Freier Raum

Cafayate 246x300 Freier RaumVor über zwei Stunden haben wir Cafayate hinter uns gelassen, seitdem nichts anderes gesehen als Steine und Kakteen. Längst ist aus der anfänglich gemütlichen Wanderung eine beschwerliche Kraxelei geworden. Nur das Plätschern des kleinen Bächleins lässt uns erahnen, dass wir immer noch auf dem richtigen Weg sind. Tief in diesem Canyon soll mit einem majestätischen Wasserfall ein wahres Naturschauspiel auf uns warten. So hat uns zumindest Walter versprochen, der Wirt unseres Hostels. Hinter der nächsten Biegung finden wir aber erst einmal etwas völlig anderes. Eine kleine Lichtung tut sich auf, an deren Rand jemand zwei Stangen in den Sandboden gerammt hat. Eine dritte, auf den beiden anderen quer liegende, komplettiert das Werk. Hier steht ein Fußballtor. Mitten im Nichts. Alles andere hätte uns auch gewundert.

Drei Wochen lang waren meine Freundin und ich im Frühjahr 2006 mit dem Rucksack in Südamerika unterwegs. Während zu Hause Alemannia in die Bundesliga aufstieg und sich der Rest der Heimat für die bevorstehende WM herausputzte, hätten wir an allen möglichen und einigen unmöglichen Orten Gelegenheit zum Kicken gehabt. Egal ob Wildnis oder Großstadt: Wo immer sich Platz bot, schienen die Einheimischen ein bis zwei Tore hingestellt zu haben. Und wir haben draufgehalten. In Ermangelung eines Balles allerdings nur mit dem Fotoapparat. (Ein besonders skurriles Spielfeld ist uns dabei leider durch die digitalen Lappen gegangen. Den dreieckigen Bolzplatz mitten in der chilenischen Hafenstadt Antofagasta, eingepfercht zwischen zwei Straßen und einer Eisenbahntrasse, umgeben von einem fünf Meter hohen Zaun, haben wir erst viel zu spät als solchen erkannt. Da war unser Überlandbus schon fast um die nächste Ecke gebogen.) Einige der damals entstandenen Schnappschüsse gibt es nach dem Klick zu sehen. …besagter Klick

Gefangen in einer weit, weit entfernten Galaxie

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Foto: Leigh Anthony Dehaney

Ein Teil von mir ist gefangen an einem Freitagnachmittag. Ich bin neun Jahre alt, Lando Calrissian und C3-PO. Gestern haben wir »Die Rückkehr der Jedi-Ritter« bei René geguckt. Heute wollen wir den Film nachdrehen. Dirk hat die Kamera seines Vaters mitgebracht. Er ist Luke Skywalker. (Das funktioniert in etwa wie beim Fußball: Wer den Ball mitbringt, darf Rummenigge sein.) Prinzessin Leia ist auch schnell gefunden. Von den Mädels will nur Silke mitmachen. Später soll Marc sie küssen. Han Solos tun so etwas nun einmal. Als Belohnung für diesen selbstlosen Einsatz darf er auch den Darth Vader spielen. Marc ist einen Kopf größer als alle anderen. Und er kann rasselnd atmen wie kein Zweiter. Als alle Rollen verteilt sind, merken wir erst, dass der Schulhof gar nicht aussieht wie der Wüstenplanet Tatooine. Und einen Berg, in dem ein großes Tor aufgeht, gibt es hier auch nicht. Nach einigem Überlegen scheitert unser Filmprojekt schon vor der ersten Klappe an nicht zu überwindenden, logistischen Problemen. Dirk bringt die Kamera nach Hause und wir gehen Fußball spielen. Ich bin Rummenigge. (Foto veröffentlicht unter cc by-nc-nd 2.0) zum Artikel →