. Das führt zu einer Vielzahl von überraschenden Wendungen und Breaks innerhalb jedes Songs. Und dazu, dass selbst Bläser und Streicher ihren Raum finden. Wow!

»Levity« kann man unter anderem auch auf der Bandcampseite von Cedric anhören. Viel Vergnügen.

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Musik in 1.000 Zeichen: Belle Adair – »Tuscumbia«

Belle Adair - Tuscumbia

Alles klar, mit der Platte hier ist der Sommer 2018 schon gerettet. Seit 2015 haben Belle Adair am Nachfolger ihres von Kritikern hochgelobten Debüts gearbeitet. Und Freunden der Melodie und der twangenden Gitarren Marke The Byrds sei gesagt: Das Warten hat sich aber sowas von gelohnt.

Mit »Tuscumbia« [Partnerlink] hat das Quartett aus Alabama 41 Minuten ungetrübter Schönheit geschaffen. Leichtfüßig tänzeln diese elf Songs daher. Höchstens zehn Takte ist das Album alt, wenn sich der gesamte Raum mit guter Laune und Sonnenschein zu füllen beginnt. Fortan scheint und strahlt alles im Glanz ebenso simplen, wie grandiosen Songwritings. Es braucht nicht mehr als Strophe-Refrain-Bridge-Strukturen voller sich anmutig öffnender Harmoniefolgen.

Wo die beiden wundervoll miteinander schwofenden Gitarren dabei nicht hinkommen, übernimmt eine feine Orgel im Wechsel mit einem Piano das Streicheln des Innenohres. Derweil legen sich über das völlig zurückgelehnt lässige Rhythmuskonstrukt hallende Gesangsmelodien und »Oohoohoo«-Chöre, die desnächtens am Strand über Kopfhörer genossen sein wollen. Oder mit Schirmchen im Getränk auf der Dachterrasse. Lauschig!

»Tuscumbia« lässt sich drüben auf der Bandcampseite von Belle Adair in Gänze anhören … und bei Bedarf auch kaufen.

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Musik in 1.000 Zeichen: Vizediktator – »Kinder der Revolution«

Vizediktator - Kinder der Revolution

Im Studio zu viert, auf der Bühne zu dritt, haben Vizediktator aus Berlin auch auf ihrem Debüt »Kinder der Revolution« [Partnerlink] die ganze Bandbreite der Rotzigkeit drauf, die sich auf der Vorgänger-EP bereits andeutete.

Da ist zerklüfteter Postpunk, da ist Noise gewordene Großstadt-Kühle und wenn es einfühlsam wird, schimmert die Schönheit immer nur durch eine Schicht abgeblätterter Farbe. Diese Musik besticht durch ein enormes Maß an urwüchsiger Energie. Auch ohne ständig auf die Tempotube zu drücken, ohne wilde Schlagzeugspirenzchen oder rasante Gitarrentricks fühlt man sich fast durchgehend am Kragen gepackt und durchgeschüttelt. Die Intensität ihres »Straßenpops« – so die Selbstbezeichnung der Band – kommt unmittelbar aus den handelnden Personen selbst, aus der anmutigen Wucht ihres Zusammenspiels.

Und natürlich aus diesen Texten. Deren düster-poetische Kraft, die aus ihnen sprechende glasklare Haltung zu Schreckensthemen unserer Zeit und auch die heisere Art, mit denen sie ins Mikro gejagt werden, erinnern immer wieder an Rio. Rio mit so ’nem Hals, allerdings. Starkes Ding!

»Kinder der Revolution« kann man unter anderem auf der Vizediktator-Bandcampseite anprobieren. Müsste prima ins Ohr passen.

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