Musik in 1.000 Zeichen: Notilus – »Notilus«

Notilus - Notilus

Eines der neuesten Pferde im Denovali-Stall – und was für ein edles Ross das ist! Hinter Notilus verbergen sich fünf französische Jazzmusiker, die allesamt schon höhere Weihen empfangen haben. Nun haben sie sich in dieser Formation zusammengetan, um gemeinsam Klanggemälde zu malen.

Und das Ergebnis ist von der ersten Sekunde an fesselnd. Irgendwo zwischen 70er-Krimi-Soundtrack, zeitgenössischer Improvisationsmusik und retro-futuristischem Science-Fiction-Gezirpe siedelt sich der Sound an, den Posaune, Trompete, Saxophon – alle stellenweise mit Effekten verfremdet – gemeinsam mit Schlagzeug und Live-Elektronik erzeugen. Von ganz feiner, ruhig-melancholischer Beinahe-Stille bis hin zum ausufernden, beatlastigen Klanggewitter durchwandert das selbstbetitelte Debüt [Affiliate Link] innerhalb von zehn Stücken alle nur erdenklichen Darstellungsformen von Sound.

Das ist anspruchsvoll, ohne je anstrengend zu werden. Vergleiche wie Jaga Jazzist kommen unterwegs in den Sinn, nur dass diese Formation hier auf ein französisches und kein skandinavisches Klangfundament baut. Saugut!

Auf der Bandcamp-Seite von Notilus kann man Teile des Debüts anhören. Gute Reise.

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Musik in 1.000 Zeichen: Peter Perrett – »How The West Was Won«

Peter Perrett - How The West Was Won

Peter Perrett ist einer dieser unentlohnten Helden. Was er mit seiner Band The Only Ones vor mittlerweile 40 Jahren schuf, machte ihn zum musikalischen Vorbild für Leute wie die Replacements und Nirvana, wie Blur und nicht zuletzt die Libertines. Im Gegensatz zu denen hat Perrett jedoch nie den großen Durchbruch feiern dürfen. Stattdessen hat er ab 1982 den großen Zusammenbruch mit anderthalb Jahrzehnten im Nebel durchlebt.

Seit der Mitte der 90er taucht er von Zeit zu Zeit immerhin sporadisch auf. Jetzt, mit 65, also mal wieder ein Album. Und »How The West Was Won« [Affiliate Link] bietet etliche schöne Momente klassisch britischer Prägung. Da gipfeln großartige Liedaufbauten in catchy Refrains, da greifen schnittige Gitarren und ein beweglicher Bass perfekt ineinander. Zwischendurch sausen gänzlich unbritische, eher Neil-Young-eske Soli durch die Luft.

Und in diese Anordnung hinein erzählt Perrett seine Geschichten, die biographisch anmuten und streckenweise arg an der zulässigen Pathosmarke kratzen. Aber vielleicht ist das der Lohn, wenn man vier Jahrzehnte unter dem ganz großen Radar hindurchfliegt: Man darf einfach singen, was man will.

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Musik in 1.000 Zeichen: Amplifier – »Trippin‘ With Dr. Faustus«

Amplifier – Trippin' With Dr. Faustus

Die Talsohle scheint durchschritten. Mit Album Nummer Sechs schließen Amplifier wieder an die wuchtigen Klänge der ersten beiden Platten an. Unter Umständen liegt es daran, dass Spiritus Rector Sel Belami und die Seinen ihren Hang zum Überkandidelten diesmal nicht an der Musik austoben, sondern an der Kreation eines Konzeptalbums.

Eine klangliche Verarbeitung von Goethes Faust, bei der unter anderem Silvio Berlusconi Erwähnung findet: Prima, wer viel Hirnschmalz in die Story steckt, kann bei der Musik bei seinen Leisten bleiben. Und das wirkt sich spürbar auf den Spaß aus, den »Trippin‘ With Dr. Faustus« [Affiliate Link] bereitet. Kraftvoll die Riffs, umwerfend die Breaks, hinter denen es erst richtig losgeht, und wahnwitzig die Momente, in denen Amplifier dem Song die Zügel lösen.

Dann ergeben sich Klangerlebnisse wie seit dem selbstbetitelten Debüt oder dessen Nachfolger »Insider« nicht mehr. Dann schießt die gesamte Belegschaft hinaus ins All, dreht ein paar Runden um den Mond und landet sicher wieder auf den Füßen. Endlich wieder Space Rock! Endlich wieder Amplifier!

Auf der Bandcamp-Seite von Amplifier kann man sich die Rückkehr zur alten Stärke in Form des neuen Albums unter anderem anhören. Viel Spaß!

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Musik in 1.000 Zeichen: Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen – »It‘s OK To Love DLDGG«

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen - It's OK to love DLDGG

Die Welt dreht sich weiter, die Liga der gewöhnlichen Gentlemen bleibt sich einfach treu. Auch auf Album Nummer Vier präsentieren die fünf Hamburger Second-Hand-Dandys ihren ebenso unverwechselbaren, wie unwiderstehlichen »Modern-Vintage-Sound« – so die ironisierende Selbstzuschreibung mit Blick auf den altbewährten Mix aus Beat, Bubblegum-Pop, Mod, Punk und Northern Soul.

