Musik in 1.000 Zeichen: Frère – »Void«

Frère - Void

Zerbrechlichkeit und Stärke müssen sich nicht zwingend gegenseitig ausschließen. Frère, das im Lauf der letzten drei Jahre zur Band gewachsene Songwriter-Projekt von Alexander Körner, ist hierfür ein ganz herrlicher Beleg.

Im Grunde legen der Mittzwanziger aus Bochum und seine drei Mitbrüder ihre Songs enorm fragil an – hauchzart die Gitarre, genau aufs richtige Mass zurückgeschraubt das Schlagzeug, eher tastend als stampfend der Gesang und filigran die das Arrangement abrundende Elektronik. Und doch geben einem die acht Stücke des Debüts »Void« [Affiliate Link] zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, im nächsten Moment zu zerbröseln. Jeder Takt verströmt das Selbstbewusstsein vierer Musiker, die ihr Können für ein großes Gemeinsames in die Waagschale werfen.

Geduldig bauen sie ihre Songs auf und vermitteln dabei die Gewissheit, den Weg zum Ziel zu kennen. Es lohnt sich mitzugehen. Auf dem Höhepunkt jedes Songs winkt diese Schönheit, wie sie nur im Zusammenspiel von Melancholie und Gelassenheit entsteht. Stark.

Auf der Bandcampseite der Band besteht die Möglichkeit, »Void« unter anderem anzuhören.

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Mr. Matt & The Madsonix: Partyknaller aus der Glotze

Madsonix_Foto Nikolas Müller
Foto: Nikolas Müller

Seit gut sechs Jahren rocken, jazzen und funken Mr. Matt & the Madsonix aus Bonn die Bühne mit Musik, die jeder kennt: Hits aus Film und Fernsehen.

Tagsüber leben diese fünf Menschen völlig unbemerkt unter uns. Doch wenn die Nacht kommt und die Bühne ruft, verwandeln sie sich in »Mr. Matt & the Madsonix«, eine Band wie eine Spezialeinheit – in etwa wie ein groovendes A-Team, oder wie ein Quintett mit zehn äußerst musikalischen Fäusten. Von Gitarrist und Sänger Matt Sonnicksen, der als Sessionmusiker schon Platinproduzenten bei der Arbeit half, bis hin zu Violinistin Alice Wignjosaputro, mehrfache »Jugend musiziert«-Preisträgerin und für Leute wie Robbie Williams und die Scorpions auf der Bühne, haben sich hier fünf Leute zusammengetan, die dank ihrer Erfahrung nicht nur alle erdenklichen Musikgenres perfekt spielen können, sondern dies auch unbedingt tun wollen.

Mit den Madsonix, wie die Band gerne kurz gerufen wird, haben sie den perfekten Weg geschaffen, sich nicht auf irgendeine Musikrichtung festlegen zu müssen. Musik aus Film und Fernsehen steht bei ihnen auf dem Programm. Rock, Pop, Jazz, Funk, Country: Alles dabei. Und alles wird in Rampensaumanier auf die Bühne gebracht.

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Musik in 1.000 Zeichen: Hot Water Music – »Light It Up«

Hot Water Music - Light It Up

Hoppla, wen haben wir denn da? Fünf Jahre sind seit dem letzten Album dieser Herren vergangen. Und schon nach 30 Sekunden des Nachfolgers ist die Punkrockwelt (oder je nach musikalischer Lesart: die Posthardcore-Welt) wieder völlig in Ordnung.

Wenn Chris Wollard grimmt und Chuck Ragan röhrt, wenn die Gitarren der beiden kraftvoll durch die Akkorde jagen, wenn Jason Blacks Bass Rückhalt gebend über die Tonleitern huscht und Drummer George Rebelo dem alten Klepper die Sporen gibt, dann kann überhaupt nichts mehr schiefgehen. Für »Light It Up« [Affiliate Link] haben Hot Water Music einen Trip in die Vergangenheit unternommen. In Gainesville waren sie im Studio – dort, wo sie vor bald einem Vierteljahrhundert die Rhythmen fanden und Sprit für das »Hate Game« tankten.

Mit Live-Tonmann statt Produzentem haben sie dort in gerade einmal vier Wochen ein Dutzend Songs auf Platte gebannt, die deutlich rauer sind als das Material des Vorgängers. Mehr Uptempo, mehr Energie, mehr eingängige Hooks und Fingerpointing-Gelegenheiten. Ein Album, wie gemacht für die Bühne. Tour, bitte!

Und so klingt der Spaß, zum Beispiel. »Vultures« ist einer der Songs des neuen Albums:

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Musik in 1.000 Zeichen: Monk Parker – »Crown Of Sparrows«

Monk Parker - Crown Of Sparrows

Drei Jahre lang brauchte Monk Parker, um sich von einer schweren Krankheit zu erholen. Hunderte Stunden Musik hat er in dieser Zeit aufgenommen – Musik, die schon sein Debütalbum im Jahr 2015 mit Grandezza füllte. Auch das Nachfolgewerk »Crown Of Sparrows« [Affiliate Link] enthält zu weiten Teilen Songs jener Rekonvaleszenz-Sessions.