Überhaupt, »ironisch« und »selbst«: Gleich drei Songs plus Abumtitel dieser selbsternannten Konzeptplatte setzen sich mit der Situation als Plattenmillionäre der Herzen auseinander. Daneben macht sich Sänger Carsten Friedrichs in gewohnter Manier Versmaß und Reimschema Untertan, um von Kiezgrößen wie Gerd von der Eisdiele zu erzählen, von Widerständlern wie dem Mann, der in Köln mit nur einer Flasche 50.000 Euro aus Pfandautomaten ergaunerte, oder von Promitod und zu engen Shirts.

Und verstand er der Deutschen liebstes Liedgut auf dem Vorvorgänger nur einfach nicht, heißt es jetzt: »All you can eat, Musik ohne Beat, so primitiv!« In einem bleibt sich die Liga dann doch nicht treu. Auf »It‘s OK To Love DLDGG« [Affiliate Link] sind es diesmal elf statt wie sonst zehn Songs. Inflation!

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Musik in 1.000 Zeichen: Pet Symmetry – »Vision«

Pet Symmetry - Vision

Noch immer tummeln sich etliche Bands auf dem Rücken der 90er-Emo-Revival-Welle. Und wie damals bei den »Originalen« ist auch bei den Nachfahren für jeden Geschmack etwas dabei. Die einen Bands ventilieren ihren Schwermut über die Musik, wieder andere machen gesellschaftskritische Ansagen oder gehen furchtbar ernst an den musikalischen Teil der Geschichte.

Und dann sind da Pet Symmetry, die auf all das ein Häuflein setzen. Diese drei Herren sind hier, um Spaß zu haben und Spaß zu bereiten. Mit dem erst zweiten Album schon beim für dieses Genre geschichtsträchtigen Label Polyvinyl angekommen, hauen sie einen Schlagzeugwirbel, eine Feelgood-Indie-Gitarre oder eine mitreißende Hookline nach der anderen raus. Wie ein aus dem Ruder gelaufener Kindergeburtstag rennen sie jeder wilden Idee nach, bis die nächste um die Ecke kommt. Zack, Richtungswechsel. Nächster Song, nächster Spaß.

Denn alles auf »Vision« [Affiliate Link] wird nicht nur mit maximaler Energie vorgetragen, sondern auch mit sicherem Händchen für Arrangement und Songwriting. Die hohe Kunst des Etwas-draufhaben-ohne-sich-zu-ernst-zu-nehmen. Immer wieder schön.

Auf der Bandcamp-Seite von Pet Symmetry kann man »Vision« unter anderem anhören. Viel Spaß!

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Musik in 1.000 Zeichen: Broken Social Scene – »Hug Of Thunder«

Broken Social Scene - Hug Of Thunder

Sieben Jahre lang war sie auf kleine Flamme gestellt, jetzt kocht sie endlich wieder: Die Ursuppe des kanadischen Indierock ist zurück auf dem Herd. Ohne den von der Broken Social Scene freigetrampelten Weg hätten es in den letzten anderthalb Jahrzehnten nicht einmal annähernd so viele großartige Acts wie Feist, Metric oder Arcade Fire aus dem Ahornland auf unsere Plattenteller geschafft.

Und nun zeigen die Altvorderen nach quälend langer Pause noch einmal, wo das alles herkommt. Nichts haben Kevin Drew, Brendan Canning und ihre mal sechs-, mal neunzehnköpfige Band verlernt – wirklich nichts. »Hug Of Thunder« [Affiliate Link] sprüht über vor wahnwitzig gutem Songwriting, vor Experimentierfreude bei den Arrangements, vor Verschrobenheit bei gleichzeitiger Eingängigkeit. Alles ist bis ins kleinste Detail ausgetüftelt und wirkt doch so einfach.

Aus allen Zeilen und Takten tropfen die Spielfreude und das kompositorische Händchen. Die ruhigen Momente hat die Scene immer noch genauso drauf wie die hymnenhaften Bombastsonghöhepunkte, auf die alles in Perfektion hinarbeitet. Brillant!

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Musik in 1.000 Zeichen: alt-J – »Relaxer«

alt-J - Relaxer

Nach fast drei Jahren Welttour am Stück kann einem der Sinn nach Relaxen stehen. Die zum Trio geschrumpften alt-J aus Leeds haben das gleich mal zum Programm und Titel ihres dritten Albums gemacht. Für »Relaxer« [Affiliate Link] haben sie ihren vormals verschachtelten Folk-Rock auf das Wesentliche heruntergeschält: eine Gitarrenlinie, etwas Percussion, ein wenig Elektronik, Gesang, fertig.

Das trägt immer genau so weit, wie dieses Minimum an Arrangement etwas hat, um damit zu arbeiten – eine Melodie, etwa, oder zumindest eine verfolgenswerte Idee. Gerade in der zweiten Albumhälfte gehen derlei Ideen aber zunehmend flöten. Kurz vor dem Albumende ist die leider völlig unaufregende Nulllinie des Relaxens erreicht, nach der es zum Glück wieder aufwärts geht.

Mit dem Finale schaffen alt-J den Umkehrschwung, der alle zwischenzeitlich aufkeimenden Zweifel an der Zukunft dieser Band wegwischt. »Pleader« ist eine fast sechsminütige, regelrecht sakrale Bombast-Folk-Nummer mit Orchester, Chor und Orgel, die für jeden zuvor erlebten Langeweile-Anflug entschädigt.

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