Und wieder ist es in Anbetracht ihrer Entstehungsgeschichte erstaunlich, wie ungeheuer undüster diese Musik daherkommt. Oder besser: Wieviel Licht durch die Brüche in diesen Werken flutet. Parker und seine Band breiten eine Art Slomo-Americana als Grundierung aus. Mundharmonika, Pedal-Steel und kleine Bandbesetzung schaffen den countryesken Rahmen, in dem sich vollmundige Bläserarrangements, zärtliche Streicher, singende Sägen oder saftige E-Pianos tummeln.

Alles hallt von irgendwoher wider, stellenweise reißt ein noisiges Soundgewitter kurz das Fenster auf. Mit seiner ruhig-sonoren Stimme erzählt Parker dazu Alltagsgeschichten mit einer Ruhe, die selbst das Zeitlupengrundtempo noch weiter runterbremst. Minimal und orchestral, melancholisch und lebensfroh: Alles auf wunderbare Art gleichzeitig.

Auf seiner Bandcampseite präsentiert Monk Parker unter anderem auch »Crown Of Sparrows«.

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Beethovenfest 2017: Im Zeichen des Liedes und der Liebe

Public Viewing beim Beethovenfest Bonn 2015
Foto: Sonja Werner

Die diesjährige Auflage des Beethovenfestes widmet sich einer das Innerste offenbarenden Seite ihres Namensgebers. Auch der unerfüllt liebende Ludwig hat Großes hinterlassen.

Er war ein Veränderer, auch ein Revolutionär. Nachdem das Beethovenfest mit seiner künstlerischen Ausrichtung in den vergangenen beiden Jahren diesen beiden Qualitäten Ludwig van Beethovens nachgespürt hat, haben die Macher des Festivals um Kuratorin Nike Wagner für das Jahr 2017 eine vergleichsweise stille Seite Beethovens zum Zentrum ihrer rund 60 Veranstaltungen zwischen dem 8. September und 1. Oktober gemacht: den liebenden Ludwig, den vor allem sehnsüchtig liebenden.

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Musik in 1.000 Zeichen: Beatsteaks – »Yours«

Beatsteaks - Yours

Als sich die Beatsteaks trafen, um erste Ideen für den Nachfolger zum 2014er-Nummer-Eins-Album auf einen gemeinsamen Haufen zu werfen, lagen dort plötzlich so viele und vor allem so viele verschiedene Ansätze wie bisher noch nie. Soweit die mündliche Überlieferung, die völlig glaubwürdig wird, wenn man erst einmal das fertige Werk vor Ohren hat.

»Yours« [Affiliate Link] ist das wandlungsfähigste Album der Bandgeschichte. Natürlich gibt es unter den insgesamt 21 Songs etliche mit stadiontauglichen Breitband-Punkrock-Gitarren. Aber da sind eben auch Momente, in denen Dir das Riff per Orgel in den Schädel genagelt wird, in denen Dich der Rhythmus zum Tanzen abholt wie einst die späten Clash, in denen die Nummer eher bouncet als rockt und es trotzdem immer noch knackig zugeht.

Ein Jahr lang haben die Beatsteaks mit illustren Gästen von Deichkind über Stereo Total bis Jamie T an diesem Album geschraubt. In dieser Zeit ist aus dem initialen Ideen-Haufen ein abwechslungsreicher Spaß geworden, der die Band auf neue Wege führt und sie doch jederzeit total beatsteakig klingen lässt.

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Musik in 1.000 Zeichen: Mogwai – »Every Country‘s Sun«

Mogwai - Every Country's Sun

Das erste Album seit der Schrumpfung zum Quartett. Mit zwei Filmscores hatten sich Mogwai in der Zwischenzeit auf die neue Konstellation eingegroovet. Ohne Verpflichtung, klanglich bewegten Bildern folgen zu müssen, gehen sie nun mit »Every Country’s Sun« [Affiliate Link] in die Vollen.

Da wabern und flirren die Synthies als ständiges Grundrauschen, da entwickeln sich kleine Gitarrenfiguren zu mächtigen Brechern, da werden elektronische und analoge Strukturen zu hymnenhaftem Trancerock verflochten. Überall Melodien und tonale Ideen und Bewegungen – kleine Zuckungen manchmal nur, die einen aber dennoch in das Lied reinreißen, bis man völlig darin versunken ist. Und dann immer wieder Überraschungen: das bislang gesungenste Lied der Bandgeschichte, zum Beispiel, auf New-Order-Niveau charttauglich.

Oder die letzten dreieinhalb Songs, die mit ihren Höhepunkten beinahe an die Brachialität früherer Tage erinnern. Wände aus Klang, die in Zusammenarbeit mit Produzent Dave Fridmann entstanden. Dem Mann, also der mit »Come On Die Young« im Jahr 1999 den ersten größeren Schwenk vom Wuchtigen zum Filigranen begleitete. Nun also umgekehrt. Saugut.

Auf der Bandcampseite des Labels Temporary Residence besteht die Möglichkeit, »Every Country’s Sun« unter anderem zu hören.

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